0 Bewertungen
09.04.2008 
Tibet-Konflikt

Olympiasponsoren fürchten Eskalation

von Beate Berez und Thomas Ludwig

Menschenrechtsverletzungen, Tibet-Ausschreitungen, ein desaströser olympischer Fackellauf: Die diesjährigen Spiele in China drohen ein Albtraum zu werden – vor allem für Ausstatter und Sponsoren. Krisenmanager raten zur Vorsicht, um einem möglichen Imageschaden zu vermeiden.

Olympia-Flaggen: Für Sponsoren sind die Spiele in China Change und Gefahr in einem. Foto: PRLupe

Olympia-Flaggen: Für Sponsoren sind die Spiele in China Change und Gefahr in einem. Foto: PR

DÜSSELDORF. „Olympia gehört zu den Edelsteinen der Berichterstattung“ – mit diesen Worten lässt sich Günter Struve, Programmdirektor der ARD in einer Broschüre der Deutschen Sport-Marketing zitieren. Bei den Sommerspielen in Athen vor vier Jahren berichteten allein die öffentlich-rechtlichen Sender hierzulande rund 1 400 Stunden über die Wettkämpfe, weltweit waren es 35 000 Stunden – für Ausstatter und Sponsoren ein traumhaftes Umfeld.

Die diesjährigen Spiele in China drohen indes zum Albtraum für all jene zu werden, die sich im Olympia-Umfeld finanziell engagieren. Menscherechtsverletzungen, Tibet-Ausschreitungen, ein olympischer Fackellauf, der angesichts der gewaltsamen Zwischenfälle in London und Paris und der damit einhergehenden negativen Symbolik vielleicht eingestellt wird: Wenn das die nächsten Monate so weiter geht, heißt es in der Marketing- und PR-Branche, könnte das für manchen Sponsoren ein Fall für die Krisen-PR werden.


Bildergalerie Bildergalerie:  Zwischenfall beim Fackellauf


„Sich auf die Aussage ’Sport ist Sport und Politik ist Politik’ zurückzuziehen, ist scheinheilig. Das durchschauen die Verbraucher“, kommentiert Matthias Hochstätter, Berater bei der Berliner Krisenmanagement-Agentur PRGS, die derzeit dominierende Haltung der Sponsoren. Hartmut Zastrow, Vorstand der Kölner Sport & Markt AG warnt die Konzerne davor, zu früh mit ihren auf die Olympischen Spiele zugeschnittenen Kampagnen zu beginnen. Derzeit entwirft sein Unternehmen Risiko-Szenarien für einen internationalen Konzern, der die Spiele in Peking sponsert. „Ich denke, die nächsten zehn Tage werden zeigen, ob es zu einer weiteren Eskalation kommt oder nicht“, sagt Zastrow. Zwar verlief die Ankunft des Olympischen Feuers in der Neuen Welt ohne Zwischenfälle. Zum Fackellauf durch San Francisco an diesem Mittwoch haben sich aber tausende Demonstranten angesagt. Zastrow: „Die Dynamik ist unvorhersehbar.“

Tatsächlich stecken die Olympia-Sponsoren von Adidas über Coca Cola, Samsung und McDonalds bis hin zu Volkswagen in einem Dilemma: Sie wollen in China an Bekanntheit gewinnen, im Westen aber droht ihr Image Schaden zu nehmen. Und auch jene Firmen, die nicht das nationale Komitee im Reich der Mitte direkt unterstützen, die aber wie Daimler Benz, Eon, Neckermann, Payback oder die Sparkassen Finanzgruppe, Partner der deutschen Olympiamannschaft sind, haben in der Heimat einen Ruf zu verlieren. „In einem Atemzug mit Peking genannt zu werden, ist heute ja schon fast so wie die Kombination Doping und Radsport“, heißt es unter Marketing-Experten, die, weil sie den Interessenkonflikt fürchten, nicht genannt werden wollen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: PR-Strategen raten zur Flucht nach vorn.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

  • Wahlfarce in Simbabwe

    Wahlfarce in Simbabwe

    Jagd auf Oppositionelle, Gewalt gegen Nichtwähler: Die umstrittene Wahl in Simbabwe löst weltweit Empörung aus. Doch Präsident Robert Mugabe lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Die Wahlfarce in Bildern. Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

AC/DC rocks Schumpeter 

03.07.2008Global Reporting

Was hat die Schwermetall-Band AC/DC mit dem großen Ökonomen Joseph Schumpeter zu tun? Offenbar eine ganze Menge. Mit eisernen Hardrock-Fans will man ja – „Hells Bells“ – beim besten Willen keinen Krach vom Zaun brechen. Blog


weiterMadagaskar

Verrät Barack Obama seine Politik? 

27.06.2008Madagaskar

Barack Obama als Befürworter der Todesstrafe und des Waffenbesitzes? Es scheint, als habe der Kandidat der Demokraten für das Weiße Haus seine Seele verkauft. Doch er macht nur, was jeder Politiker macht, der gewinnen will. Auch er. Blog