Neben diesem steuerlichen Aspekt macht ein weiterer die Angelegenheit komplizierter, als manchem lieb sein mag. So spiegelt sich in der allmählichen Erhöhung der Benzin-, Diesel-, Öl- und Gaspreise selbstverständlich auch die durch den Asienboom veränderte Wettbewerbssituation auf den Weltenergiemärkten wider. Es kann doch niemanden überraschen, dass der Preis steigt, wenn die Energienachfrage massiv wächst und das Angebot an Energierohstoffen sich kaum ausweitet. Das ist ein völlig normaler und auch sinnvoller Vorgang: Verknappung führt zu Preiserhöhung. Sinnvoll - und hier kommt ein dritter Aspekt ins Spiel - ist eine solche Preiserhöhung in diesem Fall deshalb, weil so die weltweite Steigerung des Energieverbrauchs tendenziell gebremst wird und dadurch der CO2-Ausstoß und andere Luftverschmutzung eingeschränkt werden. Mit den neuen Benzinpreisrekorden ist also weit mehr verbunden als die unterstellten inländischen Wettbewerbsbeschränkungen. Auch wenn es tatsächlich zutreffen sollte, dass die ein oder andere Preiserhöhung seitens der Anbieter nicht in vollem Umfang durch die Entwicklung auf den Beschaffungsmärkten zu rechtfertigen ist, so wird dies nichts Wesentliches an den insgesamt sehr hohen, maßgeblich steuerverursachten Preisen ändern und auch nicht an der unaufhaltsamen Verknappung und damit Verteuerung fossiler Brennstoffe.
Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel der Forderung von Automobil- und Wirtschaftsverbänden nach einem "Benzingipfel" eine Absage erteilt. Sie weiß , dass das Einzige, was zu einer spürbaren Senkung der Endpreise führen könnte, der Verzicht des Staates auf Steuereinnahmen, etwa auf die 15 Cent Ökosteuer, wäre. Darauf wollen die Kanzlerin und ihr Finanzminister Peer Steinbrück sich nicht einlassen. Zum einen sind die steigenden Steuereinnahmen bereits mehr oder weniger verplant. Zum anderen steht gerade Angela Merkel nach dem G8-Treffen in Heiligendamm für einen zügigen und massiven Abbau des CO2-Ausstoßes. Mit einer aktiven Verbilligung des Benzins quasi dafür einzutreten, dass die Energie so sorg- und folgenlos verbraucht werden kann wie eh und je, wäre widersprüchlich.
Ungeachtet des täglichen Ärgernisses an der Tankstelle müssen wohl auch die Verbraucher anerkennen, dass hier ein Zielkonflikt besteht. Den könnte man als Bürger versuchen aufzulösen, indem man sich um einen geringeren Energieverbrauch bemüht. Ein Auto beispielsweise, das deutlich weniger Benzin verbraucht als herkömmliche Modelle, hilft wohl am besten, Geld beim Tanken zu sparen.
Am Ende müssen wir alle die Lasten einer umweltfreundlichen Energieversorgung tragen - direkt oder indirekt, ob als Verbraucher oder als Steuerzahler. Es hilft nicht weiter, wenn jeder auf den anderen zeigt und "Haltet den Dieb!" ruft.

