Diese an sich schon ungünstige Entwicklung trifft auf die Tatsache, dass die Deutschen bekanntlich zu wenig Kinder bekommen. Auch das wird sich in zweierlei Hinsicht negativ auf die Finanzierung der Pflege auswirken. Erstens wird die Anzahl der Beitragszahler im Jahr 2050 nur noch drei Viertel der heutigen betragen. Zweitens wird es bei einem Bevölkerungsrückgang rein rechnerisch auch immer weniger Angehörige geben, die bereit sind, eine kostengünstigere Pflege zu Hause zu leisten.
Die sich aus all diesen Fakten ergebende Mehrbelastung kann nur durch eine seriöse Rücklagenbildung finanziert werden. Eine Umlagefinanzierung, wie sie - nach dem Vorbild des Generationenvertrags in der Rentenversicherung - vor zwölf Jahren auch für die Pflegeversicherung beschlossen wurde, ist bei der vorliegenden demographischen Entwicklung untauglich. Man wusste das damals bei der Einführung ebenso wie heute. Nur diese Erkenntnis auch konsequent umzusetzen, nämlich die umlagefinanzierte Pflegeversicherung in eine kapitalgedeckte zu überführen, traute sich bisher keine Regierung.
Der Grund für diese Zurückhaltung liegt offensichtlich darin, dass die Beitragssätze entsprechend angehoben werden müssten. Die Mittelstands und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU - etwa hat hierzu eine Kalkulation gemacht, nach der ein versicherungspflichtiger Bürger eine Pflegeprämie von 21 Euro monatlich zuzüglich eines jährlichen Dynamisierungszuschlags von 1,20 Euro zahlen müsste, damit 2050 die volle Altersrückstellung erreicht wäre - wobei die Pflegstufe I mittelfristig auslaufen müsste. Gewiss für manche Bürger wäre diese Beitragserhöhung spürbar, doch ist sie für die allermeisten wohl zumutbar.
Es gibt darüber hinaus keinen Grund, weshalb diese Pflichtversicherung von einer öffentlichen Institution betrieben werden muss. Die Privatversicherer haben längst bewiesen, dass ihre Kalkulationen seriöser sind. Die wankelmütige Politik hier herauszuhalten, kann sich langfristig nur als Vorteil erweisen. Den Bürgern, die mit dieser Beitragserhöhung überfordert wären, muss selbstverständlich der Sozialstaat unter die Arme greifen. Aber es ist besser, durch Übernahme der Beiträge die Last für die Allgemeinheit jetzt sichtbar zu machen.
Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Bundesbürger unter den gegebenen Umständen mit einer solchen Ausgestaltung zufrieden wären, weil sie dann auch das bewirken würde, was ihr Name verspricht: den Bürgern endlich die Sicherheit zu geben, im Bedarfsfall angemessen gepflegt zu werden. Eine Gesellschaft, für die Solidarität im Alter nicht nur eine formale Mogelpackung sein soll, muss sich den finanziellen Notwendigkeiten rechtzeitig beugen.

