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HANDELSBLATT, Donnerstag, 24. April 2008, 16:00 Uhr
Weimers Woche

Merkels Stuhlbeinsäger


Es gärt in der CDU. Während noch alle Welt über die Selbstzerfleischung der SPD räsoniert, braut sich auch in der anderen Volkspartei etwas zusammen. Denn hinter einer glänzenden Kanzlerin brechen plötzlich Machtrivalitäten und Richtungskämpfe auf. Christian Wulf und Jürgen Rüttgers sind die Schlüsselfiguren neuer Kabale.


Angela Merkel ist noch beliebt, sehr beliebt sogar, fast avanciert sie zur knutigen Eisbärin der Weltpolitik. Sie drollt sich im Zoo der Weltpolitik, und alles raunt und staunt über ihre sympathische Sonderrolle. Man legt ihr schier die Welt zu Füßen: G-8, Europa, Weltwirtschaft – alles roter Teppich.

Dazu verwöhnt ein, abklingender zwar, aber immerhin ein Aufschwung Deutschland, jeden Tag entstehen 1000 neue Arbeitsplätze, die Staatskasse klingelt. Selbst das Klimaspektakel spielt ihr in die grüngeübten Hände. Zwei Drittel der Deutschen finden Merkel großartig. Zwei Drittel der Europäer auch. Es verneigen sich selbst chronisch links-nörgelnde Medien von Helsinki bis Lissabon.

Bis vor kurzem galt: Kein Wölkchen innerparteilichen Widerstands, kein Donner koalitionärer Gewitter, nicht einmal die Windböe eines Skandälchens trübt den eitlen Kanzlerinnensonnenschein. Angela Merkel lebt in diesem Frühjahr in der besten aller Politikerwelten.

Wäre da nicht die Zahl 37. Denn trotz der Fortüne kommt Angela Merkels Partei in den Sonntagsumfragen einfach nicht über diese für die CDU/CSU jämmerliche Marke hinaus. Wie ein gläserner Deckel liegt diese 37 auf den Perspektiven unserer Wunder-Kanzlerin. 37 Prozent – das wäre für Helmut Kohl eine Schmach gewesen.

So wenig hatte ja selbst Edmund Stoiber weiland gegen Flut-Supermann-und-Anti-Bush-Pazifist-Schröder erreicht. 37 Prozent ist ein Fanal und ein Rätsel zugleich. Noch mokiert sich alle Welt über Beck, den 25-Prozent-Kurti von der SPD. Dabei sind die 37 Prozent für Merkel viel interessanter und brisanter. Denn das 37-Prozent-Syndrom verrät uns dreierlei.

Erstens sind unsere betagten Volksparteien selbst unter günstigsten Umständen kaum noch mehr als Drittel-Formationen im Land. Die Machtarchitektur der alten Bundesrepublik bekommt in der Ära Merkel offenbar tiefe Risse im Fundament. Die beiden politischen Kraftzentren Union und SPD können die Zentrifugalkräfte der Republik nicht mehr halten. Die politische Macht fragmentiert, und damit schwindet ein gutes Stück der republikanischen Stabilität Deutschlands.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum Merkel das konservative Herz der Union kränkt


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