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HANDELSBLATT, Freitag, 22. Februar 2008, 15:07 Uhr
Russland-Serie: St. Petersburg

„Piter“ widersetzt sich jeder Zähmung

Von Matthias Brüggmann

Auferstanden aus Ruinen: St. Petersburg, Russlands Schaufenster zum Westen, hat den Abstand zu Moskau in den letzten Jahren wettgemacht; entlang des Boulevards blinken Banken und Designerläden. Wladimir Putn hat in seiner Heimat St. Petersburg viel Gutes getan – doch Untertan machen konnter er sich die Stadt nie.


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ST. PETERSBURG. Stumm schwappt das Kanonenboot „Aurora“ vertäut am Ufer gegenüber dem altehrwürdigen Winterpalast auf den Wellen. Damals, 1917, hatte ein Schuss aus ihrem Bordgeschütz einen Sturm ausgelöst: Das Anrennen der Bolschewiken auf den lindgrünen Zarensitz, der heute die Kunstsammlung Eremitage beherbergt. Nachdem die Roten das Gebäude erobert hatten, krempelten sie das Land zwischen Ostsee und Pazifik um.

Die Konterrevolution, der Einzug des Kapitalismus ab 1990, hat Petersburg genauso verändert wie damals der Kommunismus – lautlos allerdings, ohne Schuss von der „Aurora“.

Vor gut 80 Jahren hatte die Revolution zur Folge, dass die Regierung von der Newa an die Moskwa umzog. Wie immer in der turbulenten Geschichte Russland wurden grundsätzliche historische Wendungen mit der Verlagerung der Kapitale eingeleitet. Schon Peter der Große hatte die Öffnung seines muffigen Staats damit erkauft, dass er aus den Newa-Sümpfen seinen Sitz für Paläste und Paladine stampfen ließ.

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Auch in den acht Jahren der Herrschaft von Zar Wladimir wurde der Umzug zurück ans Ufer der Ostsee immer wieder erörtert, doch aus Petersburg wurde kein Putingrad. Statt die Hauptstadt erneut zu verlegen, nahm Wladimir Putin seine zahlreichen Vertraute mit nach Moskau.

Die Ostsee-Metropole dagegen konnte den zu Beginn der 1990er-Reformjahre entstandenen Abstand zu Moskau wettmachen. Damals sahen ganze Straßenzüge der „nördlichen Hauptstadt“ noch aus als sei die 900 Tage währende Blockade durch die Wehrmacht mit Hunger und Dauerbeschuss gerade erst vorbei. Heute glänzen die Fassaden des schon von Gogol als Prachtmeile besungenen Newskij Prospekt. Auferstanden aus Ruinen blinken Banken und Designerläden entlang des Boulevards.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum sich die Sadt niemals Moskau unterordnet.


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