| HANDELSBLATT, Dienstag, 19. Februar 2008, 12:52 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Russland-Serie | ||||||||||||||||||||||||
Im Ural streckt sich die Bürgergesellschaft aus dem Eis | ||||||||||||||||||||||||
Von Thomas Wiede | ||||||||||||||||||||||||
Russland belebt seine eingeschlafene öffentliche Diskussionskultur. In Perm, dem alten industriellen Rückgrat Russlands, sind nicht nur Diskussionsrunden über Putins Politik in Ordnung; es gibt sogar eine Zeitung, die ihre Feindschaft mit dem russischen Präsidenten pflegt. In der Millionenstadt Perm gibt sich die Macht kooperativ. Ein Sonderfall. | ||||||||||||||||||||||||
PERM. „Was soll das hier eigentlich?“ Der alte Mann springt erregt auf: „Das soll eine Diskussion sein? Ihr sagt doch alle das Gleiche!“ Die Disputanten im Festsaal des Hotels Ural in der zentralrussischen Industriestadt Perm schauen sich verdutzt an. Die Positionen auf dem Podium liegen tatsächlich nicht sehr weit von einander entfernt: Eingeladen ist zum runden Tisch, der „das Herrschaftssystem Putins“ erörtern soll – und es kommt nicht besonders gut weg. Neben zwei Politologen von der örtlichen Uni haben sich ein Umweltaktivist und der Chef einer unabhängigen Bürgerberatung eingefunden. Im Saal hängen Deko-Reste von der letzten Neujahrsfeier. Einer der Akademiker bringt die Putin-Jahre trotz aller Kritik auf drei Schlagworte: „Stabilität, Stabilität, Stabilität“. Das Publikum, rund 100 Zuhörer vom Teenager bis zur Großmutter und auch ein Assistent des Gouverneurs, hört distanziert zu. Bis hierher.
„Ich werde euch jetzt mal sagen, was das für eine Stabilität ist, die Putin uns gebracht hat“, ruft der alte Mann empört aus: „Die Löhne haben sich verzehnfacht aber die Mieten vervierzigfacht!“ Da kommt ein wenig Stimmung auf. Igor Awerkijew, der Chef der Bürgerberatung, der den Abend mit organisiert hat, ist am Ende zufrieden. Es ist die zweite Veranstaltung dieser Art, sie soll dazu dienen, die wie er findet, eingeschlafene öffentliche Diskussionskultur wieder zu beleben. Dabei besteht in der Permer Region, anders als in den meisten anderen russischen Landesteilen, noch eine recht lebendige Zivilgesellschaft. Bei aller Kritik an den herrschenden Verhältnissen sieht das auch Awerkijew: „Perm ist ein Sonderfall“, sagt er. Obwohl, es fällt ihm schwer zu sagen, warum. In der Region im Ural, dem alten industriellen Rückgrat Russlands, sind nicht nur Diskussionsrunden über Putins Politik in Ordnung. Es gibt auch eine Zeitung, die ihre Feindschaft gegen den herrschenden Gouverneur unter anderem mit ätzenden Karikaturen pflegt,. Sie erscheint trotz erschwerter Arbeitsbedingungen regelmäßig. Im heutigen Russland ist das nicht selbstverständlich. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Verwaltung soll effizienter werden. | ||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||
|
MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK: |
| US-Republikaner fürchten „Blutbad“
|
|
| Spenden erreichen Birma trotz Militärjunta |
|
| Demokraten erzürnt über Bush-Äußerungen in Jerusalem |
|
| Der tägliche Angriff von Chávez |
|
| US-Repräsentantenhaus verweigert überraschend Kriegsgelder |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps |
|
| ©
Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH - Economy.One 2008 Für die Richtigkeit der Angaben übernehmen wir keine Gewähr. Bitte beachten Sie auch folgende Nutzungshinweise,die Datenschutzerklärung und das Impressum. |
|








