PolitikLothar Späth: So seh ich es
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
HANDELSBLATT, Mittwoch, 14. November 2007, 11:49 Uhr
So seh ich es

Merkel lehnt zu Recht einen „Benzingipfel“ ab

Von Lothar Späth

Wer glaubt, das hohe Preisniveau auf den Energiemärkten sei nichts als eine Verschwörung von Großkonzernen, der macht es sich zu einfach. Die hohen Energiepreise haben durchaus ihre Berechtigung. Und jeder Bürger kann sich um einen niedrigeren Verbrauch bemühen.


Wer ein Auto fährt – und das tun die meisten Bürger in Deutschland – erlebt derzeit eine Phase, in der die Preise für Benzin und Diesel neue Rekordhöhen erreichen. Gerade wer beruflich darauf angewiesen ist, viel zu fahren, den wird das neue Preisniveau spürbar belasten. Wer gar, wie Spediteure oder Taxifahrer, seinen Lebensunterhalt mit Fahren verdient, für den sind die hohen Kraftstoffpreise beinahe schon eine Katastrophe.

Die meisten Betroffenen sind sich deshalb darin einig, dass die Politik etwas dagegen tun muss. Als Schuldige werden schnell die Mineralölkonzerne ausgemacht. Ein Szenario, das sich in der gesamten Energiebranche permanent wiederholt. Einmal sind es die Erdgasversorger, dann die Stromversorger oder die Mineralölkonzerne, denen Gewinngier und Willkür in der Preisgestaltung vorgehalten wird.

Die Energiebranche besitzt eine Schlüsselfunktion in der Wirtschaft. Zudem ist sie von der Natur der Sache her von Großunternehmen geprägt. Gewiss, beides verleiht wirtschaftliche Macht, die zu verbraucherschädlichen Wettbewerbsbeschränkungen genutzt werden kann. Doch wer glaubt, das hohe Preisniveau auf den Energiemärkten sei nichts als eine Verschwörung von Großkonzernen, denen man endlich das Handwerk legen müsse, der macht es sich leider zu einfach.

Erstens gibt es ein wirksames Kartellrecht und Behörden wie das Kartellamt oder die Bundesnetzagentur, die ständig über deren allgemeines Marktverhalten und über die Preiserhöhungen wachen. Das ist nicht immer einfach, doch bisher kamen wir recht gut damit hin. Es lief sogar so gut, dass der Staat noch kräftig am hohen Umsatz der Energiebranche mitverdienen konnte. Beim Erdgas beispielsweise, dessen Preisentwicklung die letzten Jahre stark in die öffentliche Kritik geraten ist, besteht der Preis zu etwa 30 Prozent aus Steuern und Abgaben.

Beim Benzin ist es sogar noch krasser. Hier beträgt die Steuerbelastung mehr als das Doppelte, nämlich 63 Prozent. Das sind fast zwei Drittel des Verkaufspreises. Wenn man heute für 1,40 Euro Benzin tankt, dann stecken darin 87 Cent Steuern: 50 Cent Mineralölsteuer, 15 Cent Ökosteuer und mittlerweile 22 Cent Mehrwertsteuer. Hieran sieht man sehr genau, dass der Staat nicht nur für die Benzinpreise eine deutlich größere Verantwortung besitzt als die Mineralölindustrie selbst. Man erkennt auch, dass er bei den Preissteigerungen der letzten Jahre ein stiller Mittäter war – seinerzeit etwa durch die Einführung der Ökosteuer oder zu Beginn des laufenden Jahres durch die satte Erhöhung der Mehrwertsteuer. Letztere spült im Übrigen mit jeder Erhöhung des Marktpreises automatisch auch mehr Geld in die Staatskassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein weiterer Aspekt macht die Angelegenheit komplizierter.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier
ForumFORUM - diskutieren Sie mitalle Foren
 

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Rettet die Mittelschicht! (07.05. 11:30)
Artikel Netzwerke für die Zukunft (30.04. 10:24)
Artikel Der halbe Keynes (23.04. 09:22)
Artikel Die Mär vom Generationenkonflikt (16.04. 11:38)
Artikel Irreführende Etiketten (09.04. 16:19)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

US-WAHL 2008
ArtikelObama nennt Reporterin „Schätzchen“
ArtikelAuch Edwards unterstützt Obama
Exklusivmeldung„Ich würde Obama raten, eine CO2-Steuer einzuführen“
ArtikelSieg mit psychologischer Bedeutung
ArtikelClinton gewinnt erwartet klar in West Virginia
ArtikelUS-Demokraten: Hillary, hör bitte nicht auf
WEIMERS WOCHE


Der Rechtsruck


Erst gewannen die Konservativen in Frankreich, dann in Italien, jetzt in England. Und wenn die Umfragen nicht trügen, dann dürfte zu aller Überraschung sogar der Republikaner Mc Cain in den USA neuer Präsident werden und nicht die medialen Stars der Linken, Clinton und Obama. Es gibt in der westlichen Welt zwar einen gefühlten Linksschwenk, in Wirklichkeit aber Wahl für Wahl einen politischen Rechtsruck.

Von Wolfram Weimer

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Kampf gegen die Abstiegsangst


Man kann es gar nicht oft genug betonen: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist bemerkenswert. War der letzte Boom in den Jahren 1999 und 2000 vom Anstieg geringfügiger Beschäftigung dominiert, so ist der laufende durch einen Zuwachs von Vollzeitbeschäftigung charakterisiert. Deutschlands Gerechtigkeitsfieber könnte den Aufschwung allerdings wieder beenden.

Von Michael Hüther

DAS POLITISCHE FEATURE


„307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“


Reisen nach Israel sind für US-Präsident George W. Bush wie eine nicht enden wollende Wonne. Gegenseitiges Schulterklopfen, Treueschwüre und Tränen der Rührung, wenn Bush Amerika den ältesten und besten Freund Israels nennt oder die Allianz gegen Terror oder Tyrannei beschwört. Die Verbundenheit geht soweit, dass Bush sogar die Vereinten Nationen rügt.

Von Pierre Heumann

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Freunde und Feinde des Dalai Lama
Der Dalai Lama ist auf fünftägiger Deutschland-Reise, und die Nervosität in der Bundesregierung ist groß. Diplomatischer Druck aus Peking ist Berlin gewiss. So zeigt sich die Regierungsspitze gegenüber dem religiösen Oberhaupt der Tibeter ungewohnt zurückhaltend. Doch der Dalai Lama hat andere Unterstützer. Seine Freunde und Feinde in Bildern.
Bildergalerie  Armut, Gewalt, Wirtschaftsboom
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf großer Lateinamerika-Reise. Dabei erwartet sie ein Kontinent voller Widersprüche. Kräftiges Wirtschaftswachstum und ein neues Selbstbewusstsein stehen auf der einen Seite, immer noch weit verbreitete Armut, Umweltzerstörung sowie tiefe ideologische Gräben auf der anderen. Warum Länder wie Brasilien und Mexiko gerade jetzt wieder in den Fokus der deutschen Politik und Wirtschaft rücken.
Bildergalerie  Steuerentlastungen: Was wann kommt
Sicher ist: Bis zur Bundestagswahl im September 2009 werden die Parteien darüber streiten, wer die Bürger am meisten von Steuern und Abgaben entlasten will. Was wann an Entlastungen mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt, zeigt diese Übersicht.
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
UMFRAGE

Bundespräsident Horst Köhler hat den Banken vorgeworfen, die Weltfinanzmärkte zu einem „Monster“ entwickelt zu haben. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick