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HANDELSBLATT, Samstag, 29. März 2008, 11:43 Uhr
Wachstumsprognose

Die britische Blase schwillt ab


Zehn Jahre lang war die britische Wirtschaft das dynamische Gegenbild zur wachstumsschwachen Eurozone – nun verliert sie an Schwung. Ähnlich wie in den USA bremsen die Finanzkrise, eine Korrektur des Immobilienmarktes und die nachlassende Konsumlust das Wachstum. Doch steht Großbritannien ähnlich wie die USA tatsächlich vor einer Rezession?


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Nobelkaufhaus Harrods: Symbol für britische Konsumfreude. Foto: AP
Bild vergrößernNobelkaufhaus Harrods: Symbol für britische Konsumfreude. Foto: AP

LONDON. „Das Vereinigte Königreich leidet mehr als andere europäische Staaten“, sagt Peter Newland, Volkswirt der Großbank HSBC. „Das liegt aber nicht an den engeren Verbindungen zu den USA, sondern an der Struktur der britischen Wirtschaft.“ Der Häusermarkt und die Finanzbranche hätten hier eben besonders großen Einfluss auf die Wirtschaftsleistung.

Die Regierung hat vor zwei Wochen ihre Wachstumsprognose auf rund zwei Prozent im laufenden und 2,5 Prozent im kommenden Jahr nach unten korrigiert. Das erscheint allerdings fast allen Ökonomen zu optimistisch (siehe Grafik). Sogar der meist zuversichtliche Wirtschaftsdachverband CBI senkte seine Prognose auf 1,8 Prozent für 2008 und 1,7 Prozent für 2009. Das liegt in etwa im Durchschnitt dessen, was die Bankenvolkswirte vorhersagen. 2007 war die Insel-Ökonomie noch um 3,1 Prozent gewachsen und hatte damit alle Skeptiker Lügen gestraft.

„Wir stehen einem finanziellen Schock gegenüber, wie wir ihn lange nicht erlebt haben“, sagt CBI-Generaldirektor Richard Lambert. „Außerhalb des Finanz- und Immobiliensektors ist die Stimmung der Wirtschaft aber längst nicht so düster, wie es scheint“, fügte er hinzu. Besonders stark haben die CBI-Ökonomen die Prognose für den privaten Konsum zurückgenommen. Er wird nach ihrer Einschätzung 2008 mit 1,6 Prozent nur noch halb so stark wachsen wie im Vorjahr. Das Wachstum der zuletzt sehr robusten Investitionen sehen sie von fünf auf 1,4 Prozent einbrechen.


Citigroup
Chart: Citigroup
Analystenmeinung

Tabelle  Die Folgen der Finanzkrise: Großbritannien auf Talfahrt


Das Kernproblem der britischen Wirtschaft ist derzeit, dass die bisherigen Leitzinssenkungen nicht zum Endkunden durchgedrungen sind. Obwohl die Bank von England die Leitzinsen um einen halben Prozentpunkt zurückgenommen hat, sind die Hypothekenzinsen sogar gestiegen. Das liegt daran, dass die Banken viele günstige Darlehen vom Markt genommen und andere verteuert haben. Sie fahren das Hypothekengeschäft bewusst zurück und verstärken damit den Abwärtstrend auf dem Häusermarkt. Auch Unternehmen haben es deutlich schwerer als vor einem Jahr, Kredite zu bekommen. Der wachsende Abstand zwischen Leitzinsen und Marktzinsen ist eine direkte Folge der Subprime-Krise.

Der Immobilienmarkt und der private Konsum waren in den vergangenen Jahren entscheidende Stützen der britischen Wirtschaft. Beide wackeln nun. Die Preise für Gewerbeimmobilien sind laut Citigroup innerhalb eines halben Jahres um 14 Prozent gefallen – das ist der schärfste Einbruch seit zwei Jahrzehnten. Wohnimmobilien beginnen erst einzuknicken. Doch hier rechnen Experten nicht mit einem ähnlichen Preisverfall wie in den USA.

Der Hauspreisboom war zwar in Großbritannien noch ausgeprägter als in den USA, doch er hat wegen des restriktiven Planungsrechts zu keinem auch nur annähernd vergleichbaren Bau-Boom geführt, wie Volkswirt Simon Hayes von Barclays Capital erläutert. Darum gebe es in Großbritannien jetzt auch keinen nennenswerten Angebotsüberhang. „Wir rechnen mit zwei Jahren stagnierender Hauspreise, mehr nicht.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum der Staat wenig tun kann, um den Abschwung zu bremsen.


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