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31.10.2007 

In Deutschland sollen im vergangenen Jahr rund 165 000 Spezialisten gefehlt haben. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ausgerechnet, dass der Fachkräftemangel die deutsche Volkswirtschaft 18,7 Milliarden Euro gekostet hat. Das sind 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die dynamischen Wachstumseffekte, die mittelfristig aufgrund des Fachkräftemangels ausbleiben, sind hier noch gar nicht beziffert. Klar aber ist, dass durch die Anstellung qualifizierter ausländischer Fachkräfte deutsche Arbeitnehmer nicht in die Arbeitslosigkeit getrieben werden, sondern im Gegenteil häufig durch die so ermöglichte Ausweitung der Produktion weitere Arbeitsplätze entstehen.

Die Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter lässt sich nun einmal nicht damit bekämpfen, dass man die Arbeitsplätze für Hochqualifizierte ebenfalls streicht. Gewiss, es gibt immer noch arbeitslose Ingenieure in Deutschland, aber deren Anzahl hat sich in den letzten zehn Jahren weit mehr als halbiert. Auch kann man Wirtschaft und Politik vielleicht vorhalten, nicht rechtzeitig mehr für die Förderung des Technikernachwuchses getan zu haben. Wir müssen das in Zukunft ganz sicher besser machen, doch im Moment hilft uns diese Einsicht freilich nicht.

Neben der Bestandsaufnahme dieser aktuellen Problematik muss man im Zusammenhang mit einer Einwanderungspolitik immer auch die demografische Entwicklung Europas sehen. Laut den Bevölkerungsberichten der Uno ist Europa die einzige Weltregion, deren Bevölkerung schrumpft. Das gilt nicht zuletzt auch für Deutschland, was schwerwiegende Probleme nach sich zieht.

Bislang wurde immer nur darüber nachgedacht, wie sich Europa und Deutschland vor Einwanderung schützen können. Das muss sich ändern. Eine gezielte Einwanderungspolitik, wie man sie etwa lange Zeit mit dem Erdteil Nordamerika verband, wird den Gefahren der europäischen Überalterung entgegenwirken. Die EU muss frühzeitig dafür Sorge tragen, dass sie nicht nur für die Armen aus Nordafrika ein Paradies ist, sondern insbesondere auch hervorragend ausgebildeten Menschen aus aller Welt eine Wunschheimat zu bieten weiß. Da nützt es wenig, wenn wir etwa Computerspezialisten aus Indien den Status von zwischenzeitlich geduldeten Gastarbeitern anbieten. Die schlechten Erfahrungen mit der "Green Card" im Jahr 2000 belegen dies.

Angeregt durch die einladende Einwanderungspolitik Großbritanniens, wo zahlreiche polnische Fachkräfte eine neue Heimat gefunden haben, will sich nun - verspätet - auch die Bundesregierung in der Anwerbung unserer östlichen Nachbarn versuchen. Doch die Halbherzigkeit der Green-Card-Aktion scheint sich hier zu wiederholen. Die Bundesregierung sollte ihre Zurückhaltung aufgeben und abermals die EU mit gutem Beispiel voranbringen.

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