PolitikOrdnungspolitischer Einspruch
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Freitag, 11. Januar 2008, 10:45 Uhr
Ordnungspolitischer Einspruch

Die Gefährdung der Freiheit

Von Michael Hüther

Der Konsens unter den Prognostikern ist eindeutig: 2008 wird die konjunkturelle Dynamik geringer sein als noch im vergangenen Jahr. Doch ob dies der Anfang vom Ende des Aufschwungs oder nur eine vorübergehende Dämpfung ist, bleibt bislang offen. In solchen Zeiten konjunktureller Unsicherheit brauchen wir eine zuverlässige Wirtschaftspolitik.



Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.
Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln.

Kaum hat das Jahr 2008 begonnen, da weisen uns Ölpreis und Börsenkurse auf einen fundamental neuen Umstand hin: Erstmals seit drei Jahren sind wir nicht mehr in der komfortablen Position, mit relativer Sicherheit eine weitere Besserung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Aussicht stellen zu können. Der Konsens unter den Prognostikern ist eindeutig: 2008 wird die konjunkturelle Dynamik spürbar geringer sein als im gerade zu Ende gegangenen Jahr. Doch die viel spannendere Frage, ob dies der Anfang vom Ende des Aufschwungs oder nur eine vorübergehende Dämpfung ist, bleibt bislang offen.

Zu den normalen Unwägbarkeiten jeder Konjunkturprognose kommen besondere Belastungen hinzu. So sind viele Einträge in der Liste der Risikofaktoren – wie steigende Öl- und Rohstoffpreise – zwar keineswegs überraschend. Doch gerade bei den bekannten Themen hat sich erwiesen, dass die empirisch ermittelten Wirkungszusammenhänge keine Aussagekraft mehr haben. Andere Einträge in dieser Liste – wie die Kreditmarktkrise – sind hingegen von so grundlegend neuer Qualität, dass ihre Wirkung weder theorie- noch erfahrungsgeleitet einigermaßen verlässlich bestimmt werden kann.

Insofern ist die Ungewissheit groß. In einem solchen Umfeld suchen vor allem die Investoren, deren Entscheidungen weit in die Zukunft reichen und entsprechend Kapital binden, nach Halt. Kompensatorische Gewissheiten sind indes nicht leicht zu finden. Das Hoffen auf eine fortgesetzt stabile Dynamik der Weltwirtschaft, die in den vergangenen vier Jahren um jahresdurchschnittlich rund fünf Prozent gewachsen ist, mag zwar vor dem Hintergrund der weiter fortschreitenden internationalen Arbeits- und Wissensteilung nicht unrealistisch sein. Doch angesichts der Abschwächung in den Vereinigten Staaten und andernorts wäre es leichtfertig, allein darauf zu setzen.

Diese Risiken muss die Wirtschaftspolitik in ihrer Wirkung auf die privaten Akteure kompensieren. Dabei ist im globalen Standortwettbewerb unserer Tage nicht etwa eine staatliche Finanzpolitik gefordert, die mit kreditfinanziert erhöhten Ausgaben agiert.

Höhere Staatsausgaben können die beschriebene Ungewissheit nicht neutralisieren. Wegen der Offenheit unserer Volkswirtschaft würden sie in ihrer Wirkung schlicht verpuffen und einzig mit höheren Haushaltsdefiziten der Nachwelt den Aktionismus der Politik dokumentieren. Es war der große Irrtum der Keynesianer, dass der Staat auf diesem Weg die Rentabilität des Kapitalstocks sichern könnte.

Gefordert ist hingegen eine Politik, die an den Grundüberzeugungen der marktwirtschaftlichen Ordnung keine Zweifel aufkommen lässt: an der Verpflichtung zu – national wie international – offenen Märkten, zu Privateigentum und Vertragsfreiheit, zum Prinzip der Haftung sowie zur Konstanz der Wirtschaftspolitik.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der schleichende Trend zur Staatswirtschaft


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Kampf gegen die Abstiegsangst (11.04. 11:14)
Artikel Karl Schiller lässt grüßen (16.11. 10:24)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

US-WAHL 2008
ArtikelMcCain liegt in Umfrage hinten
ArtikelUmfrage lässt Demokraten hoffen
ArtikelSuperdelegierte: Obama holt Clinton fast ein
ArtikelHamas-Diskussion: Obama-Berater zieht sich zurück
ArtikelFernsehprediger bringt McCain in Bedrängnis
ArtikelNeue Unterstützung für Obama
WEIMERS WOCHE


Der Rechtsruck


Erst gewannen die Konservativen in Frankreich, dann in Italien, jetzt in England. Und wenn die Umfragen nicht trügen, dann dürfte zu aller Überraschung sogar der Republikaner Mc Cain in den USA neuer Präsident werden und nicht die medialen Stars der Linken, Clinton und Obama. Es gibt in der westlichen Welt zwar einen gefühlten Linksschwenk, in Wirklichkeit aber Wahl für Wahl einen politischen Rechtsruck.

Von Wolfram Weimer

ORDNUNGSPOLITISCHER EINSPRUCH


Kampf gegen die Abstiegsangst


Man kann es gar nicht oft genug betonen: Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist bemerkenswert. War der letzte Boom in den Jahren 1999 und 2000 vom Anstieg geringfügiger Beschäftigung dominiert, so ist der laufende durch einen Zuwachs von Vollzeitbeschäftigung charakterisiert. Deutschlands Gerechtigkeitsfieber könnte den Aufschwung allerdings wieder beenden.

Von Michael Hüther

DAS POLITISCHE FEATURE


Die etwas andere Versöhnung


Auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin ist ein Fußballplatz angedeutet. Theo Zwanziger und Frank-Walter Steinmeier sitzen irgendwo hinter der Eckfahne im Seitenaus. Denn der DFB-Präsident und der Außenminister sind an diesem Abend nur Randfiguren.

Andreas Rinke

BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Putins Kreml AG
Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Macht offiziell an seinen Wunschnachfolger Medwedjew übergeben. Seit 2000 war es das Ziel Putins, alle Macht auf den Kreml zu konzentrieren – und er hat es konsequent verfolgt: Putin steuert den Branchenriesen Gazprom, lehrt die Oligarchen das Fürchten, lässt eine Opposition nicht zu. Der Aufstieg des Ex-Geheimdienstlers in Bildern.
Bildergalerie  Der unbeliebte Präsident bling-bling
Als Nicolas Sarkozy am 6. Mai 2007 zum französischen Präsidenten gewählt wird, bejubelt das Volk sein neues Staatsoberhaupt. Heute, ein Jahr später, ist die Euphorie verfolgen. Die Franzosen sind genervt vom Zappelphilipp im Élysée und seinen privaten Eskapaden. Und auch die wirtschaftliche Bilanz spricht Bände. Ein Jahr „Supersarko“ in Bildern.
Bildergalerie  Der Olympischer Spießrutenlauf der Fackel in Bildern
Der Fackellauf des Olympischen Feuers für Peking wird immer wieder gestört. Nach London musste der Lauf auch in Paris wegen pro-tibetischer Proteste unterbrochen werden. Die Flamme erlosch gar. Auch in San Francisco kommt es zu spektakulären Protesten. Eine Fotostrecke.
Bildergalerie  Schwarz-Grün: Ausnahme oder Modell?
Nach zwölf Verhandlungsrunden steht in Hamburg die erste schwarz-grüne Landesregierung. Doch ob das auch ein Modell für die Bundesebene ist, darüber gehen die Meinungen – auch in den Parteien selbst – auseinander. Eine Bilderstrecke über die heftigsten Konflikte zwischen Union und Grünen.
UMFRAGE

Hillary Clinton kann Barack Obama de facto nicht mehr einholen. Sollte sie jetzt aus dem Wahlkampf aussteigen?

Ja

Nein

 
 Umfrageergebnis
 Umfragearchiv

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Präsident bling-bling

Warum die Franzosen bereits nach einem Jahr von Nicolas Sarkozy genervt sind.
EU-Quiz

Wissen Sie, was sich durch den Reformvertrag verändert?
Aktien mit Potenzial

Klick für Klick: Welche Dax-Werte das größte Kurspotenzial haben. Jeden Freitag neu!
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick