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05.04.2008 
Diskussion um Olympia-Boykott

Unruhen in China setzen sich fort

Erneut melden Nachrichtensender Unruhen aus der von Tibetern bewohnten chinesischen Provinz Sichuan. Nach inoffiziellen Angaben soll es bis zu 15 weitere Todesopfer gegeben haben. Vor diesem Hintergrund setzt sich die Diskussion um einen Olympia-Boykott fort.

HB PEKING/PARIS/BERLIN. Bei neuen Unruhen in der von Tibetern bewohnten chinesischen Provinz Sichuan sind nach offiziell nicht bestätigten Berichten bis zu 15 Menschen getötet worden. Nach Angaben des US-Senders Radio Free Asia (RFA) vom Samstag starben allein elf Tibeter, als die Polizei das Feuer in der Region Ganzi auf Demonstranten eröffnete. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete lediglich von „Warnschüssen“, die die Polizei abgefeuert habe, um gewaltsame Proteste zu stoppen. Bei Xinhua gab es keine Angaben über Tote und Verletzte unter den Demonstranten. Unterdessen geht die Diskussion um einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking oder zumindest der Eröffnungsfeier weiter.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy nannte strikte Bedingungen für eine Teilnahme an der Eröffnungsfeier im August. Der dann amtierende EU-Ratspräsident werde nur unter drei „unumgänglichen“ Voraussetzungen nach Peking reisen. Dies seien ein Ende der Gewalt und die Freilassung der politischen Gefangenen, die Aufklärung der Ereignisse in Tibet sowie der Beginn eines Dialogs mit dem religiösen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, sagte die französische Menschenrechts-Staatssekretärin Rama Yade der Zeitung „Le Monde“ (Sonntagausgabe). Sarkozy werde seine Entscheidung nach Rücksprache mit den EU-Partnern und abhängig von der weiteren Entwicklung in Tibet treffen.

Bei den neuen Unruhen in Sichuan feuerte die Polizei nach Angaben von Radio Free Asia am Donnerstagabend in eine Menge von mehreren hundert Mönchen und anderen Tibetern, die die Freilassung von zwei festgenommenen Mönchen aus dem Kloster Tongkor verlangten. Etwa 350 Mönche und eine gleich große Zahl anderer Tibeter hätten sich vor dem Regierungsgebäude in Tongkor versammelt, um die Freilassung der Inhaftierten zu verlangen.

Seit dem 10. März gab es immer wieder Demonstrationen und Unruhen in von Tibetern bewohnten Gebieten Südwestchinas. Nach offiziellen chinesischen Angaben starben in der tibetischen Hauptstadt Lhasa 19 Menschen. Die tibetische Exilregierung spricht dagegen von etwa 140 Toten. Die meisten von ihnen seien Tibeter gewesen, die von chinesischen Polizisten getötet worden seien.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Chinesischer Menschenrechtler gegen Boykott

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