PolitikLothar Späth: So seh ich es
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HANDELSBLATT, Mittwoch, 8. August 2007, 11:31 Uhr
So seh ich es

Ein Bildungsstandard schafft Mobilität

Von Lothar Späth

Ohne die Mobilität innerhalb Europas zu fördern, ist das Ziel der EU, eine der dynamischsten Weltregionen zu werden, nicht zu erreichen. Das gilt vor allem für Forschung und Bildung. In Deutschland ist dafür ein bundesweites Zentralabitur notwendig. Es soll den Schülern den Weg zu allen europäischen Hochschulen öffnen.


Selbst in demokratischen Gesellschaften werden Politiker häufig davor gewarnt, dem Volk nur „aufs Maul zu schauen“. Kritisiert wird von Fachleuten häufig eine Politik, die sich zu wenig auf Expertenwissen stützt und damit den Bürgern nur vordergründig zugutekommt. Dafür gibt es einige treffende Beispiele. Die Kritik ist daher nicht unbegründet.

Man muss andererseits aber auch anerkennen, dass nicht selten auch das Gegenteil zu kritisieren ist. Und zwar dann, wenn Experten die handfesten Probleme im Alltag der Bevölkerung unterschätzen. Ein von den konkreten Sorgen der Bürger abgehobenes Expertentum ist daher mindestens ebenso kritikwürdig. Politiker sollten also beiden Seiten gut zuhören.

Ein Beispiel, das die Gefahr des abgehobenen Expertentums anschaulich zum Ausdruck brachte, stammt aus dem Bereich der Bildungspolitik und ging unrühmlich als „Rechtschreibreform“ in die Geschichte der Kuriositäten deutscher Politik ein. Mittlerweile ist dieses spezielle Projekt mehr oder weniger abgehakt. Doch die sogenannte Kultusministerkonferenz hat inzwischen andere Nüsse zu knacken. Sie begleitet stets das Thema, wie man zwischen 16 Bundesländern, die im Bereich der Bildung laut Verfassung die gesetzgeberische Hoheit besitzen, zu einem Konsens über gemeinsame, allseitig akzeptierte Standards kommt. Und das ist aktueller denn je.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, macht sich neuerdings für eine stärkere Vereinheitlichung der Bildungsinhalte und deren Qualitätsstandards stark und setzt damit am Unverständnis und Ärger vieler Bundesbürger an. Konkret schlägt sie vor, bundesweit einheitliche Schulbücher einzuführen. Dass ihr dabei postwendend der Vorwurf begegnete, sie würde sich von der föderalistischen Tradition, wonach Schulpolitik komplett Ländersache ist, abwenden und plötzlich Zentralismus predigen, geht meines Erachtens an der Sache vorbei. Denn hier geht es nicht um Ideologien, sondern um Pragmatismus.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die aktuelle Praxis erleichtert weder die Mobilität, noch fördert sie das Bildungsniveau.


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