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15.05.2008 
US-Wahlkampf

Obama nennt Reporterin „Schätzchen“

Nach dem monatelangen Duell mit Hillary Clinton ist Barack Obama so gut wie am Ziel: Der ehemalige Mitbewerber John Edwards stellte sich jetzt hinter die Kandidatur des Senators. Ein wichtiger Erfolg, der Obama aber nicht vor Fettnäpfchen bewahrt. In eines trat der demokratische Präsidentschaftsbewerber bei seinem jüngsten Besuch in einer Autofabrik in Michigan.

Obama ist so gut wie am Ziel. Foto: dpaLupe

Obama ist so gut wie am Ziel. Foto: dpa

HB WASHINGTON. Barack Obama ist bei seinem jüngsten Besuch in einer Autofabrik in Michigan ins Fettnäpfchen getreten. Eine Fernseh-Reporterin, die ihn während seines Gangs durch die Fertigungsanlagen nach den Gründen für seine schwere Vorwahl-Niederlage am Dienstag in West Virginia fragen wollte, beschied er mit den Worten: „Es wird eine Pressekonferenz geben, Schätzchen“.

Die Journalistin merkte nach Angaben der » „Los Angeles Times“ vom Donnerstag später in ihrer Sendung an: „Dieses Schätzchen hat nie eine Antwort auf ihre Frage erhalten.“ Obama entschuldigte sich noch am selben Tag für die Anrede. Es sei eine schlechte Angewohnheit von ihm, und er habe nicht respektlos sein wollen.

Trotz dieser kleinen Störungen, insgesamt läuft es gut für Obama. Mit einem Überraschungscoup hatte er am Mittwoch Hillary Clintons jüngste Hoffnungen auf eine Wende im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten zunichtegemacht. Nur wenige Stunden nach dem souveränen Vorwahl-Sieg seiner Rivalin in West Virginia präsentierte er John Edwards als wichtigen Unterstützer. Wichtiges Detail: Edwards beseitzt auch viel Sympathie in der weißen Stammwählerschaft Clintons.

Ein Kommentator des US-Fernsehsenders CNN sagte: „Diese Nominierung (Clintons) ist zu Ende.“ Bei einer gemeinsamen Wahlkampfveranstaltung mit dem Senator aus Illinois im US- Bundesstaat Michigan sagte Edwards: „Die Wähler der Demokraten haben sich entschieden, ich habe mich entschieden.“ Und er ergänzte: „Es gibt einen Mann, der in seinem Herzen weiß, dass es an der Zeit ist, ein geeintes Amerika zu schaffen - und dieser Mann ist Barack Obama.“

Edwards, der frühere Senator von North Carolina, war Ende Januar aus dem Vorwahlkampf ausgestiegen und hatte seitdem offengelassen, ob er Obama oder dessen Rivalin Clinton unterstützen werde. Sein Schritt gilt als entscheidende Entwicklung für den Wahlkampf Obamas. Die Zeitung „Washington Post“ sprach am Donnerstag von einem „starken Signal“. Edwards habe sich bei seiner Kandidatur genau an die Wähler gerichtet, die Obama nun zu umwerben versuche, schrieb die „New York Times“. Edwards, der 2004 an der Seite John Kerrys als Vizepräsidentschaftskandidat angetreten war, hat sich dem Kampf gegen die Armut verschrieben und gilt vor allem unter weißen Arbeitern als beliebt. Genau diese Wählergruppe steht Obama bislang skeptisch gegenüber.

Clintons Lager zeigte sich dennoch kämpferisch: Die Wahl in West Virginia vom Dienstag habe gezeigt, „dass diese Sache bei weitem noch nicht vorbei ist“, sagte Wahlkampfmanager Terry McAuliffe. In dem Staat der Kohlebergwerke hatte die Senatorin aus New York deutlich gewonnen. In einem Fernsehinterview an die Adresse ihrer Unterstützer hatte Clinton am Mittwoch aber auch erklärt, es wäre „ein schwerer Fehler“ für den republikanischen Kandidaten John McCain zu stimmen, sollte sie nicht mehr im Rennen sein.

Edwards betonte in Michigan, die Partei müsse nun geschlossen sein, um bei der Wahl am 4. November McCain zu schlagen. Obama sei der Mann, der die Mauern in der amerikanischen Gesellschaft sowie zwischen den Menschen und der politischen Führung in Washington einreißen könne. Edwards fand in seiner Rede auch anerkennende Wort für Clinton. „Die Frau ist aus Stahl“, sagte er. Sie habe im Vorwahlkampf „Stärke und Charakter“ bewiesen. „Es ist schwer, dort hinauszugehen, zu kämpfen und zu sprechen, wenn sich die Dinge gegen einen wenden.“ Obama dankte Edwards für die Unterstützung und „für alles, was John bereits getan hat, um ein geeintes Amerika zu schaffen“.

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