PolitikLothar Späth: So seh ich es
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
HANDELSBLATT, Mittwoch, 21. November 2007, 11:48 Uhr
So seh ich es

Keine faulen Kompromisse

Von Lothar Späth

Politiker sollten erkennen, dass sie es mit mündigen Bürgern zu tun haben, die sich nichts schönreden lassen. Sie sind in der Lage, eigenverantwortlich zu handeln, gesellschaftliche Entwicklungen realistisch einzuschätzen und individuell vernünftig darauf zu reagieren. Wir brauchen daher eine Ordnung, die das auch zulässt.


Die Koalition ist tot, es lebe die Koalition! So schallt es, auf den Punkt gebracht, derzeit aus Berlin. Einerseits sorgt vor allem der Profilierungsdruck der SPD für die Notwendigkeit, sich öffentlichkeitswirksam klar von der Union abzugrenzen. Aber Neuwahlen machen keinen Sinn.

Die SPD könnte dabei nur verlieren. Und auch der Union nützen sie nicht. CDU und CSU können sich nicht darauf verlassen, etwa mit den Freien Demokraten eine schlagkräftigere Regierungskoalition bilden zu können. Zu alledem kommt die Befürchtung, dass diejenige Partei, die einen Koalitionsbruch provoziert, keine Sympathie gewinnen würde. Beide Seiten wissen also, dass sie sich irgendwie miteinander arrangieren müssen, um mittelfristig wieder einen größeren politischen Gestaltungsspielraum statt mehr Politikverdruss zu schaffen.

Es ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dass sich die Bundesregierung momentan hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Selbst die Opposition beschränkt ihre Kritik weitestgehend auf die schlechte Stimmung in der Regierung. In einer solchen Situation ist die Gefahr groß, dass die Regierung Handlungsfähigkeit demonstrieren will und sich dann ausgerechnet dort zu Kompromissen zwingt, wo das parteipolitische Engagement groß ist. Folglich gehen auch die Lösungsvorstellungen der Parteien weit auseinander.

Die Skepsis gegenüber einer solchen Politik der faulen Kompromisse bestand ja zu Recht schon zu Beginn der Großen Koalition. In manchen Bereichen, in denen die Vorstellungen beider Volksparteien gar nicht weit auseinanderlagen, schaffte es die Bundesregierung, etwas Gutes auf den Weg zu bringen, was gegen eine starke Opposition, die schon aus taktischen Gründen zu vielem Nein sagen würde, nicht gelungen wäre. Dazu gehören die Fortschritte in der Föderalismus- und der Rentenreform, Zielstrebigkeit beim Schuldenabbau oder auch die Intensivierung in der Familienpolitik und sogar die jüngste Reform der Erbschaftsteuer.

In anderen Bereichen, in denen die Große Koalition trotz erheblicher sachlicher Differenzen unbedingt Handlungswillen und Handlungsfähigkeit demonstrieren wollte, verheißen die erkämpften Kompromisse nichts Gutes. Hier steht an erster Stelle die Gesundheitsreform. Nachdem sich die Große Koalition gerade hierauf so ehrgeizig eingelassen hatte, konnte sie keinen Rückzieher mehr machen, ohne ihr Gesicht zu verlieren.

Doch die eigentlichen Ziele bestanden darin, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern und gleichzeitig die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu stabilisieren. Beide Lager drückten bei der Einigung ein Auge zu, die Kritik der Sachverständigen wurde heruntergespielt und die Gesundheitsreform als echter Fortschritt verkauft.

Nun können wir erfahren, wie die Bevölkerung auf den vermeintlichen Fortschritt reagiert. Heute wird in Berlin eine Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie und des Finanzdienstleisters MLP vorgestellt. Aus ihr geht hervor, dass zwei Drittel der Bevölkerung in den kommenden zehn Jahren eine deutliche Kostensteigerung erwarten, aber eine gute Versorgung dennoch nicht für gewährleistet halten. Die Mehrheit der Bürger ist auch der Ansicht, dass sich die medizinische Versorgung in den letzten zwei, drei Jahren spürbar verschlechtert hätte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Besonders interessant ist die Entwicklung der konkreten Erwartungen seit 2000.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier
ForumFORUM - diskutieren Sie mitalle Foren
 

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Rettet die Mittelschicht! (07.05. 11:30)
Artikel Netzwerke für die Zukunft (30.04. 10:24)
Artikel Der halbe Keynes (23.04. 09:22)
Artikel Die Mär vom Generationenkonflikt (16.04. 11:38)
Artikel Irreführende Etiketten (09.04. 16:19)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

US-WAHL 2008
ArtikelObama nennt Reporterin „Schätzchen“
ArtikelAuch Edwards unterstützt Obama
Exklusivmeldung„Ich würde Obama raten, eine CO2-Steuer einzuführen“
ArtikelSieg mit psychologischer Bedeutung
ArtikelClinton gewinnt erwartet klar in West Virginia
ArtikelUS-Demokraten: Hillary, hör bitte nicht auf
WEIMERS WOCHE


Der Rechtsruck


Erst gewannen die Konservativen in Frankreich, dann in Italien, jetzt in England. Und wenn die Umfragen nicht trügen, dann dürfte zu aller Überraschung sogar der Republikaner Mc Cain in den USA neuer Präsident werden und nicht die medialen Stars der Linken, Clinton und Obama. Es gibt in der westlichen Welt zwar einen gefühlten Linksschwenk, in Wirklichkeit aber Wahl für Wahl einen politischen Rechtsruck.

Von Wolfram Weimer

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Kampf gegen die Abstiegsangst


Man kann es gar nicht oft genug betonen: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist bemerkenswert. War der letzte Boom in den Jahren 1999 und 2000 vom Anstieg geringfügiger Beschäftigung dominiert, so ist der laufende durch einen Zuwachs von Vollzeitbeschäftigung charakterisiert. Deutschlands Gerechtigkeitsfieber könnte den Aufschwung allerdings wieder beenden.

Von Michael Hüther

DAS POLITISCHE FEATURE


„307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“


Reisen nach Israel sind für US-Präsident George W. Bush wie eine nicht enden wollende Wonne. Gegenseitiges Schulterklopfen, Treueschwüre und Tränen der Rührung, wenn Bush Amerika den ältesten und besten Freund Israels nennt oder die Allianz gegen Terror oder Tyrannei beschwört. Die Verbundenheit geht soweit, dass Bush sogar die Vereinten Nationen rügt.

Von Pierre Heumann

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Freunde und Feinde des Dalai Lama
Der Dalai Lama ist auf fünftägiger Deutschland-Reise, und die Nervosität in der Bundesregierung ist groß. Diplomatischer Druck aus Peking ist Berlin gewiss. So zeigt sich die Regierungsspitze gegenüber dem religiösen Oberhaupt der Tibeter ungewohnt zurückhaltend. Doch der Dalai Lama hat andere Unterstützer. Seine Freunde und Feinde in Bildern.
Bildergalerie  Armut, Gewalt, Wirtschaftsboom
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf großer Lateinamerika-Reise. Dabei erwartet sie ein Kontinent voller Widersprüche. Kräftiges Wirtschaftswachstum und ein neues Selbstbewusstsein stehen auf der einen Seite, immer noch weit verbreitete Armut, Umweltzerstörung sowie tiefe ideologische Gräben auf der anderen. Warum Länder wie Brasilien und Mexiko gerade jetzt wieder in den Fokus der deutschen Politik und Wirtschaft rücken.
Bildergalerie  Steuerentlastungen: Was wann kommt
Sicher ist: Bis zur Bundestagswahl im September 2009 werden die Parteien darüber streiten, wer die Bürger am meisten von Steuern und Abgaben entlasten will. Was wann an Entlastungen mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt, zeigt diese Übersicht.
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
UMFRAGE

Bundespräsident Horst Köhler hat den Banken vorgeworfen, die Weltfinanzmärkte zu einem „Monster“ entwickelt zu haben. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick