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HANDELSBLATT, Dienstag, 29. April 2008, 17:24 Uhr
Telekom-Prozess

Mut zur Erinnerungslücke

Von Jörg Hackhausen, Sandra Louven und Christian Panster

Kai-Uwe Ricke zieht die Stirn in Falten. Er schaut nach oben, als würde er dort einen imaginären Punkt anvisieren. Er hält kurz inne, sagt dann: „Kann ich den Satz noch mal hören, nur zur Sicherheit.“ Peinlich genau achtet der ehemalige Telekom-Chef darauf, dass der Richter seine Zeugenaussage richtig zu Protokoll gibt.


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Hochkonzentriert im Zeugenstand: Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. Foto: dpa
Bild vergrößernHochkonzentriert im Zeugenstand: Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. Foto: dpa

FRANKFURT. Nicht selten geht es vor Gericht zu wie im Boxring. Es wird geschlagen, geschubst, geklammert, aber auch taktiert und getäuscht. Auf die Präzision kommt es an. Vor der ersten Verhandlungspause im Prozess der rund 16 000 Kläger gegen die Deutsche Telekom liegt der Bonner Konzern nach Punkten vorn.

Nachdem der Vorsitzende Richter Christian Dittrich bereits zu Beginn des Prozesses den Vorwurf der Kläger, die Telekom habe im Prospekt zum dritten Börsengang im Juni 2000 ihr Immobilienvermögen falsch angegeben, abgebügelt hat, droht auch der zweite wichtige Vorwurf wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Dabei geht es um die Frage, ob die Telekom ihren Aktionären im Börsenprospekt die Verhandlungen über einen Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream bewusst verschwiegen hat. Knapp 40 Milliarden Euro ließ sich die Telekom den Deal kosten; am 23. Juli 2000 gab der Aufsichtsrat sein Okay.

Keiner der Zeugen hat bislang den Vorwurf der Kläger bestätigt. Weder Ex-Mister-Telekom Ron Sommer noch Finanzchef Karl-Gerhard Eick oder der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dietrich Winkhaus. Sie alle vermittelten den Eindruck, dass der Milliarden-Deal sehr kurzfristig, im Juli 2000, über die Bühne ging und deshalb nicht im Börsenprospekt vom Juni erwähnt werden musste. Unterschiede gibt es nur bei der Größe der Erinnerungslücken.

Auch Kai-Uwe Ricke hilft den Klägern nicht weiter. Der Frage, wann denn entschieden worden sei, Voicestream zu übernehmen, weicht er aus. Mit der Gestaltung von detaillierten Angeboten von potenziellen Übernahmen habe er nichts zu tun gehabt. Dafür sei sein Kollege Jeffrey Hedberg zuständig gewesen. „Meine Aufgabe war allein das operative Geschäft“, sagt Ricke.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele Korrekturen


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