0 Bewertungen
11.02.2008 
Investitionskontrolle

Verhaltenskodex für Staatsfonds rückt näher

von Sven Afhüppe

Der geplante internationale Verhaltenskodex für Staatsfonds rückt in greifbare Nähe. Die Finanzminister der führenden Industrienationen hatten den Internationalen Währungsfonds (IWF) beauftragt, Verhaltensregeln für mehr Transparenz auszuarbeiten. Trotz Kritik aus der Wirtschaft hält Deutschland an seinen eigenen Plänen zur Investitionskontrolle fest.

TOKIO. Nach den Worten von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn könnten gemeinsame Regeln vor allem zur besseren Transparenz der politisch gesteuerten Kapitalgesellschaften bereits auf der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank im April verabschiedet werden. Mit einer so schnellen Lösung hatten die Finanzminister der G7-Staaten, die den IWF mit der Ausarbeitung der Verhaltensregeln beauftragt hatten, nicht gerechnet, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) beim G7-Treffen in Tokio. Die deutschen Pläne zur Kontrolle ausländischer Investitionen musste Steinbrück gegen Kritik seiner Kollegen verteidigen.

Mit Blick auf den wachsenden Einfluss der Staatsfonds hatten die Finanzminister der führenden Industrienationen den IWF beauftragt, zusammen mit Staatsfonds-Ländern wie China, Russland und den Golfstaaten Verhaltensregeln für mehr Transparenz auszuarbeiten. Grund für die Sorge ist das rasant wachsende Vermögen der Staatsfonds. Experten schätzen, dass sie mittlerweile ein Vermögen von mehr als 2 500 Mrd. US-Dollar verwalten. 2015 könnten es 12 000 Mrd. Dollar sein.

Nach Ansicht der G7-Finanzminister fordert dieses Vermögen die Finanzmärkte heraus. Hinzu kommt die Sorge, dass die Staatsfonds ihr Geld nicht nur nach Renditekriterien anlegen, sondern industriepolitische Interessen verfolgen könnten. Die USA, Frankreich und Deutschland haben sich deshalb für eine Kontrolle ausländischer Investitionen entschieden.

Die Bundesregierung hält trotz der zunehmenden Kritik aus der Wirtschaft an ihren eigenen Plänen zur Investitionskontrolle fest. Steinbrück verteidigte vor den Finanzministerkollegen den geplanten Schutz deutscher Unternehmen: „Die meisten Staaten haben bereits eigene Regeln zum Schutz ihrer Industrie, Deutschland ist eines der letzten Länder, das nun eine solche Investitionskontrolle gesetzlich verankert.“

In mehreren Gesprächen erläuterte Steinbrück die Pläne. Demnach sollen Auslandsinvestitionen überprüft werden, bei denen eine Beteiligung von mehr als 25 Prozent an einem deutschen Unternehmen geplant ist. Wenn die Regierung die öffentliche Sicherheit und Ordnung als gefährdet einstuft, kann das Projekt verboten werden. Eine ähnliche Regelung gibt es bisher nur für die Rüstungsindustrie.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wirtschaftverbände contra Regierungspläne.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

  • Wahlfarce in Simbabwe

    Wahlfarce in Simbabwe

    Jagd auf Oppositionelle, Gewalt gegen Nichtwähler: Die umstrittene Wahl in Simbabwe löst weltweit Empörung aus. Doch Präsident Robert Mugabe lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Die Wahlfarce in Bildern. Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

AC/DC rocks Schumpeter 

03.07.2008Global Reporting

Was hat die Schwermetall-Band AC/DC mit dem großen Ökonomen Joseph Schumpeter zu tun? Offenbar eine ganze Menge. Mit eisernen Hardrock-Fans will man ja – „Hells Bells“ – beim besten Willen keinen Krach vom Zaun brechen. Blog


weiterMadagaskar

Verrät Barack Obama seine Politik? 

27.06.2008Madagaskar

Barack Obama als Befürworter der Todesstrafe und des Waffenbesitzes? Es scheint, als habe der Kandidat der Demokraten für das Weiße Haus seine Seele verkauft. Doch er macht nur, was jeder Politiker macht, der gewinnen will. Auch er. Blog