Außerdem wird ein solcher Arbeitnehmer vermutlich gar kein unbedingtes Interesse mehr daran haben, vollständig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden, um sich nach einem halben Jahr intensiven Golfspielens entsetzlich zu langweilen und sich nach einer sinnvollen Aufgabe zurückzusehnen.
Nun lautet, wenn es um Arbeit im Alter geht, das Argument der Gewerkschaften und vieler Sozialpolitiker in den Parlamenten immer, dass zahlreiche ältere Menschen frühzeitig entlassen würden und gar keine Anstellung mehr bekämen. Es sei insofern absurd, eine längere Lebensarbeitszeit zu fordern. Richtig ist, dass bei der letzten Erhebung in Deutschland die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen mit 39 Prozent im internationalen Vergleich auffällig niedrig war. Im sozialen Schweden lag sie bei 70 Prozent. Die geringe deutsche Quote hängt aber sicher nicht zuletzt mit der langen und intensiven Förderung der Frühverrentung zusammen.
Nicht zu stimmen scheint hingegen die gerne propagierte Behauptung, die deutsche Wirtschaft würde die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer prinzipiell bremsen. Einer neuen Studie des DIW in Berlin zufolge ist die Beschäftigung von Älteren seit 1998 nämlich stetig und kräftig um 1,5 Millionen angewachsen, während zur gleichen Zeit - zumindest bis vor kurzem - die Beschäftigung der unter 50-Jährigen abgenommen hat. Und das gilt nicht nur für geringfügig Beschäftigte, sondern sehr wohl auch für Sozialversicherungspflichtige und auch für Beamte.
Die Studie belegt zudem, dass die Bereitschaft gerade der über 55-Jährigen, eine Arbeit aufzunehmen, deutlich zugenommen hat. Laut DIW liegt die Ursache dieses asymmetrischen Beschäftigungsanstiegs im gestiegenen Qualifikationsniveau der Altersgruppe der über 55-Jährigen. Hier mache sich die Bildungsinitiative ab Mitte der 60er-Jahre bemerkbar. Jene Jahrgänge, die in den Genuss dieses Bildungsschubs gekommen sind, wachsen nun in das betrachtete Alterssegment hinein und erhöhen somit die Beschäftigungsquote dieser angeblich so problematischen Altersgruppierung. Die Wirtschaft wiederum greift offenbar ohne Vorbehalte gegenüber dem Alter auf solche Bürger zurück, die das entsprechende Bildungsniveau besitzen, sofern sie die Bereitschaft mitbringen, sich auch auf Neues einzulassen und Neues zu erlernen.
Wir sollten daraus lernen, wie wichtig es ist, für eine hochwertige Bildung und Ausbildung der jetzt jungen Generation zu sorgen. Wer heute meinetwegen 25 Jahre alt ist und ein zukunftsträchtiges Fach studiert, der wird im Jahr 2050 ein 68-Jähriger sein, dessen Leistungen noch benötigt werden, der sich im Durchschnitt noch guter Gesundheit erfreut und der ein erfülltes Berufsleben hat und noch arbeiten will. Die Menschen wandeln sich - und mit ihnen die Gesellschaft.

