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04.06.2007 
Klimaschutz

„Effizienz ist Chinas größte Energiequelle“

von Andreas Hoffbauer

Nach den USA hat jetzt auch China ein eigenes Programm zur Eindämmung klimaschädlicher Treibhausgase vorgelegt. Das klingt gut, jedoch: In der Volksrepublik ist die Verschwendung von Ressourcen besonders groß. Der Handelsblatt China-Korrespondent hat sich im Reich der Mitte vor Ort umgesehen.

Waigaoqiao vor den Toren Schanghais: Hier wird Strom für die Millionenstadt produziert. Foto: dpaLupe

Waigaoqiao vor den Toren Schanghais: Hier wird Strom für die Millionenstadt produziert. Foto: dpa

PEKING. Unermüdlich rattern draußen die Fließbänder, bringen Kohle in das Kraftwerk. Drinnen brummen zwei große 900-Megawatt-Blöcke im Dauerbetrieb. Chinas Aufschwung braucht Strom, viel Strom. Und Waigaoqiao II liegt direkt an der Jangtse-Mündung, vor den Toren Schanghais. Das Kraftwerk deckt 10 Prozent des Energiebedarfs der 20-Millionen-Metropole ab.

15 000 Tonnen Kohle verschlingen die Hochöfen von Waigaoqiao II pro Tag. Kohle ist Chinas Stromquelle Nummer eins. Rund 70 Prozent ihrer Energie gewinnt die Volksrepublik aus dem fossilen Brennstoff, der ungefiltert in die Luft verbrennt. Die Folgen sind bekannt: China wird schon bald die USA beim Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen überrunden. Doch daran ist Waigaoqiao II nicht Schuld. Was hier in die Luft gehe, werde genau kontrolliert, sagt Tang Jian Ping, einer der Chefingenieure: „Alle Gase werden analysiert.“

Und die hochmoderne Anlage arbeite sehr effektiv, betont Wolfgang Kriesten, Manager des Siemens-Konzerns, der die Turbinen nach China geliefert hat: „Waigaoqiao II verbraucht fast ein Viertel Kohle weniger als herkömmliche Kraftwerke.“ Während Chinas Dreckschleudern eine Effizienz von 30 Prozent schaffen, wird in Waigaoqiao bereits die Marke von 50 Prozent angepeilt. Der richtige Einsatz der Ressourcen werde zur Schlüsselfrage für Chinas Rolle in Sachen Klimawandel, meint Rob Watson, Chairman des Energieberaters American Indotech: „Effizienz ist Chinas größte Energiequelle.“

Denn bislang sorgt das Reich für Verschwendung pur: Um einen Dollar vom Bruttoinlandprodukt (Bip) zu produzieren, braucht China 3,5 mal so viel Energie wie der Weltdurchschnitt. Auch Umweltorganisationen sehen in Sachen Energieeffizienz ein Riesenpotenzial in China. „Vor allem ist dieser Schritt am schnellsten umsetzbar“, sagt Yang Ailun, Klimaexpertin von Greenpeace China. Allerdings sei dafür moderne Technologie notwendig, die China nicht besitze und die viel Geld koste.

Darum, so die Experten, quillt weiter in China überall giftiger Rauch aus den Fabrikschloten. Und die lokalen Behörden nähmen den Klimaschutz noch immer nicht ernst genug, klagt das Umweltministerium in Peking. Die Zentralregierung wird darum härter durchgreifen, so Zhao Xiusheng, Experte der Tsinghua Universität in Peking: „Sie wird Firmen mit Strafen belegen, die die lokalen Vorgaben der Energieeffizienz nicht erfüllen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neue Städte werden aus der Erde gestampft

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