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21.09.2005 

Wenn man also irgendeine konkrete Aussage aus dem Wahlergebnis ziehen kann, dann ist es wohl der Auftrag zur großen Koalition, die der beste Garant für den breiten Konsens ist. Das ist für jene, die auf eine kompromisslosere Reformpolitik gehofft hatten, natürlich eine Enttäuschung. Doch offenbar hat der Verlust an Vertrauen in die Volksparteien in den Augen der Wählermehrheit eine Konstellation unumgänglich gemacht, in der sich die Lager bei den notwendigen Reformen gegenseitig kontrollieren. Denn eine direkte Kontrolle durch den Bürger ist auf Grund der Komplexität der Sachthemen letztlich unmöglich. Aus dieser Sicht erscheint das Wahlverhalten der Bürger also alles andere als irrational.

Aus ihrer Sicht haben die Menschen zudem im Wesentlichen nach sachlichen Aspekten gewählt. Den Ausgang der Wahl trotzdem immer wieder mit Personalfragen zu interpretieren halte ich für eine Unterschätzung des souveränen Bürgers. Die beiden Volksparteien sollten daher - trotz verständlicher Enttäuschung - dem Wählervotum mit dem gebotenen Respekt begegnen, sich von ihren Idealvorstellungen wieder lösen und sich der bestmöglichen Kompromisslösung der Sachfragen widmen.

Alles andere wäre eine fruchtlose Fortsetzung des Wahlkampfs. Geht man erst einmal offen ins Gespräch, ergeben sich die Kompromisse, welche die Volksparteien in einer großen Koalition eingehen müssen, ganz schnell aus den Sachzwängen. Die Personalfragen werden sich dann auch lösen lassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Politiker müssen sich damit abfinden.

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