Zweitens macht die Konzentration auf nachwachsende Rohstoffe ökologisch und ethisch nicht immer Sinn. Wenn etwa wegen der für Biokraftstoff und Biogas benötigten Agrarprodukte der Regenwald weiter abgeholzt und in der Bioethanolproduktion enorme Wassermengen verbraucht werden, ist das ökologisch kontraproduktiv. Und die daraus unweigerlich resultierenden Preissteigerungen bei Lebensmitteln sind weder für uns erfreulich noch gegenüber jenen moralisch zu rechtfertigen, die schon jetzt unterhalb der absoluten Armutsgrenze leben. Erst auf der Grundlage einer vorurteilsfreien und realistischen Kosten-Nutzen-Analyse können die Bürger ihre wahren Präferenzen und Opferbereitschaft prüfen. Hier kann und hier sollte die Bundesregierung durchaus für die gute Sache werben, aber auch klar sagen, was nötig ist, um die ehrenwerten Ziele vernünftig zu verfolgen. Das muss ideologiefrei, nüchtern und besonnen geschehen.
Es bedarf bei alledem keiner langen Überlegung, sich klarzumachen, dass die beste Klimaschutzpolitik diejenige ist, die auf die Reduzierung des Verbrauchs wirkt. Wer wenig verbraucht, emittiert auch wenig Schadstoffe. Hier muss der Staat aus echter Überzeugung bereit sein, die mit einer Vermeidungspolitik verbundenen Steuereinbußen in Kauf zu nehmen. Der Beschluss, neue Standards bei Neubauten zu etablieren und die Renovierung von Altbauten aktiv zu fördern, ist sicherlich ein Schritt in diese Richtung.
Es gibt noch eine Menge weiterer Möglichkeiten. Im warmen Australien etwa will man die wenig effektiven Glühbirnen verbieten. Mit der Umstellung auf energiesparende Leuchtstoffe könne jeder Australier etwas zum Klimaschutz beitragen. Wir Deutsche, die bereit sind, in einer konzertierten Aktion einmalig fünf Minuten die Lichter auszuschalten, sollten uns lieber am Pragmatismus der Australier ein Beispiel nehmen und nach Wegen suchen, gleichzeitig Energieverbrauch und-kosten dauerhaft zu senken.

