0 Bewertungen
26.09.2007 

Ein Engagement in Stiftungen und Vereinen, in denen man sich jenseits der Erwerbsarbeit für die Gesellschaft nützlich machen und gleichzeitig seinem Leben auf einer sozialen Ebene zu mehr Sinn verhelfen kann, verdient Anerkennung und Unterstützung.

Im Mittelpunkt einer Bürgergesellschaft steht der Begriff Eigenverantwortlichkeit. Manche lehnen das Konzept einer Bürgergesellschaft ab, weil sie in dem Wort Eigenverantwortung eine nette Umschreibung von "sich selbst überlassen" sehen. Doch das ist eine oberflächliche Interpretation und zeugt von Unkenntnis über die Funktionsweise einer intakten und solidarischen Gesellschaft.

Bürgerschaftliche Eigenverantwortlichkeit bedeutet nicht, alles, sondern nur so viel der Verantwortung dem Einzelnen zu überlassen, wie dieser jeweils verkraften kann. Dieses so genannte Subsidiaritätsprinzip besagt also, dass alles, was der Einzelne oder einzelne soziale Einheiten von sich aus leisten können, diesen vom Staat nicht aus der Hand genommen werden darf. Der Staat sollte erst dann helfend zur Stelle sein, wenn eine Überforderung vorliegt.

Eine so verstandene Solidarität schützt auch den Bürger vor einem ungezügelten Zugriff des Staates. Und sie setzt vor allem ein Höchstmaß an Mitteln frei, um denjenigen zu helfen, die ohne Hilfe anderer nicht auskommen.

In einer Gesellschaft, die mit Überalterung, mit Engpässen in der Altenpflege, mit Kinderarmut und Bildungsnotstand zu kämpfen hat, wird ein effizienter Umgang mit solidarischen Kräften ebenso wichtig, wie die Bereitschaft des Einzelnen, überschüssige Mittel und Kräfte solidarisch einzusetzen. Ein Staat, der ein freiwilliges Engagement nicht zumindest teilweise gegenüber einer Zwangsabgabe begünstigt, setzt im Endeffekt Anreize, Verantwortung zurückzuweisen und im Zweifel dem System lieber zur Last zu fallen. Wer bereit ist, anderen bedürftigen Menschen irgendetwas zu geben - von Geld bis Zeit -, sollte steuerlich nicht genauso behandelt werden, wie derjenige, der das nicht ist. Mit dem neuen Gesetz zeigt der Staat eine stärkere Anerkennung und schafft mehr Freiräume für ein bürgerschaftliches Engagement. Das verdient ein Lob.

Eine bürgergesellschaftliche Ausrichtung ist auch aus anderer Perspektive geboten. Der Sozialstaat der industriellen Erwerbsgesellschaft versuchte im Namen der Menschenwürde eine möglichst große Anonymität zwischen Gebern und Nehmern herzustellen. Es ist aber nur allzu menschlich, dass eine solche anonyme Solidarstruktur dazu verführt, sie als zuverlässige Größe soweit wie möglich in die Lebensentwürfe einzukalkulieren. Die Folgen waren etwa geringe private Vorsorge, Abgabe von Versorgungsverantwortung gegenüber Familienmitgliedern und Freunden sowie weniger Entscheidungen zugunsten von Familie und Kindern.

Die daraus resultierende Konzentration auf die Erwerbsarbeit hat die außerordentlich wichtigen Leistungen jenseits der Erwerbswirtschaft tendenziell verdrängt. Das neue Gesetz kann dazu beitragen, diese wieder ausreichend zu würdigen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Forum Diskussionen zu diesem Beitrag im Forum
  Alle anzeigen
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Zuletzt besucht / gesucht

Anzeige