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29.02.2008 
Nabucco-Pipeline

Türkei torpediert europäische Pipeline

von Gerd Höhler und Oliver Stock

Beim Nabucco-Pipelineprojekt sorgen vor allem die Türkei und Ungarn für Ärger. Ankara möchte Russland an dem Projekt beteiligen und sabotiert damit den Zweck der Pipeline - Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu machen. Unterdessen steigt Nabucco-Partner Ungarn bei Moskaus Konkurrenzprojekt South Stream ein.

Der österreichische Mineralölkonzern OMV ist federführend beim Nabucco-Projekt. Foto: dpaLupe

Der österreichische Mineralölkonzern OMV ist federführend beim Nabucco-Projekt. Foto: dpa

ATHEN/WIEN. Eigentlich soll Nabucco Erdgas aus Zentralasien und der Region um das Kaspische Meer über 3 300 Kilometern von der Türkei durch Rumänien, Bulgarien und Ungarn nach Österreich pumpen. Federführend ist der österreichische Energiekonzern OMV.

Beteiligt sind die bulgarische Bulgargaz, Rumäniens Transgas, Mol aus Ungarn und die staatliche türkische Pipelinegesellschaft Botas. Als sechster Partner stieß Anfang Februar die deutsche RWE dazu. Brüssel will das Vorhaben mit Krediten fördern - weil es als wichtiger Baustein in der EU-Strategie gilt, sich ein Stück weit von Russlands Energielieferungen unabhängig zu machen.

Nachdem ursprünglich der Betriebsbeginn der Pipeline auf das Jahr 2011 terminiert war, rechne man nun mit einer Fertigstellung in 2013, sagte Christian Dolezal, der Sprecher des Konsortiums. Der Hauptgrund: Immer noch ist ungewiss, woher das Gas für die Pipeline kommen soll. Die Leitung soll vor allem mit Gas aus Aserbaidschan und Turkmenistan gespeist werden. Feste Lieferverträge gibt es aber nicht.

Das liegt auch am Störfeuer der Russen. Der Staatsmonopolist Gazprom ist dabei, den Europäern das Gas am Kaspischen Meer wegzukaufen. So schloss das Unternehmen kürzlich mit Turkmenistan Lieferverträge auf 25 Jahre. Damit ist fraglich, ob es für Nabucco in der Region überhaupt genug Gas gibt.

Zumindest ebenso bedrohlich für Nabucco sind Russlands Konkurrenz-Pläne: South Stream soll unter dem Schwarzen Meer nach Bulgarien und von dort über den Balkan ebenfalls nach Österreich sowie Italien führen. Dieses bislang von Gazprom und der italienischen Eni betriebene Vorhaben gewinnt immer mehr Zuspruch.

Zum Beispiel bei der Gaz de France (GdF), eigentlich ein Wunschkandidat der Nabucco-Konsortialpartner. Doch blockierte Ankara die Aufnahme der GdF - um Frankreich für eine Entschließung der Pariser Nationalversammlung zu bestrafen, mit der die Armenierverfolgungen im Osmanischen Reich als Völkermord qualifiziert werden. Nach einem Bericht der russischen Zeitung "Kommersant" interessiert sich GdF jetzt für einen Einstieg bei South Stream.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Ich bin sicher, die Pipeline wird gebaut"

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