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13.05.2008 
Militärdienst in Israel

Null Bock auf Uniform

von Ralf Balke

Eine Karriere ohne Militärdienst? Was vor 20 Jahren unmöglich war, ist heute zu einem Stück Normalität geworden. 60 Jahre nach Gründung Israels fühlen sich viele Jugendliche ihrem Staat nicht mehr verpflichtet, es breitet sich Wehrmüdigkeit aus – ein Symbol für den Wandel des Landes.

Für immer mehr junge Israelis ist der Militärdienst keine Option mehr. Foto: apLupe

Für immer mehr junge Israelis ist der Militärdienst keine Option mehr. Foto: ap

TEL AVIV. Sie sind jung, sie sehen blendend aus, und sie wollen berühmt werden. Daniel Ben-Chaim, Marina Maximilian, Doron Rokach und Adir Ohaion sind vier von über einem Dutzend Kandidaten in der TV-Casting-Show „Kochav Nolad“ – „Ein Star wird geboren“–, Israels Version von „Deutschland sucht den Superstar“. Und außer dem Wunsch nach einer Karriere im Show-Business eint die vier noch etwas: Sie waren nie beim Militär.

Daniel ließ sich ausmustern, weil er sich als orthodox bezeichnet – was ihn aber nicht daran hindert, am Sabbat, dem für religiöse Juden heiligen Ruhetag, zum Vorsingen im Fernsehen anzutreten. Marina wurde aus „persönlichen Gründen“ von der Armee freigestellt. Die beiden anderen Star-Kandidaten, die aussehen wie das blühende Leben, hatten „gesundheitliche Probleme“, sagen sie.

Vor 20 Jahren wären sie gesellschaftliche Außenseiter gewesen. Ob Show-Business oder Industrie: Eine Karriere hätte jeder der vier ohne Militärdienst vergessen können.

Und heute? Zum Entsetzen von Regierung und Armee zucken viele Israelis nur noch mit den Schultern, wenn sie hören, dass Männer nicht die obligatorischen drei Jahre und Frauen nicht ihre zwei Jahre in olivgrüner Kluft abgeleistet haben.

60 Jahre nach seiner Gründung durch die Unabhängigkeitserklärung unter David Ben Gurion am 14. Mai 1948 wird Israel mehr und mehr zu einem Land wie fast jedes andere der westlichen Welt.

In sechs Kriegen hat Israels Armee das Land gegen seine arabischen Nachbarstaaten immer wieder verteidigt, 20 000 israelische Soldaten fielen seit 1948. Nun schwindet das Gemeinschaftsgefühl mehr und mehr. „Die Gruppe zählt nichts mehr, stattdessen gilt nur noch das Individuum“, beklagen Offiziere.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Gründe für den Wertewandel.

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