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HANDELSBLATT, Mittwoch, 30. Januar 2008, 16:48 Uhr

John McCain: Phoenix aus der Asche

Zu Beginn der Vorwahlen spielte John McCain kaum einen Rolle. Doch der 71-jährige Vietnam-Veteran feierte ein Combeck und etablierte sich als Spitzenreiter im republikanischen Lager.



John McCain. Foto: Reuters
Bild vergrößernJohn McCain. Foto: Reuters

HB WASHINGTON. Nach der der Vorwahl in Florida am 29. Januar war klar: John McCain aus Arizona hat sich nach einem sensationellen Comeback als Spitzenreiter etabliert und schickt sich an, die zutiefst verunsicherte Partei hinter sich zu scharen.

McCain hat es geschafft, der Rechten in den USA wieder Zutrauen in die eigene Politik zu geben. Er bietet sich den Republikanern als Bollwerk gegen den durchdringenden Ruf der Demokraten nach einem Kurswechsel an. Bei stürmischem Gegenwind sammeln sich die Konservativen hinter einem 71-Jährigen Polit-Veteranen und schicken einen Befürworter des Irak-Krieges ins Rennen, obwohl Amtsinhaber George W. Bush massenweise Wähler mit dem Irak-Krieg vergrault hat.

McCain ist ein unternehmerfreundlicher Konservativer, Anhänger einer freien Marktwirtschaft und Abtreibungsgegner. Er stammt aus einer hoch angesehenen Marinedynastie. Vater und Großvater waren Vier-Sterne-Generäle und der Vietnam-Veteran trägt unübersehbar die Spuren der Folter, die ihm in fünfeinhalbjähriger Kriegsgefangenschaft zugefügt wurden. Seit mehr als 20 Jahren vertritt er seinen Heimatstaat Arizona im Senat. Das alles hat ihm die solide Unterstützung der moderaten Republikaner verschafft und aller Konservativer, für die die nationale Sicherheit das entscheidende Kriterium ist.

Nicht wenige Unabhängige lassen sich zudem davon faszinieren, welch gradliniges, offenes und ehrliches Image er auch noch nach Jahrzehnten in der Politik aufrechterhält. In Florida hat McCain keinen Hehl daraus gemacht, dass sein härtester innerparteilicher Rivale Mitt Romney für die um sich greifenden Konjunkturängste die ausgefeiltere Antwort bereit hält. Er hat trotzdem gewonnen.

Der 71-Jährige galt unter Experten von vornherein als der republikanische Kandidat mit den besten Aussichten für das Rennen gegen die favorisierten Demokraten, ganz besonders, sollten sich die Gegner für die ehemalige First Lady Hillary Clinton entscheiden. In einer direkten Konfrontation mit dem 46-jährigen Barack Obama droht sich die Wahl dagegen zu einem Generationenkampf zu entwickeln. Sollte er gewinnen, wäre McCain beim Amtsantritt so alt wie kein Präsident der USA vor ihm.

Aber auch das ficht ihn nicht an. Als er vor acht Jahren schon einmal in den republikanischen Ring stieg und gegen den späteren Wahlsieger Bush zurückstecken musste, legte er ein umfangreiches Dossier über seine Gesundheit vor. „Ich würde sagen, ich bin ein Urgestein. Ich habe mehr Narben als Frankenstein“, sagt er. „Aber ich habe unterwegs auch einiges gelernt.“


Homepage: » www.johnmccain.com

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Markus Ziener

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