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14.03.2008 
Parlamentswahl im Iran

Ein Volk ohne Alternative

von Mathias Brüggmann

Mahmud Ahmadinedschads Wirtschaftspolitik ist zwar gescheitert - bei den iranischen Parlamentswahlen am Freitag kann sein politisches Lager dennoch nicht verlieren. Die Reformpolitiker des Landes und Kritiker des Präsidenten werden beim Urnengang nämlich keine Rolle spielen.

Ein iranischer Geistlicher gibt seine Stimme ab: Die Parlamentswahl ist der erste große Stimmungstest für Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Foto: APLupe

Ein iranischer Geistlicher gibt seine Stimme ab: Die Parlamentswahl ist der erste große Stimmungstest für Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Foto: AP

TEHERAN. Mit einer blank polierten Kalaschnikow vor der Brust steht ein Soldat vor einer schmalen Gasse im Südosten Teherans. An dem Mann kommt keiner vorbei. Ein kleines Haus aus rotem Backstein, fast am Ende der Gasse, ist der Grund, warum der Soldat hier Wache schiebt. Es ist das Elternhaus von Mahmud Ahmadinedschad.

Hier hat der iranische Präsident lange gelebt – in bescheidenen Verhältnissen, in einem Drei-Zimmer-Haus, spärlich möbliert, auf dem Boden ausgetretene Teppiche. Hier ließ er sich filmen, vor seinem Einzug in den Präsidentenpalast.

Ahmadinedschad, ein Mann der kleinen Leute – so hat er sich in Szene gesetzt. Und das hat seine Wirkung nicht verfehlt. Mehr als 17 Millionen der insgesamt 75 Millionen Perser wählten ihn Mitte 2005 zu ihrem Präsidenten. Und hier im Stadtteil Narmak, wo Ahmadinedschads Elternhaus steht, lassen sie bis heute nichts auf ihn kommen.

„Ein guter Mann“, sagt Scherenschleifer Ali, der mit einem Quetschkommoden-Spieler und einem Trommelschläger noch immer von Haus zu Haus zieht. Er kenne Ahmadinedschad seit Kindertagen. „Damals war er mit seinen spindeldürren Beinen ein Ärgernis. Er wollte immer mit Fußball spielen, doch er konnte es nicht so recht“, erzählt Ali. „Am Ende hat er sich durchgebissen, und das tut er ja bis heute.“

Am heutigen Freitag stimmen die Iraner wieder ab – dieses Mal über ein neues Parlament. Die Wahl wird zeigen, ob Ali, der Scherenschleifer, recht behält und die Mehrheit der Iraner seine Meinung über den Präsidenten teilt. Auch wenn Ahmadinedschad nicht selbst zur Wahl steht, wird das der erste große politische Test für ihn – seit er vor gut zweieinhalb Jahren ins Amt kam. Und so viel steht schon jetzt fest: Sein ultrakonservativ-islamisches Lager dürfte sogar zulegen. Denn die Reformpolitiker des Landes und Kritiker Ahmadinedschads werden bei den Wahlen keine Rolle spielen.

Der konservative Wächterrat hat von 7 200 Bewerbern nur 4 400 zugelassen, 95 Prozent davon sind islamische Traditionalisten, während 90 Prozent der Reformkandidaten von den Wahllisten gestrichen wurden. Nur in 110 der 290 Wahlkreise können die Reformer überhaupt Kandidaten aufbieten. Ein westlicher Beobachter in Teheran fasst die Lage so zusammen: Ahmadinedschads politisches Lager könne bei den Parlamentswahlen gar nicht verlieren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Seinetwegen kleiden sich viele Frauen heute wie Flittchen“

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