PolitikLothar Späth: So seh ich es
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
HANDELSBLATT, Mittwoch, 4. Juli 2007, 13:16 Uhr
So seh ich es

Vermögensaufbau durch mündige Bürger

Von Lothar Späth

Gewinnbeteiligungen von Arbeitnehmern sollten in Tarifverträgen stärkeres Gewicht erhalten. Das geht auch ohne Staat. Was Deutschland braucht, ist vor allem eine bessere Aktienkultur. In Zeiten der Globalisierung sind mündige Bürger gefragt.


Wer gehofft hatte, dass die Diskussion über Investivlohn und staatlich geförderte Mitarbeiterbeteiligungen, die Ende des vergangenen Jahres einmal mehr in der Geschichte der Bundesrepublik kurzzeitig aufblitzte, wieder vom Tisch ist, der hat sich getäuscht. Die große Koalition ist gerade dabei, dieses Thema sogar zur Kardinalaufgabe der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit zu machen.

Auch wenn die Diskussion gerade erst richtig begonnen hat, so zeichnet sich doch bereits ab, dass sich zwischen den beiden großen Volksparteien der bekannte ideologische Graben auftut. Ähnlich wie bei der Gesundheitspolitik wird sich recht schnell herausstellen, dass eine Identität der Ziele noch lange keine Übereinstimmung in der Wahl der Mittel bedeutet.

Die SPD will in dem jüngsten Vorschlag ihres um sozialdemokratisches Profil kämpfenden Parteivorsitzenden Kurt Beck mit einem zentralen „Deutschlandfonds“ die Arbeitnehmer in den Genuss aller Vorteile einer Kapitalbeteiligung bringen, sie aber gleichzeitig mit Hilfe von staatlichen Garantien vor allen Risiken und persönlicher Verantwortung schützen. Damit setzen die Sozialdemokraten erneut auf Gängelung und marktferne Anreize, was den Staat und dessen Bürger auf Dauer teuer zu stehen kommen würde.

Das Ziel einer ausgeglicheneren Vermögensverteilung ist an sich ja zu begrüßen, sofern dies systemkonform geschieht und nicht den erwiesenen Erfolgsrezepten einer freiheitlichen, marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaft zuwiderläuft. Man kann nicht einen Politik-Cocktail aus Zutaten mixen, die einfach nicht zusammenpassen. Das wird ungenießbar und vergiftet den Ordnungsrahmen.

Die Union versucht mit ihrem Gegenvorschlag immerhin, die naturgemäße Verbundenheit von Risiko und Chance zu erhalten, und setzt weitgehend auf dezentrale und freiwillige Individuallösungen. Doch obwohl die Union damit die Systemkonformität wahrt, geht letztendlich auch ihr Konzept zu weit.

Richtig ist, dass die Entwicklung von Löhnen und Kapitaleinkünften seit langem zu Gunsten Letzterer auseinander laufen. Das ist aus gesamtgesellschaftlicher Sicht gewiss nicht wünschenswert. In einer Zeit, in der sich das Kapital auf weltweit quasi freien Märkten seinen Weg nach rein ökonomischen Gesichtpunkten sucht, ist die Vorstellung schon faszinierend, alle Bürger an der positiven Entwicklung der Kapitaleinkünfte zu beteiligen. Fern von den Visionen eines Karl Marx wäre das der Fall, wenn Arbeitnehmer gleichzeitig auch Empfänger von Kapitaleinkünften wären und sich somit die Gesellschaft nicht in zwei unterschiedliche Interessengruppen, nämlich Arbeiter und Kapitalisten, aufteilen würde.

Die Vorstellung von der Harmonisierung der Interessen ist verlockend. Und wo immer unser System die Chance bietet, eine Entwicklung in diese Richtung zu fördern, sollte sie genutzt werden. Das hätte man in der typischen Industriegesellschaft vor Jahrzehnten, als die Republik noch jung war, hohe Wachstumsraten erzielt wurden und Arbeitnehmer im Normalfall ein ganzes Erwerbsleben in demselben Unternehmen angestellt waren, etwa durch eine intensivere Vergabe von Mitarbeiteraktien und Ähnlichem erreichen können.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wo die Menschen kein Geld zum Anlegen übrig haben, ist der Staat gefragt.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier
ForumFORUM - diskutieren Sie mitalle Foren
 

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Rettet die Mittelschicht! (07.05. 11:30)
Artikel Netzwerke für die Zukunft (30.04. 10:24)
Artikel Der halbe Keynes (23.04. 09:22)
Artikel Die Mär vom Generationenkonflikt (16.04. 11:38)
Artikel Irreführende Etiketten (09.04. 16:19)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

US-WAHL 2008
ArtikelObama nennt Reporterin „Schätzchen“
ArtikelAuch Edwards unterstützt Obama
Exklusivmeldung„Ich würde Obama raten, eine CO2-Steuer einzuführen“
ArtikelSieg mit psychologischer Bedeutung
ArtikelClinton gewinnt erwartet klar in West Virginia
ArtikelUS-Demokraten: Hillary, hör bitte nicht auf
WEIMERS WOCHE


Der Rechtsruck


Erst gewannen die Konservativen in Frankreich, dann in Italien, jetzt in England. Und wenn die Umfragen nicht trügen, dann dürfte zu aller Überraschung sogar der Republikaner Mc Cain in den USA neuer Präsident werden und nicht die medialen Stars der Linken, Clinton und Obama. Es gibt in der westlichen Welt zwar einen gefühlten Linksschwenk, in Wirklichkeit aber Wahl für Wahl einen politischen Rechtsruck.

Von Wolfram Weimer

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Kampf gegen die Abstiegsangst


Man kann es gar nicht oft genug betonen: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist bemerkenswert. War der letzte Boom in den Jahren 1999 und 2000 vom Anstieg geringfügiger Beschäftigung dominiert, so ist der laufende durch einen Zuwachs von Vollzeitbeschäftigung charakterisiert. Deutschlands Gerechtigkeitsfieber könnte den Aufschwung allerdings wieder beenden.

Von Michael Hüther

DAS POLITISCHE FEATURE


„307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“


Reisen nach Israel sind für US-Präsident George W. Bush wie eine nicht enden wollende Wonne. Gegenseitiges Schulterklopfen, Treueschwüre und Tränen der Rührung, wenn Bush Amerika den ältesten und besten Freund Israels nennt oder die Allianz gegen Terror oder Tyrannei beschwört. Die Verbundenheit geht soweit, dass Bush sogar die Vereinten Nationen rügt.

Von Pierre Heumann

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Freunde und Feinde des Dalai Lama
Der Dalai Lama ist auf fünftägiger Deutschland-Reise, und die Nervosität in der Bundesregierung ist groß. Diplomatischer Druck aus Peking ist Berlin gewiss. So zeigt sich die Regierungsspitze gegenüber dem religiösen Oberhaupt der Tibeter ungewohnt zurückhaltend. Doch der Dalai Lama hat andere Unterstützer. Seine Freunde und Feinde in Bildern.
Bildergalerie  Armut, Gewalt, Wirtschaftsboom
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf großer Lateinamerika-Reise. Dabei erwartet sie ein Kontinent voller Widersprüche. Kräftiges Wirtschaftswachstum und ein neues Selbstbewusstsein stehen auf der einen Seite, immer noch weit verbreitete Armut, Umweltzerstörung sowie tiefe ideologische Gräben auf der anderen. Warum Länder wie Brasilien und Mexiko gerade jetzt wieder in den Fokus der deutschen Politik und Wirtschaft rücken.
Bildergalerie  Steuerentlastungen: Was wann kommt
Sicher ist: Bis zur Bundestagswahl im September 2009 werden die Parteien darüber streiten, wer die Bürger am meisten von Steuern und Abgaben entlasten will. Was wann an Entlastungen mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt, zeigt diese Übersicht.
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
UMFRAGE

Bundespräsident Horst Köhler hat den Banken vorgeworfen, die Weltfinanzmärkte zu einem „Monster“ entwickelt zu haben. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick