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09.04.2008 

Mexikaner etwa klagen über die drastische Verteuerung ihres Grundnahrungsmittels Mais, dessen Preis seit 2005 um 170 Prozent gestiegen ist. Auftrieb erhält dieser Trend durch den Beschluss der USA, den Anteil erneuerbarer Energie am Kraftstoffmix bis 2022 zu verfünffachen.

Nicht besser geht es der asiatischen Bevölkerung. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ernährt sich von Reis. Sein Preis hat sich seit 2003 vervierfacht. Und im nordafrikanischen Ägypten entstehen momentan die ersten Unruhen, weil allein seit Jahresbeginn die Ausgaben für Grundnahrungsmittel über 50 Prozent gestiegen sind. Die Vorboten einer neuen Lebensmittelverknappung haben bekanntlich längst auch unsere Längen- und Breitengrade erreicht. Und da zeigt sich der dritte große Widerspruch.

Zum einen werden bei uns die unsozialen Effekte einer Verteuerung der Energie beklagt. Mit dem Argument, man wolle sich mit Biokraftstoff auch unabhängiger von den wenigen rohstoffreichen Ländern machen und damit dem Preisdruck entgegenwirken, trägt man aber gleichzeitig zur Bildung eines Engpasses und damit zu enormen Preissteigerungen auf den Lebensmittelmärkten bei.

Ich meine, diese drei Widersprüche reichen aus, um den groß angelegten Einsatz von Agrarprodukten in der Energiegewinnung stark infrage zu stellen. Man wird auf diese Weise das eigentliche Ziel nicht erreichen und stattdessen noch zusätzliche Probleme produzieren. Hieran hat keine der Parteien ein Interesse.

Dringend erforderlich ist daher ein Abrücken von eingefahrenen ideologischen Standpunkten. Hierzu gehört nicht zuletzt, den weiteren Umgang mit der Kernenergie noch einmal nüchtern zu überdenken. Der französische Präsident Sarkozy wirbt derzeit bei der EU für eine stärkere Würdigung der Tatsache, dass Kernenergie klimatechnisch betrachtet unschädlich ist. Eine ebenso wenig zu leugnende Tatsache ist, dass der isolierte Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie die angestrebte Sicherheit nicht erhöhen kann. Frankreich und Großbritannien haben sich zur Entwicklung einer neuen Generation von Atomkraftwerken verabredet. Weltweit herrscht ein neuer Trend zur Aufrüstung von Atomenergie. Macht der eingeschlagene Weg Deutschlands da noch Sinn?

Wir sollten in diesen Zeiten gelassener mit den ideologischen Positionen von gestern umgehen und stattdessen pragmatisch und zielorientiert eine offene Strategie entwickeln, die sich wirklich dazu eignet, flexibel die anstehenden Probleme der Zukunft zu lösen.

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