PolitikInternational
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Mittwoch, 20. Februar 2008, 08:50 Uhr
Russland-Serie: Wladiwostok

Wo für die Japaner Europa anfängt

Von Finn Mayer-Kuckuk

Die russische Hafenmetropole Wladiwostok befindet sich im hintersten Winkel des Landes. Doch trotz ihrer Nähe zu den Märkten Asiens weiß die Stadt nicht so recht, wo sie hingehört. Nun soll sich vieles ändern: Präsident Putin hat der Hafenstadt ein Milliardenprojekt in Aussicht gestellt – doch die Einwohner sind misstrauisch. Die Russland-Serie.


 Mehr zum Thema: Serie: Russland real - ein Blick in die Regionen
Artikel

In den Agrar-Ruinen regt sich neues Leben (21.02. 09:52)

Artikel

Im Ural streckt sich die Bürgergesellschaft aus dem Eis (19.02. 12:52)

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel (18.02. 08:39)

Zum Special ...


WLADIWOSTOK. Der Bug der Autofähre zerbricht die Eisschicht, die sich auf dem Meer gebildet hat. Das Schiff rumpelt, als es jenseits der Hafeneinfahrt von Wladiwostok die Schollen beiseite schiebt. Etwa zwanzig Fahrgäste drängen sich in der engen Kabine auf abgewetzten Holzbänken – Russen mit dicken Mützen, die Frauen im Pelz. Sie sind auf dem Weg nach Hause oder zu Verwandten auf der Insel Russki einige Seemeilen vor dem Festland. Die Fähre setzt heute nur zweimal über – wer sie morgens verpasst, muss fünf Stunden auf das nächste Boot warten. Auf der Insel selbst finden sich nur einzelne Häuser und eine Militäranlage.

Das alles soll sich jedoch ändern. Denn auch im äußersten Osten Russlands, wo auf einem Gebiet von der Größe Europas gerade mal 6,7 Millionen Menschen leben, herrscht Wahlkampf. Präsident Wladimir Putin persönlich hat den Einwohnern von Wladiwostok vor einem Jahr eine 70 Meter hohe Brücke zur Verbindung mit Russki versprochen – und nicht nur das. Hotels, ein Aquarium, neue Autobahnen sollen den Tourismus ankurbeln. Hinzu kommen Kläranlagen und Sportboothäfen. Das Wunder soll bis 2012 eintreten, wenn sich die Vertreter der Pazifikstaaten in Wladiwostok zu einem Gipfel treffen. Doch die Einwohner der Stadt trauen den Versprechungen nicht so recht. „Die Zeit wird nie und nimmer reichen, um das alles umzusetzen“, sagt Konstantin Schatoba, Geschäftsmann und Aktivist gegen Korruption.

Von Moskau aus gesehen liegt Wladiwostok im hintersten Winkel des Landes. Die Hafenmetropole ist acht Flugstunden von der Hauptstadt entfernt. Doch für Besucher aus Asien liegt sie nicht am Ende, sondern am Anfang Europas: Aus Japan, Südkorea oder China dauert der Flug kaum zwei Stunden. Trotz oder gerade wegen der Lage zwischen den Welten weiß die Stadt nicht so genau, wo sie hingehört.

„Nach dem Ende der Sowjetunion fielen die Subventionen für den Marinestützpunkt Wladiwostok weg, zudem verschwand die Rüstungsindustrie“, sagt Alexander Latkin, Professor an der Staatlichen Wirtschaftsuniversität Wladiwostok. Die Struktur habe sich grundlegend gewandelt: von Industrie hin zu Dienstleistungen und Handel. Zugleich sei die Bedeutung des Hafens zurückgegangen. Die Bucht sei zu eng und zu flach für die gewaltigen Containerfrachter, die die globalisierte Welt zusammen halten.

Die ganze Region leidet zudem darunter, dass die Leute in Scharen wegziehen: Seit 1992 ist die Bevölkerung um 16 Prozent geschrumpft. „Es gibt zu wenig stabile Arbeitsplätze und kaum soziale Infrastruktur“, sagt Latkin. Vor allem gut ausgebildete Bürger kehren der Stadt den Rücken.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Vorposten gegen China und Japan.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel US-Republikaner fürchten „Blutbad“ (16.05. 11:25)
Artikel Spenden erreichen Birma trotz Militärjunta(16.05. 12:00)
Artikel Demokraten erzürnt über Bush-Äußerungen in Jerusalem (16.05. 09:05)
Artikel Der tägliche Angriff von Chávez (16.05. 08:41)
Artikel US-Repräsentantenhaus verweigert überraschend Kriegsgelder(15.05. 22:35)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: RUSSLAND
HANDELSBLATT COMPACT:
RUSSLAND
Artikel

Hoffnungsträger aus der Kälte

Artikel

Medwedjew ist jetzt Putin

Artikel

Steinmeier justiert Russland-Politik neu

Artikel

Putin setzt auf bewährtes Personal

Artikel

Schweres Gerät und schwere Probleme

Artikel

Putin nennt seine erste Mission

Artikel

Ab jetzt darf Medwedjew in der Mitte stehen

Artikel

Moskaus Macht bleibt oft ein Mythos

Artikel

Zwei Könige, ein Reich

Bildergalerie

Putins Kreml AG

Blog

Großer Vorsitzender

Artikel

Russland verschärft die Regeln für Investoren

Serie: Russland real - ein Blick in die Regionen
Artikel

In den Agrar-Ruinen regt sich neues Leben

Artikel

Wo für die Japaner Europa anfängt

Artikel

Im Ural streckt sich die Bürgergesellschaft aus dem Eis

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel

Wirtschaft in Russland
Artikel

BP, Präsidenten und Oligarchen

Artikel

Russlands Wirtschaft läuft heiß

Artikel

Belastungsprobe für die „Putinomics“

Artikel

Recht haben und Recht bekommen in Russland

Artikel

Putin will Ausländer aus Chefsesseln vertreiben

Artikel

Der Alte und sein „Awtomat“

Bildergalerie

Wo reiche Russen auf Einkaufstour gehen

Artikel

Eine russische Karriere

Artikel

Russland, Wirtschaftsmacht

Serie: Hinter Russlands Fassade
Artikel

„Piter“ widersetzt sich jeder Zähmung

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel

Artikel

Wackeliges Dach über dem Kopf

Artikel

Gute Bildung muss erkauft werden

Artikel

Vom Vorzimmer aufs Börsenparkett

Artikel

Auf Umwegen doch noch zum Recht?

Artikel

Russland wandelt sich, nur Putin bleibt

Links
WEB-Link

Die aktuelle Russlandanalyse

WEB-Link

Weblog Madagaskar: Randerscheinungen der Außenpolitik

WEB-Link

Krusenstern: Russland und die Ukraine im Fokus

WEB-Link

Weblog: Aus dem russischen Alltag

Erdgas und Öl aus Russland
Artikel

Gazprom dreht Ukraine den Gashahn zu

Artikel

Undurchsichtige Ölimporte

Rechner

Karte: Die Ölpipeline von Russland nach Asien


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick