| HANDELSBLATT, Samstag, 1. Dezember 2007, 11:45 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Barack Obama: Der Unerfahrene | ||||||||||||||||||||||||
Barack Obama avancierte beinahe über Nacht zum Hoffnungsträger der US-Demokraten. Mit einer einzigen Rede auf dem Wahlparteitag 2004 wurde der damalige Senatskandidat aus Illinois zum neuen Star der Partei. Der charismatische Absolvent der Harvard Law School hat einen ungewöhnlichen Lebensweg hinter sich. | ||||||||||||||||||||||||
Nach kaum drei Jahren als Senator in Washington ist der 46-jährige Sohn eines Einwanderers aus Kenia und einer Weißen aus dem Mittleren Westen Hoffnungsträger jener Demokraten, denen Hillary Clinton zu etabliert und opportunistisch vorkommt. In die Politik kam der Harvard-Jurist durch Jugendarbeit unter armen Schwarzen in Chicago. Er hat sich als scharfer Gegner der Irakpolitik des Präsidenten profiliert. Hier wie in der Gesundheitspolitik wirft er Hillary Clinton vor, ihre Absichten seien viel zu unklar, und fordert eine erhebliche Steigerung der staatlichen Sozialleistungen. Als seine politischen Ziele nennt er den Umbau der Wirtschaft zur Anpassung an das digitale Zeitalter, eine Verringerung der Abhängigkeit von ausländischem Öl, mehr Investitionen in Bildung, eine bessere Krankenversorgung, die Beendigung der Armut und den Kampf gegen den Terrorismus und ein Ende des Irak-Kriegs. Der Sohn eines Kenianers und einer Amerikanerin wurde am 4. August 1961 in Honolulu auf Hawaii geboren. Obamas Vater studierte einige Jahre in den USA. Seine Mutter kommt aus dem Mittelweststaat Kansas und zog später nach Hawaii. Dort lernte sich das Paar kennen und heiratete. Die Ehe hielt jedoch nicht lange und wurde geschieden, als Obama zwei Jahre alt war. Nachdem seine Mutter in zweiter Ehe einen indonesischen Ölmanager geheiratet hatte, lebte er vier Jahre in Indonesien und kehrte dann mit etwa zehn Jahren zu seinen Großeltern nach Hawaii zurück, wo er eine Privatschule besuchte. In Anspielung auf sein Leben in verschiedenen Kulturen bezeichnete sich Obama einmal als amerikanischer Ein-Mann-Schmelztiegel, der die rassischen und kulturellen Grenzen überspannt. Und mit Blick auf seine Eltern meinte er scherzhaft: „Mein Name stammt aus Kenia und mein Akzent aus Kansas.“ Barack steht übrigens in Kisuaheli für „von Gott gesegnet“. Vor seiner Tätigkeit als US-Senator gehörte Obama acht Jahre dem Senat des Staates Illinois an. Den Kritikern hielt Obama bereits bei der Ankündigung seiner Präsidentschaftsbewerbung im Februar selbstbewusst entgegen, er habe nicht lange damit zugebracht, die Gepflogenheiten in Washington kennenzulernen. „Aber ich war lange genug dort um zu erkennen, dass sich die Gepflogenheiten Washingtons ändern müssen.“ Lesen Sie auch das Handelsblatt-Porträt » Der Mann mit dem „Klick“ Homepage » www.barackobama.com Zu seinen Vorstellungen vom Präsidentenamt sagte Obama einmal: „Dies ist ein Amt, um das man sich nicht einfach aus Ehrgeiz bewirbt. Man muss tief im Innern spüren, dass man eine Vision hat, für die sich der Einsatz lohnt.“ | ||||||||||||||||||||||||
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