0 Bewertungen
08.05.2008 
US-Vorwahlkampf

Und nun gegen McCain

von Markus Ziener

Barack Obama wird sehr wahrscheinlich von den US-Demokraten ins Rennen um die Präsidentschaft geschickt, auch wenn Hillary Clinton am Mittwoch bekräftigte, sie halte ihre Kandidatur aufrecht. Der harte Vorwahlkampf hat Obama zusätzliches Profil verliehen. Damit dürfte er gute Chancen gegen die Republikaner haben. Nur eine Frage könnte ihm noch zum Verhängnis werden.

Barack Obama liegt im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidaur der Demokraten klar vorne. Nun werden die Kräfte gegen Republikaner McCain gesammelt. Foto: dpaLupe

Barack Obama liegt im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidaur der Demokraten klar vorne. Nun werden die Kräfte gegen Republikaner McCain gesammelt. Foto: dpa

WASHINGTON. Es war zwei Tage nach der Niederlage in Pennsylvania als Barack Obama in seinem Haus in Chicago seine Frau und seine engsten Mitarbeiter um sich versammelte. Zwei Stunden lang beriet die Runde an diesem 24. April, was nun zu tun sei, wie die nächsten Wahlen wieder gewonnen werden könnten. Am Ende setzte sich Obamas Linie durch: Schluss mit dem Negativstil, Schluss mit den Sticheleien gegen seine Gegnerin Hillary Clinton, zurück zu jenen Botschaften, mit denen er so viele Wahlen gewonnen hatte, zurück zu Hoffnung und Wandel.

So beschreibt die „Washington Post“ die jüngste Metamorphose der Obama-Kampagne. Und tatsächlich waren von Obama danach kaum noch jene Schmähungen an die Adresse von Clinton zu hören, auf die er sich zuletzt immer wieder mal eingelassen hatte – die ihm in Pennsylvania jedoch nicht nutzten. Was Obama dagegen stets glaubte: Eine Beteiligung an der politischen Schlammschlacht entfremdet ihn von seinen Anhängern und von sich selbst. Also sprach Obama in den vergangenen zwei Wochen kaum noch über Clinton, sondern wieder – authentisch – über seine Themen.


ArtikelInteraktive Grafik mit allen Einzelergebnissen, den Positionen und Biographien der Kandidaten

Und er ging Provokationen aus dem Weg. Etwa, als Hillary Clinton bei dem wohl größten Polemiker im US-Fernsehen, Bill O'Reilly auf Fox News, ziemlich schnippisch erklärte, sie wäre nicht in der Kirche des irrlichternden Reverend Wright geblieben. Jeremiah Wright, Obamas Pastor aus Chicago, hatte da gerade einen größeren politischen Gau verursacht und den Senator aus Illinois mit Kommentaren über Terror, El Kaida und Aids in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Der Schaden war schon so groß genug, Hillarys Einlassungen hätte es nicht noch extra bedurft. Doch Obama keilte nicht zurück, sondern tourte mehr denn je durch North Carolina und Indiana.

Der Erfolg vom Dienstag, vor allem der ausgebaute Vorsprung bei den Delegierten werden deshalb in der Obama-Kampagne viel höher eingeschätzt, als es die reinen Zahlen ausdrücken. Denn mit dem Sieg in North Carolina und der nur hauchdünnen Niederlage in Indiana ist es dem 46-jährigen Senator geglückt, sich aus dem größten Tief seiner bisherigen Kandidatur zu befreien. Der Skandal um Jeremiah Wright hatte das Potenzial, den Obama-Express zum Weißen Haus völlig aus der Spur zu werfen. Denn am Beispiel von Wright türmten sich auf einmal jene Überlegungen auf, die in den USA schon so manchen Kandidaten zu Fall gebracht haben: die Frage nach dem Charakter. Wer ist dieser Obama eigentlich, der es 20 Jahre mit einem wie Wright ausgehalten hat, spekulierten die Medien – und die Wähler. Fragen, die wie purer Sprengstoff wirken können.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Ende der Dauerfehde

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Kandidat der Demokraten

Barack Obama: der neue Star  Artikel in Merkliste

06.06.2008Barack Obama Foto: Archiv

Barack Obama (46) ist nach John F. Kennedy der jüngste Anwärter aufs Weiße Haus. Noch vor kurzem galt der politische Newcomer vielen als Modeerscheinung. Die „Obamania“, die Begeisterung vor allem unter jungen Amerikanern für ihn, war jedoch von Dauer. Von Obama erhofft sich die Nation Weihe, Waschung und Wunder. Artikel


Kandidat der Republikaner

John McCain: der Veteran  Artikel in Merkliste

06.06.2008John McCain Foto: Reuters

Abgehärtet durch seine Lebenserfahrung präsentiert sich McCain als einer, der sich in seinem Urteilsvermögen nicht beirren lässt. Sein Trumpf im Duell mit Obama ist die große Erfahrung in der Außen- und Sicherheitspolitik. Doch nicht allen Republikanern ist er der liebste Kandidat. Artikel


Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Obama sucht den Vize

    Obama sucht den Vize

    In einem harten Vorwahlkampf hat sich Barack Obama durchgesetzt. Noch in dieser Woche will er nun entscheiden, wer im Falle eines Wahlsiegs als Vizepräsident mit ihm ins Weiße Haus einziehen soll. Die Liste der möglichen Mitstreiter ist lang.Bildergalerie 

  • Was Hillary von Verlierer...

    Was Hillary von Verlierern lernen kann

    Hillary Clinton hat den Vorwahlkampf der Demokraten verloren und sich voll hinter Barack Obama gestellt. Aber eine Wahlkampfniederlage muss nicht gleich das politische Ende bedeuten. So mancher gescheiterter Kandidat überraschte mit einem Comeback. Bildergalerie 

  • Barack Obama – Kindheit u...

    Barack Obama – Kindheit und Karriere

    Barack Obama ist für viele Amerikaner ein Hoffnungsträger, der nach den Bush-Jahren neuen Schwung nach Washington bringen könnte. Der Harvard-Absolvent, der einen ungewöhnlichen Lebensweg hinter sich hat, wäre der erste schwarze US-Präsident. Bildergalerie