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08.04.2008 
Tibet-Proteste

Olympischer Spießrutenlauf

Während Europa einen geschlossenen Boykott der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking erwägt, ist es in den USA vor der Ankunft des olympischen Feuers für den Fackellauf zu einer spektakulären Protestaktion gekommen.

Lupe

HB SAN FRANCISCO/BRÜSSEL/PEKING. Vor der Ankunft des olympischen Feuers in San Francisco haben drei Demonstranten mit einer spektakulären Aktion auf der Golden Gate Bridge gegen die chinesische Tibet-Politik protestiert. Sie kletterten am Montag an der Brücke hoch und hängten die tibetische Fahne sowie zwei Transparente mit der Aufschrift „Freies Tibet 08“ und „Eine Welt - Ein Traum. Freies Tibet“ auf. Die geplante Route durch Tibet werde dort möglicherweise weitere Festnahmen zur Folge haben, sagte einer der Demonstranten über Mobiltelefon. Sollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) zulassen, dass der Fackellauf durch Tibet führe, werde die Organisation „Blut an ihren Händen haben“.

Das olympische Feuer wird am Mittwoch in San Francisco eintreffen. Die kalifornischen Metropole ist die einzige Station des Feuers in Nordamerika. In Frankreich hatten am Montag Tibet-Aktivisten mit massiven Protesten den Abbruch des olympischen Fackellaufs in Paris erzwungen und die symbolträchtige Veranstaltung in eine spektakuläre Demonstration gegen die chinesische Menschenrechtspolitik verwandelt. Mindestens 28 Menschen wurden festgenommen.


Bildergalerie Bildergalerie:  Zwischenfall beim Fackellauf


Das EU-Parlament dürfte heute die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten zum Boykott der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking auffordern, sollte China nicht mit dem Dalai Lama wegen der Gewalt in Tibet verhandeln. Das Parlament soll über einen entsprechenden Antrag abstimmen, auf den sich am Montag die wichtigsten Parteien verständigt haben. Die Resolution stelle damit der Führung in Peking ein Ultimatum, mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter zu sprechen oder ein halbleeres Stadion zu riskieren, sagte ein hochrangiger Parlamentarier.

China wirft dem Dalai Lama vor, hinter den Protesten in Tibet vom vergangenen Monat zu stecken, und lehnt Verhandlungen ab. Der Dalai Lama hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. Bereits im März hatte der EU-Parlamentspräsident und Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Hans-Gert Pöttering, einen Politiker-Boykott der Eröffnungszeremonie ins Gespräch gebracht.

Die chinesische Regierung hat die massiven Proteste während des olympischen Fackellaufs als Missachtung des olympischen Geistes verurteilt. Das Außenministerium in Peking pochte am Dienstag zudem darauf, dass die Flamme während der Demonstrationen in Paris nicht gelöscht worden sei. Entsprechende Medienberichte seien falsch, erklärte Ministeriumssprecherin Jiang Yu. Es seien lediglich die Umstände des Laufs vorübergehend geändert worden.

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