Wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Die Forscher kommen zu dem Schluss: Bei Analysten, die mit ihren Prognosen eine Zeit lang besonders gut liegen, schleicht sich nach und nach ein Genieverdacht gegen sich selbst ein. Dieser führt dazu, dass sie öffentlich zugängliche Informationen nicht mehr ausreichend würdigen und sich zu sehr auf die eigene Intuition verlassen. Ihre Prognosen weichen stärker von denen anderer Marktbeobachter ab und werden anfälliger für Fehler.
Psychologen sprechen bei diesem Phänomen von übermäßigem Selbstvertrauen. In Laborexperimenten haben Verhaltensforscher diesen Effekt immer wieder nachgewiesen. Unser Hang zur Selbstüberschätzung schlägt vor allem bei schwierigen Aufgaben zu – und gerade dann, wenn wir dabei eine Zeit lang besonderes erfolgreich sind. Bei komplexen Tätigkeiten haben wir offenbar ernsthafte Probleme, die relevanten Informationen zu erfassen, diese rational zu analysieren und ein nüchternes Urteil zu fällen. Exklusive Informationen werden höher bewertet als solche, die allgemein zugänglich sind, auch wenn letztere nüchtern betrachtet verlässlicher sind.
Finanzmarkt-Analysten machen nach Einschätzung von Hilary und Menzly folgenden Fehler: Wenn sie eine Zeit lang besonders gut liegen, berücksichtigen sie zu wenig, dass dies schlicht Zufall sein kann. Sie schreiben ihren Erfolg zu sehr ihren Fachkenntnissen zu und werden übermütig.
Ähnliche Mechanismen haben Forscher schon in den 60er und 70er Jahre bei Lehrern nachgewiesen. Studien zeigten damals: Pädagogen neigen dazu, gute Leistungen von Schülern als ihren Verdienst zu betrachten – für schlechte Leistungen von Schülern machen sie dagegen eher externe Faktoren wie mangelnde Motivation verantwortlich.
Für Investoren folgt aus all dem: Sie sollten Ranglisten von Finanzmarkt-Analysten mit gehöriger Vorsicht nutzen und interpretieren. „Für die Finanzmärkte hat unsere Studie kontra-intuitive Implikationen“, schreiben die Autoren. Bei zwei Analysten mit den gleichen Fähigkeiten und der gleichen Erfahrung sollte sich ein Anleger besser auf die Empfehlung desjenigen verlassen, der in der Vergangenheit schlechtere Prognosen abgeliefert hat. „Die Vorhersagen von Analysten, die gerade eine Erfolgssträhne erlebt haben, sollte man mit Vorsicht genießen.“
