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HANDELSBLATT, Montag, 12. Mai 2008, 09:00 Uhr
Kritik von vielen Seiten

Neues System, altes Leid


Die Abgeltungsteuer sollte alles einfacher machen. Die Realität sieht anders aus. Von vielen Seiten hagelt es Kritik. Anleger machen sich unterdessen auf die Suche nach steueroptimierten Produkten – ein bekanntes Spiel, das nicht immer den gewünschten Erfolg bringt.


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Die Kritik an der Abgeltungsteuer verstummt nicht. Foto: dpa
Bild vergrößernDie Kritik an der Abgeltungsteuer verstummt nicht. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Die Idee überzeugt: Ab 2009 sollen in Deutschland alle Kapitalerträge gleich behandelt werden. Der unterschiedlichen Besteuerung verschiedener Anlageformen, die Anleger verwirrt und sie verleitet, Investitionsentscheidungen vor allem aufgrund von Steueraspekten zu fällen, soll endlich ein Ende gesetzt werden. Ab dem kommenden Jahr reklamiert der Fiskus von sämtlichen Erträgen 25 Prozent (zuzüglich Solidaritätszuschlag und bei Kirchenmitgliedern Kirchensteuer) für sich. Weil die Abgeltungsteuer zudem direkt von der Bank überwiesen wird, soll der Aufwand für Anleger deutlich sinken.

So weit die Idee, die auch in der Finanzindustrie einhellig Anklang fand. Acht Monate vor dem Start der Steuer ist die Stimmung aber umgeschlagen. Banken stöhnen über den hohen Aufwand, den sie betreiben müssen, um die Abgeltungsteuer künftig für den Anleger abführen zu können. Bei den Fondsanbietern herrscht Unmut, dass langfristige Erträge nicht von der Steuer befreit oder zumindest mit einem geringeren Satz belegt werden. Auch die Emittenten von Anlagezertifikaten stöhnen, weil ihre Produkte durch einen eingeschränkten Bestandsschutz bis 2009 vorübergehend benachteiligt werden. Für das Lager der Aktionäre schließlich beklagt der Präsident des Deutschen Aktien Instituts (DAI), Max-Dietrich Kley, dass die Abgeltungsteuer den Eindruck erwecke, dass "die Regierung bewusst das Ziel verfolgt, die Aktie zu benachteiligen".


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Kritik an der Abgeltungsteuer kommt aber nicht nur von der Finanzlobby. Auch unabhängige Experten sehen in der Umsetzung der Steuerreform Defizite: "Der große Wurf ist es sicher nicht", sagt Bert Kimpel, Rechtsanwalt und Steuerberater bei der internationalen Kanzlei TaylorWessing in Düsseldorf. "Das Gesetz verfolgt den Leitgedanken, alle Kapitalanlagen gleich zu erfassen. Die Tarifabsenkung für Zinsen wird dabei erkauft durch eine Besteuerung der Aktienkursgewinne. Die nach wie vor unterschiedliche Behandlung einzelner Anlageformen ist aber kritikwürdig."

Als Folge dieser Ungleichbehandlung drehen sich die Debatten um die Abgeltungsteuer zurzeit vor allem darum, welche Anlageprodukte von der Reform profitieren und welche leiden werden. Laut einer Studie der Managementberatung MC4MS unter 275 Bank- und unabhängigen Beratern werden 2008 vor allem Investmentfonds gefragt sein, weil sich Anleger mit ihnen langfristige Steuerfreiheit sichern können. Ab 2009 werde sich das Interesse dann stark in Richtung fondsgebundener Rentenversicherungen und ausländischer Versicherungsmäntel verschieben, die von der Abgeltungsteuer nicht erfasst werden.



Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kapitalanlagen in Deutschland werden künftig teurer


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