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HANDELSBLATT, Freitag, 11. April 2008, 12:28 Uhr
Regulierung der Branche

EU droht Ratingagenturen

Von Michael Scheerer

Der Druck der Europäischen Union auf die Ratingagenturen wächst. EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy will noch im Juni dieses Jahres Vorschläge für mehr Transparenz bei der Bonitätsbewertung vorlegen. Dies bestätigte ein Sprecher der Kommission dem Handelsblatt. Rückendeckung erhalten die Kommissare aus dem Europaparlament.


BRÜSSEL. Laut dem Sprecher der Kommission sei nicht auszuschließen, dass der Kommissar auch gesetzgeberische Vorschläge für eine Regulierung der Branche machen werde. Aus Kommissionkreisen verlautete, dass die Ratingagenturen einer unabhängigen externen Aufsicht unterworfen werden könnten. Einen ähnlichen Vorschlag hatte am Mittwoch auch Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann in seiner Funktion als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF gemacht.

Die Initiative aus Brüssel ist eine Reaktion auf die Rolle der Ratingagenturen beim Entstehen der gegenwärtigen Krise auf den Finanzmärkten. Den Bonitätsprüfern wird vorgeworfen, aus Rücksicht auf ihre Kunden die hohen Risiken strukturierter Finanzprodukte bei den Bewertungen ignoriert und auf den drohenden Zusammenbruch des US-Subprime-Marktes nicht frühzeitig reagiert zu haben.

Rückendeckung erhält die Kommission aus dem Europaparlament. Dort herrscht zwischen den Fraktionen Einigkeit, dass die bisherigen Vorschläge der Branche für einen freiwilligen Verhaltenskodex nicht ausreichen. Der finanzpolitische Sprecher der liberalen Fraktion im Europaparlament, Wolf Klinz, sagte, denkbar sei eine "Zwangstrennung" zwischen den Geschäftszweigen Beratung und Bewertung.

"Die EU-Kommission hat den Mut, die Entflechtung der Energiekonzerne vorzuschlagen, da sollte sie auch bei den Ratingagenturen nicht vor den nötigen Schritten zurückschrecken", so Klinz. Ähnlich äußerte sich der Brüsseler CSU-Finanzexperte Alexander Radwan. "Wenn sich herausstellt, dass die Interessenkonflikte nur mit staatlichen Regulierungsmaßnahmen zu beseitigen sind, dann muss man über eine Zwangstrennung der Geschäftsfelder nachdenken", so Radwan.

Die Ratingagenturen wollen auf die Kritik an ihrer Arbeit inzwischen zum Teil eingehen. Der Deutschland-Chef von Standard & Poor?s, Torsten Hinrichs, sagte dem Handelsblatt, er plädiere für eine Extra-Ausweisung besonders komplizierter oder neuer Finanzprodukte, deren Datenbasis unzureichend sei. Darüber werde derzeit mit den Marktteilnehmern verhandelt. Ein Alleingang von Standard & Poor?s werde es nicht geben. Hinrichs warnte gleichzeitig vor staatlicher Regulierung der Branche. Ein Eingriff in die Analyse stelle die Eigenständigkeit der Bewertung und damit den Nutzen der Ratings in Frage, so Hinrichs.


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