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HANDELSBLATT, Donnerstag, 6. April 2006, 08:55 Uhr
EZB

Der Code der europäischen Zentralbank

Die Aussagen der EZB bilden einen Code, der die vorherrschende Stimmungslage in dem achtzehnköpfigen Mammut-Gremium abzuschätzen erlaubt. Durch die Auswahl und Kombination der Aussagen signalisiert der EZB-Rat Veränderungen im zinspolitischen Meinungsbild des Gremiums. Die aktuell wichtigen Begriffe und deren Deutungen.


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Angemessen

So hieß früher das Zauberwort. Stand im Kommuniqué der EZB die Leitzinsen seien „angemessen“, dann hieß das: sie bleiben vorerst so. Nachdem das Wort vorübergehend in Ungnade gefallen war, feierte es im Oktober 2005 Comeback in der Kombination „noch angemessen“. Das bedeutet: Demnächst werden die Leitzinsen geändert.

Wachsam

Wenn in der Standardformulierung „Der EZB-Rat wird auch künftig alle Entwicklungen, die sich auf die Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht auswirken können, sorgfältig verfolgen“ das Wort „sorgfältig“durch „wachsam“ ersetzt wird, gibt es bei manchen Zentralbankräten Unbehagen über das Zinsniveau. Das kann aber lange folgenlos bleiben.

Wachsamer

Anders sieht es aus, wenn die Standardformulierung abweicht und in einem Zusammenhang mit der Feststellung von Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität steht. Dann bedeutet es, dass die Notenbanker die Märkte auf eine Zinserhöhung vorbereiten.

Sehr Wachsam

Gibt die EZB „große Wachsamkeit“ kund oder ist sie im zentralen Absatz ihres Kommuniqués sogar gleich zweimal wachsam, dann ist eine Zinserhöhung im nächsten Monat ausgemachte Sache – wenn nicht unbotmäßige Konjunkturdaten dazwischenkommen.


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