PolitikInternational
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 21. Februar 2008, 09:52 Uhr
Russland-Serie

In den Agrar-Ruinen regt sich neues Leben

Von Thomas Wiede

Die russische Landwirtschaft kommt langsam auf die Füße. Dabei helfen westliche Technik, steigende Kornpreise und Olympia 2014. Doch weil es die jungen Leute in die Städte zieht, bleiben die alten und schlecht aúsgebildeten mit den neuen Herausforderungen oft allein.


 Mehr zum Thema: Serie: Russland real - ein Blick in die Regionen
Artikel

Wo für die Japaner Europa anfängt (20.02. 08:50)

Artikel

Im Ural streckt sich die Bürgergesellschaft aus dem Eis (19.02. 12:52)

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel (18.02. 08:39)

Zum Special ...



Die ehemaligen Kolchosen wandeln sich malgsam zu modernen Betrieben. Foto: ap
Bild vergrößernDie ehemaligen Kolchosen wandeln sich malgsam zu modernen Betrieben. Foto: ap

KRASNODAR. Es quiekt, grunzt, stinkt – und Roman Anochin ist sichtlich stolz: Der Landwirt steht zwischen 250 Mutterschweinen dänischer Abstammung, die auf der Kolchose Krasnodarskoje nahe der Provinzmetropole Krasnodar für einen Rekord sorgen. Sie liefern dreimal soviel Fleisch wie solche aus traditionellen russischen Betrieben. Für die Kolchose ein großer Erfolg, für Russland aber ein weiterer Beleg, dass die eigene Landwirtschaft weit weniger produktiv ist als Betriebe in Westeuropa. Und das selbst in der Region Krasnodar, wo der fruchtbarste Boden Europas – die reiche Schwarzerde – liegt.

Die Mittel für die Schweine aus Dänemark stammen aus staatlichen Fördertöpfen. Die „Lehr-Kolchose“, die der landwirtschaftlichen Universität in Krasnodar angeschlossen ist, soll Bauern, Studenten und Investoren Anschauung geben, wie moderne Technologien und Managementmethoden den Ertrag steigern können. Hier im Süden, wo es kein Öl und Gas gibt, ist Grund und Boden aber der Rohstoff schlechthin. Sei es für Landwirtschaft oder Immobilien – vor allem in Sotschi, fünf Stunden Fahrt von Krasnodar, wo 2014 die Olympischen Winterspiele stattfinden. Oligarchen, westliche Investoren, Beamte und Bauern versuchen sich ein Stück vom Kuchen zu sichern. Doch die strukturellen Probleme der Landwirtschaft sind nach wie vor groß.

Siebzehn Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion gibt es erste Anzeichen, dass aus den Ruinen der staatlichen Kolchosen und Sowchosen moderne Betriebe entstehen können. Mit Hilfe eines „nationalen Programms“ unter der Aufsicht von Dmitrij Medwedjew, dem designierten Nachfolger von Präsident Wladimir Putin, will der Staat den Farmen günstige Kredite für moderne Technologien zukommen lassen. Bis zum Jahr 2012 sollen 550 Mrd. Rubel (15 Mrd. Euro) in den Sektor fließen.

Experten ist aber klar, dass viele Betriebe es trotzdem nicht schaffen werden, am Ende der Laufzeit ihre Darlehen zurückzuzahlen: „Wir haben die Leute noch zu lange für unser altes System ausgebildet“, sagt Wassilij Komlatskij von der Agrar-Uni in Krasnodar. Früher ging es darum, möglichst viele Tonnen pro Hektar nach Moskau zu melden. Heute müsse ein Landwirt aber mit Rubel pro Hektar rechnen, einen Geschäftsplan haben und „managen“ können.

Der Mangel an Produktivität macht auch die Arbeit in der Landwirtschaft unattraktiv, denn der Durchschnittsverdienst liegt zwischen 120 und 170 Euro – und selbst das sei noch zu viel, sagt Komlatskij. Westeuropäische Bauernhöfe seien bis zu 25 mal produktiver als russische. Nur moderne Betriebe wie Krasnodarskoje können gute Löhne zahlen. Von den rund 700 Euro, die Anochin einstreicht, können viele nur träumen. Die Folgen sind offensichtlich: Die Jugendlichen zieht es in die Städte, zurück bleiben oft nur Alte und Ungebildete.

Nach dem Untergang der Sowjetunion stellte sich zum wiederholten Male in der russischen Geschichte die Frage: Wem gehört das Land? Die riesigen staatlichen Kolchosen und Sowchosen sollten den Landarbeitern die Chance eröffnen, eine eigene Farm aufzumachen. Bald stellte sich allerdings heraus, dass nur die wenigsten das wollten. Die meisten machten weiter wie zuvor – in den Großbetrieben, in die aber nicht weiter investiert wurde.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie der Aufschwung nach Krasnodar kam


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel US-Republikaner fürchten „Blutbad“ (16.05. 11:25)
Artikel Spenden erreichen Birma trotz Militärjunta(16.05. 12:00)
Artikel Demokraten erzürnt über Bush-Äußerungen in Jerusalem (16.05. 09:05)
Artikel Der tägliche Angriff von Chávez (16.05. 08:41)
Artikel US-Repräsentantenhaus verweigert überraschend Kriegsgelder(15.05. 22:35)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

COMPACT: RUSSLAND
HANDELSBLATT COMPACT:
RUSSLAND
Artikel

Hoffnungsträger aus der Kälte

Artikel

Medwedjew ist jetzt Putin

Artikel

Steinmeier justiert Russland-Politik neu

Artikel

Putin setzt auf bewährtes Personal

Artikel

Schweres Gerät und schwere Probleme

Artikel

Putin nennt seine erste Mission

Artikel

Ab jetzt darf Medwedjew in der Mitte stehen

Artikel

Moskaus Macht bleibt oft ein Mythos

Artikel

Zwei Könige, ein Reich

Bildergalerie

Putins Kreml AG

Blog

Großer Vorsitzender

Artikel

Russland verschärft die Regeln für Investoren

Serie: Russland real - ein Blick in die Regionen
Artikel

In den Agrar-Ruinen regt sich neues Leben

Artikel

Wo für die Japaner Europa anfängt

Artikel

Im Ural streckt sich die Bürgergesellschaft aus dem Eis

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel

Wirtschaft in Russland
Artikel

BP, Präsidenten und Oligarchen

Artikel

Russlands Wirtschaft läuft heiß

Artikel

Belastungsprobe für die „Putinomics“

Artikel

Recht haben und Recht bekommen in Russland

Artikel

Putin will Ausländer aus Chefsesseln vertreiben

Artikel

Der Alte und sein „Awtomat“

Bildergalerie

Wo reiche Russen auf Einkaufstour gehen

Artikel

Eine russische Karriere

Artikel

Russland, Wirtschaftsmacht

Serie: Hinter Russlands Fassade
Artikel

„Piter“ widersetzt sich jeder Zähmung

Artikel

„Hölle des Nordens“ lebt allein vom Nickel

Artikel

Wackeliges Dach über dem Kopf

Artikel

Gute Bildung muss erkauft werden

Artikel

Vom Vorzimmer aufs Börsenparkett

Artikel

Auf Umwegen doch noch zum Recht?

Artikel

Russland wandelt sich, nur Putin bleibt

Links
WEB-Link

Die aktuelle Russlandanalyse

WEB-Link

Weblog Madagaskar: Randerscheinungen der Außenpolitik

WEB-Link

Krusenstern: Russland und die Ukraine im Fokus

WEB-Link

Weblog: Aus dem russischen Alltag

Erdgas und Öl aus Russland
Artikel

Gazprom dreht Ukraine den Gashahn zu

Artikel

Undurchsichtige Ölimporte

Rechner

Karte: Die Ölpipeline von Russland nach Asien


Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick