0 Bewertungen
07.05.2008 
Hillary Clinton hat keine Chance mehr

„It's All Over Now, Baby Blue“

von Christina Otten und Brian Melican

Hillary Clinton hat ihre letzte Chance im Kampf um das Weiße Haus vertan. Nach der haushohen Niederlage in North Carolina und einem Zittersieg in Indiana muss sie die Hoffnung begraben, die noch unentschiedenen Superdelegierten der Demokraten mehrheitlich auf ihre Seite zu ziehen. Die ehemalige First Lady kann nur noch auf eine unorthodoxe Lösung hoffen.

Hillary Clinton mit Gatte Bill. In Indinana gewinnt sie nur hauchdünn. Foto: ReutersLupe

Hillary Clinton mit Gatte Bill. In Indinana gewinnt sie nur hauchdünn. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. „It's All Over Now, Baby Blue“, titelt das US-Politikmagazin » „The New Republic“ und bringt damit die Situation der Clinton-Kampagne auf den Punkt. Die Vorwahl bei den Demokraten ist gelaufen. Die letzten wichtigen Entscheidungen in North Carolina und Indiana haben den Traum der New Yorker Senatorin von der Präsidentschaftskandidatur endgültig zerplatzen lassen.

„Das sind schlechte Neuigkeiten für Clinton“, kommentiert der demokratische Parteistratege Garry South das Ergebnis. Clinton ist es nicht gelungen, in dem dramatischen Ringen um die Präsidentschaftskandidatur ihre gute Ausgangsposition umzumünzen. Die New Yorker Senatorin hatte mit ihrem Sieg in Pennsylvania im April neuen Schwung gewonnen, Obama dagegen mit der Affäre um die antiamerikanischen Äußerungen seines früheren Pfarrers Jeremiah Wright ("Gott verdamme Amerika!") zu kämpfen.

„Doch Senatorin Clinton hat nicht das erreicht, was sie brauchte“, bilanziert der demokratische Abgeordnete Brad Miller aus North Carolina. Er gehört zu den Superdelegierten, die beim Nominierungsparteitag Ende August in Denver frei abstimmen können.

Auf diese Superdelegierten setzt Clinton ihre Hoffnungen, ihren klaren Rückstand noch wettmachen zu können. Doch Obamas starke Ergebnisse in North Carolina und Indiana dürften den Trend bei den Superdelegierten zu seinen Gunsten noch verstärken.

In North Carolina gewann Obama nach Auszählung von 99 Prozent der Stimmen mit 56 Prozent, Clinton erhielt 42 Prozent. In Indiana siegte die Ex-First Lady nur hauchdünn. Das war zu wenig. Nach Auszählung von ebenfalls 99 Prozent auf 51 Prozent der Stimmen, Obama erhielt 49 Prozent.


ArtikelInteraktive Grafik mit allen Einzelergebnissen, den Positionen und Biographien der Kandidaten

Obwohl sich Clinton weiter kämpferisch gibt, sich weiter für „die Sache zerreißen will“, schwant es ihr wohl auch: Vom energischem Auftreten in den vergangenen Tagen ist schon am Dienstagabend nichts mehr zu sehen. Sie wirkt angespannt und verhalten, als sie ihren Anhängern verspricht, bei den anstehenden Vorwahlen noch einmal anzugreifen. Sie redet eher sanft von der „gemeinsamen Reise", auf der sie und ihr Rivale Barack Obama unterwegs seien. Auch ihr Ehemann Bill Clinton und Tochter Chelsea wirken gedrückt.

Für Obama ist es nach der Kontroverse um die Bemerkungen seines Ex-Pastors Jeremiah Wright dagegen ein großer Sieg. Der frühere US-Botschafter John Kornblum nennt Obama am Mittwoch im Nachrichtensender n-tv den „Mann der Stunde, mindestens bei den Demokraten“. Zu Clinton meint er: „Ich würde sagen, bei einem normalen Wahlkampf würde Frau Clinton jetzt sagen: Jetzt habe ich den Durchbruch nicht geschafft, jetzt sollte ich mindestens überlegen aufzuhören.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum jetzt die Zweifel an Obama wachsen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Verneigung vor dem „Messias“

24.07.2008 , 11:02 Uhr

Kandidat der Demokraten

Barack Obama: der neue Star  Artikel in Merkliste

06.06.2008Barack Obama Foto: Archiv

Barack Obama (46) ist nach John F. Kennedy der jüngste Anwärter aufs Weiße Haus. Noch vor kurzem galt der politische Newcomer vielen als Modeerscheinung. Die „Obamania“, die Begeisterung vor allem unter jungen Amerikanern für ihn, war jedoch von Dauer. Von Obama erhofft sich die Nation Weihe, Waschung und Wunder. Artikel


Kandidat der Republikaner

John McCain: der Veteran  Artikel in Merkliste

06.06.2008John McCain Foto: Reuters

Abgehärtet durch seine Lebenserfahrung präsentiert sich McCain als einer, der sich in seinem Urteilsvermögen nicht beirren lässt. Sein Trumpf im Duell mit Obama ist die große Erfahrung in der Außen- und Sicherheitspolitik. Doch nicht allen Republikanern ist er der liebste Kandidat. Artikel


Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Obama – Yes we can

    Obama – Yes we can

    Berlin ist im Obama-Fieber: Nach seiner Ankunft in der Hauptstadt ist der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama im Kanzleramt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammengetroffen. Hunderte Schaulustige jubelten Obama zu. Andere nutzten seinen Besuch für werbewirksame...Bildergalerie 

  • Merkel und „Goldelse“: Ob...

    Merkel und „Goldelse“: Obamas Berlin-Agenda

    Die Faszination Obama erreicht Berlin. Zur Rede des US-Präsidentschaftskandidaten vor der Siegessäule werden Tausende Menschen erwartet, die begeistert amerikanische Fähnchen schwenken. Doch der Auftritt an der "Goldelse" ist nicht der einzige Termin des Demokraten in ...Bildergalerie 

  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • Obama sucht den Vize

    Obama sucht den Vize

    In einem harten Vorwahlkampf hat sich Barack Obama durchgesetzt. Noch in dieser Woche will er nun entscheiden, wer im Falle eines Wahlsiegs als Vizepräsident mit ihm ins Weiße Haus einziehen soll. Die Liste der möglichen Mitstreiter ist lang.Bildergalerie