0 Bewertungen
30.08.2006 
US-Strategie im Fall Iran

Sanktionen mit bösen Nebenwirkungen

von Jan Dirk Herbermann

Die US-Regierung schlägt harte Töne gegen den widerspenstigen Iran an. Laut Aussage von Diplomaten arbeiten die USA an zwei Eskalationsmodellen: Einen in Zusammenarbeit mit der Uno, und einen im Alleingang. Beide Strategien bergen einige Risiken in sich.

GENF. Die internationale Gemeinschaft wolle „den Weg von Sanktionen beschreiten“, verbreitet Außenamtssprecher Sean McCormack. Und Stuart Levey vom US-Finanzministerium prangerte die Mullahs als die „Zentralbankiers des Terrors“ an. Wenn Teheran nicht auf die Urananreicherung verzichte, müsse man ernst machen.

Die USA arbeiten laut Diplomaten an zwei Eskalationsmodellen: Mit der Uno, und ohne die Uno – eine neue Koalition der Willigen. Riskant sind beide Strategien.

Ab Freitag könnte der Uno-Sicherheitsrat theoretisch einen Strafkatalog gegen Iran ausarbeiten. In einer Resolution von Ende Juli droht das höchste Gremium der Vereinten Nationen den Mullahs bereits mit allen nichtmilitärischen Mitteln: von einem vollständigen Wirtschaftsembargo bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen. „In der Praxis werden aber noch einige Wochen bis zu einem Beschluss des Rates verstreichen – wenn überhaupt“, bestätigen Diplomaten. Auch diskutierten die fünf permanenten Mitglieder des Sicherheitsrates (USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, China) sowie Deutschland formal noch nicht über Sanktionen. „Das würde die Russen sofort misstrauisch machen“, heißt es. Russland und China lehnen Sanktionen gegen Iran ab, beide können als Uno-Vetomächte Strafmaßnahmen blockieren.

Damit bleibt der Weg ohne die Uno. Zunächst sollen laut US-Plänen internationale Sanktionen die iranischen Waffenprogramme direkt treffen: Teheran könnte dann kaum noch Kriegsmaterialen aller Art, Präzisionswerkzeuge oder benötigtes Know-how importieren. Hinzu kämen internationale Reisesbeschränkungen.

Daneben könnte Iran langsam der Geldhahn zugedreht werden. Nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) von Januar 2006 horten die Mullahs 25 Mrd. Dollar bei Banken in 39 Ländern. Medien zufolge drängt die US-Regierung europäische Banken, die Beziehungen zu Iran einzuschränken. Bereits 2005 beschloss die Schweizer UBS, größter Vermögensverwalter der Welt, die Geschäfte mit Iran abzubrechen. Davon sind Private, Unternehmen und staatliche Institutionen in Iran betroffen. Der Beschluss sei unter Einhaltung bestehender Verträge umgesetzt worden, sagte ein UBS-Sprecher am gestrigen Dienstag.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Embargo würde den Iran hart treffen, könnte aber ungewollte Folge haben.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

  • Wahlfarce in Simbabwe

    Wahlfarce in Simbabwe

    Jagd auf Oppositionelle, Gewalt gegen Nichtwähler: Die umstrittene Wahl in Simbabwe löst weltweit Empörung aus. Doch Präsident Robert Mugabe lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Die Wahlfarce in Bildern. Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Bogotá: Keinen Centavo für Ingrid 

06.07.2008Global Reporting

Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe hat am Wochenende massiv Berichten widersprochen, seine Regierung habe für die Befreiung von Ingrid Betancourt ein Lösegeld von 20 Millionen Dollar bezahlt. „Einige Verbitterte versuchen die Rettung zu beschmutzen“, wetterte Uribe am Sonnabend. Blog


weiterMadagaskar

Verrät Barack Obama seine Politik? 

27.06.2008Madagaskar

Barack Obama als Befürworter der Todesstrafe und des Waffenbesitzes? Es scheint, als habe der Kandidat der Demokraten für das Weiße Haus seine Seele verkauft. Doch er macht nur, was jeder Politiker macht, der gewinnen will. Auch er. Blog