PolitikLothar Späth: So seh ich es
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
HANDELSBLATT, Mittwoch, 6. Februar 2008, 14:29 Uhr
So seh ich es

Reformen statt oller Kamellen

Von Lothar Späth

In der Politik will die närrische Zeit nicht enden. Deutsche Spitzenpolitiker scheinen ihre Nerven zu verlieren – sinkender Reformdruck, Linksruck und eine um sich greifende Globalisierungs- und Kapitalismusschelte seien die Folge. Doch die Volksparteien sollten Ruhe bewahren und ihren ursprünglich eingeschlagenen Kurs weiterführen.


HB. Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Die Masken fallen, die närrischen Feiern sind zu Ende, und die Zeit der Arbeit und der Entbehrungen beginnt wieder. Leider hat sich dieser volkstümliche Brauch, der sich jahrhundertelang zur Schöpfung neuer Kräfte bewährt hat, in der Politik nicht richtig durchgesetzt.

Wie schön wäre es doch, wenn man auch dort diesen dialektischen Rhythmus übernähme und nur ein paar Wochen im Jahr alles herausließe, was einem gerade durch den Kopf schwirrt, sich in ein Kostüm begäbe, in dem man nicht mehr wiederzuerkennen ist, sich – wenn’s denn sein muss – gegenseitig die Krawatten stutzte und fröhlichen Quatsch zusammenreimte, um dann ab dem Aschermittwoch wieder beherzt und mit der gebotenen Ernsthaftigkeit an die Arbeit zu gehen. Doch in der Politik ist bekanntlich alles ganz anders. Hier scheint es bisweilen, als wolle die närrische Zeit nicht enden.

Politik wird leider von einer anderen Dialektik getragen. Der demokratische Staat stellt seine Lebensweise nicht regelmäßig infrage, sondern reagiert bestenfalls erst dann, wenn eine Krise ausgebrochen ist und ihre Auswirkungen nicht mehr zu leugnen sind. Doch dann ist es meist zu spät, um die negativen Folgen einer Fehlentwicklung abzuwenden. In der Regel dauert es eine Weile, bis die mitunter nachhaltigen Schäden behoben sind.

Deutschland hat gerade einige Krisenjahre hinter sich, und es hat lange gedauert, bis man die Ursachen bei sich selbst suchte. Man erinnere sich, dass schließlich auch die SPD unter der Führung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder einsehen musste, dass Wachstum und Verteilung nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können und dass die soziale Absicherung ihre finanziellen und psychologischen Grenzen hat. Auch war man nach rauschenden Festen wieder nüchtern genug, die Neuverschuldung nicht mehr länger als legitimes Mittel anzuerkennen, die angemessene Zäsur nicht hinauszuzögern, quasi den Aschermittwoch nicht immer wieder eine Woche zu verschieben.

In dieser Stimmung schaffte die rot-grüne Regierung mit der Agenda 2010 schließlich den Anfang einer Reformpolitik, die es ermöglichen sollte, vor allem die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken. Da dieser Ansatz von der Union geteilt wurde, führte der Regierungswechsel nicht zum Bruch der Reformpolitik. Den verursachten erst die zwei Jahre Aufschwung, welcher die sachlichen Zwänge für eine Senkung der Staatsquote und für die Einschnitte im sozialen Bereich überdeckt. Mittlerweile werden sogar die schon gemachten Reformschritte wieder infrage gestellt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Problematik des sinkenden Reformdrucks.


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschickenIhre Meinung zum Artikel
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier
ForumFORUM - diskutieren Sie mitalle Foren
 

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Rettet die Mittelschicht! (07.05. 11:30)
Artikel Netzwerke für die Zukunft (30.04. 10:24)
Artikel Der halbe Keynes (23.04. 09:22)
Artikel Die Mär vom Generationenkonflikt (16.04. 11:38)
Artikel Irreführende Etiketten (09.04. 16:19)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

US-WAHL 2008
ArtikelObama nennt Reporterin „Schätzchen“
ArtikelAuch Edwards unterstützt Obama
Exklusivmeldung„Ich würde Obama raten, eine CO2-Steuer einzuführen“
ArtikelSieg mit psychologischer Bedeutung
ArtikelClinton gewinnt erwartet klar in West Virginia
ArtikelUS-Demokraten: Hillary, hör bitte nicht auf
WEIMERS WOCHE


Der Rechtsruck


Erst gewannen die Konservativen in Frankreich, dann in Italien, jetzt in England. Und wenn die Umfragen nicht trügen, dann dürfte zu aller Überraschung sogar der Republikaner Mc Cain in den USA neuer Präsident werden und nicht die medialen Stars der Linken, Clinton und Obama. Es gibt in der westlichen Welt zwar einen gefühlten Linksschwenk, in Wirklichkeit aber Wahl für Wahl einen politischen Rechtsruck.

Von Wolfram Weimer

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Kampf gegen die Abstiegsangst


Man kann es gar nicht oft genug betonen: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist bemerkenswert. War der letzte Boom in den Jahren 1999 und 2000 vom Anstieg geringfügiger Beschäftigung dominiert, so ist der laufende durch einen Zuwachs von Vollzeitbeschäftigung charakterisiert. Deutschlands Gerechtigkeitsfieber könnte den Aufschwung allerdings wieder beenden.

Von Michael Hüther

DAS POLITISCHE FEATURE


„307 Millionen Amerikaner stehen hinter Ihnen“


Reisen nach Israel sind für US-Präsident George W. Bush wie eine nicht enden wollende Wonne. Gegenseitiges Schulterklopfen, Treueschwüre und Tränen der Rührung, wenn Bush Amerika den ältesten und besten Freund Israels nennt oder die Allianz gegen Terror oder Tyrannei beschwört. Die Verbundenheit geht soweit, dass Bush sogar die Vereinten Nationen rügt.

Von Pierre Heumann

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Freunde und Feinde des Dalai Lama
Der Dalai Lama ist auf fünftägiger Deutschland-Reise, und die Nervosität in der Bundesregierung ist groß. Diplomatischer Druck aus Peking ist Berlin gewiss. So zeigt sich die Regierungsspitze gegenüber dem religiösen Oberhaupt der Tibeter ungewohnt zurückhaltend. Doch der Dalai Lama hat andere Unterstützer. Seine Freunde und Feinde in Bildern.
Bildergalerie  Armut, Gewalt, Wirtschaftsboom
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf großer Lateinamerika-Reise. Dabei erwartet sie ein Kontinent voller Widersprüche. Kräftiges Wirtschaftswachstum und ein neues Selbstbewusstsein stehen auf der einen Seite, immer noch weit verbreitete Armut, Umweltzerstörung sowie tiefe ideologische Gräben auf der anderen. Warum Länder wie Brasilien und Mexiko gerade jetzt wieder in den Fokus der deutschen Politik und Wirtschaft rücken.
Bildergalerie  Steuerentlastungen: Was wann kommt
Sicher ist: Bis zur Bundestagswahl im September 2009 werden die Parteien darüber streiten, wer die Bürger am meisten von Steuern und Abgaben entlasten will. Was wann an Entlastungen mit welcher Wahrscheinlichkeit kommt, zeigt diese Übersicht.
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
UMFRAGE

Bundespräsident Horst Köhler hat den Banken vorgeworfen, die Weltfinanzmärkte zu einem „Monster“ entwickelt zu haben. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rohstoffe

Warum Lateinamerika für Deutschland wieder wichtig wird.
Steuerpläne

Wann die deutschen Steuerzahler mit welchen Entlastungen rechnen dürfen.
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick