0 Bewertungen
13.02.2007 
Präsidentschaftskandidat Barack Obama

Der Mann mit dem „Klick“

von Markus Ziener

Er ist Herausforderer von Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, er stellt sich dem härtesten Wahlkampf der Welt: Barack Obama will der erste farbige Präsident der USA werden – und er versteht es, die Massen zu elektrisieren. Nur beim Alliierten Australien kommt er offenbar nicht ganz so gut an.

Barack Obama kämpft um den Einzug ins Weiße Haus. Foto: dpaLupe

Barack Obama kämpft um den Einzug ins Weiße Haus. Foto: dpa

SPRINGFIELD. Kwame Raoul ist ein groß gewachsener, schlanker Mann mit blitzenden Augen. Wenn er spricht, wirkt er konzentriert. Er trägt einen Maßanzug, der ihn noch eleganter und jünger erscheinen lässt als 42. Raoul vertritt als Senator im Parlament des Bundesstaates Illinois den 13. Distrikt. Sein Wahlkreis liegt am südlichen Rand des Hyde Parks in Chicago.

Wer hier Erfolg haben will, der muss für alle wählbar sein – für die Schwarzen und die Weißen, für die Armen und die Reichen. Er muss einer sein, der nicht polarisiert, der über Gräben die Hand reichen kann. Einer wie Barack Obama.

„Barack kann Brücken bauen“, sagt Kwame Raoul und lehnt sich an das dunkle Holz seines Pults im altehrwürdigen State Capitol zu Springfield, der Hauptstadt von Illinois. Raoul sagt das so wie jemand, der von einem Freund spricht, den er noch vom Schulhof kennt, der jedoch auf einmal groß rausgekommen ist. Ein bisschen zu distanzlos – und mit ein bisschen zu viel Bewunderung.

„Es sind große Schuhe“, sagt Raoul. Der Senator meint die von Barack Obama, und er denkt dabei an sich. Denn Raoul ist Obamas Nachfolger: als Senator im Parlament von Illinois, als Vertreter des 13. Distrikts – und eben auch als ziemlich attraktiver, afroamerikanischer Mann im Kapitol von Springfield.

Kwame Raoul ist der Nachfolger von einem, der gerade seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen im November 2008 bekannt gegeben hat und damit viele Menschen elektrisiert. Kwame Raoul ist der Nachfolger von einem, der vielleicht mal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird, der mächtigste Mann der Welt.

Draußen vor dem Kongress trotzen Tausende Obama-Fans, Neugierige und Heerscharen von Reportern der beißenden Kälte, um Zeuge zu sein, wie sich Barack Obama aufmacht, den „American Dream“ auf die Probe zu stellen. Wie er herausfinden möchte, ob es immer noch stimmt, dass ein Mann mit Mut und Überzeugungen, mit Charisma und mit gutem Charakter in Amerika alles erreichen kann, wenn er nur will.

„Es ist Zeit für unsere Generation, die Herausforderung anzunehmen“, ruft Obama, 45, der Menge in Springfield zu. Das Signal zum Aufbruch soll es sein, zum Aufbruch gegen das Establishment von Washington, gegen die geölte Politmaschine in der so wenig geschätzten nationalen Kapitale, gegen opportunistisches Wegducken vor unangenehmen Wahrheiten. „Was uns aufhält, ist ein Versagen bei der Führung, wie kleingeistig unsere Politik ist, wie einfach wir durch das Kleinliche und Triviale abgelenkt werden“, sagt Obama. Er hat große Pläne: ein Gesundheitswesen für alle, Truppenabzug aus dem Irak, Integration von Einwanderern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Außenseiter auf Lincolns Spuren

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Alte Hasen und ehrgeizige...

    Alte Hasen und ehrgeizige Neulinge

    Für Kanzlerin Merkel ist es die Nahrungsmittelkrise, dem britischen Premier Brown liegt Simbabwe am Herzen, Japans Ministerpräsident Fukuda zeigt auf den Klimawandel und US-Präsident Bush will vor allem einen guten Abgang hinlegen. Neben der offiziellen Agenda verfolge...Bildergalerie 

  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Zahlenspiele zu G8 

09.07.2008, 05:48 UhrGlobal Reporting

Auf dem Gipfel im japanischen Toyako ist die mögliche Reform der G8 eines der großen Themen. Dass China, Indien und Brasilien wichtig geworden sind: völlig klar. Dass sie andere Probleme und Anliegen haben als die postindustriellen Wirtschaftsmächte in der Gruppe der acht: auch klar. Blog


weiterMadagaskar

Verrät Barack Obama seine Politik? 

27.06.2008Madagaskar

Barack Obama als Befürworter der Todesstrafe und des Waffenbesitzes? Es scheint, als habe der Kandidat der Demokraten für das Weiße Haus seine Seele verkauft. Doch er macht nur, was jeder Politiker macht, der gewinnen will. Auch er. Blog