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15.11.2007 
Ablösung gefordert

Phoenix-Investor zeigt Insolvenzverwalter an

Im Betrugsfall um die Anlagegesellschaft Phoenix wächst der Druck auf den Insolvenzverwalter Frank Schmitt: Jetzt fordert auch einer der größten Investoren seine Ablösung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und erstattete Strafanzeige. Der Vorwurf: Untreue und versuchter Betrug.

Rund 30 000 Anleger warten auf ihr Geld aus der Phoenix-Insolvenz. Der Optionshändler hatte sie per Schneeballsystem betrogen. Foto: dpaLupe

Rund 30 000 Anleger warten auf ihr Geld aus der Phoenix-Insolvenz. Der Optionshändler hatte sie per Schneeballsystem betrogen. Foto: dpa

sos FRANKFURT. In einem Schreiben an die BaFin, das dem Handelsblatt vorliegt, heißt es: "Es ist festzustellen, dass der Insolvenzverwalter keine Gewähr für die ordnungsgemäße Abwicklung bietet." Deshalb sei er zu entlassen oder ihm ein weiterer Verwalter beizuordnen. Die BaFin bestätigte den Eingang der Beschwerde. Man müsse jetzt prüfen, so eine Sprecherin. Bereits Anfang November hatten zwanzig Finanzdienstleister Schmitt wegen Untreue und Betrugs angezeigt. Der hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Kern der Auseinandersetzung: Gab es bei Phoenix Treuhandkonten? Solche Gelder dürften nicht der Insolvenzmasse zugerechnet werden, sondern müssten komplett zurückgezahlt werden. Doch laut Insolvenzverwalter Frank Schmitt sind bei Phoenix "sämtliche Gelder vermischt worden." Eine Zuordnung zu Treuhandkonten sei gar nicht möglich. Deshalb sei alles in die Insolvenzmasse geflossen.

Dagegen hatte einer der größten Investoren, der Hedge-Fonds-Treuhänder Citco Global Custody geklagt, Recht bekommen und den Insolvenzplan gekippt. Jetzt müssen die Gerichte entscheiden, ob es sich bei den strittigen 160 Mill. Euro um Treuhandgelder handelt und wie diese zu verteilen sind. Bis dahin müssen die Anleger warten. "Die BaFin einzuschalten, ist für mich nicht nachvollziehbar", sagt Schmitt zu der Beschwerde. Mit Strafanzeigen bei großen Insolvenzverfahren sei dagegen immer zu rechnen. "Das beunruhigt mich nicht. Ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Phoenix gilt als größter Fall von Kapitalanlagebetrug in der Nachkriegsgeschichte. 30 000 Anleger hatten dem Optionshändler mehr als 600 Mill. Euro anvertraut. Statt zweistelliger Renditen produzierte Phoenix Verluste und führte Scheingeschäfte aus. Im März 2005 meldete die Gesellschaft Insolvenz an. Jetzt warten die Anleger auf ihr Geld. Ursprünglich sollten sie 200 Mill. Euro aus der Insolvenzmasse bekommen, die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) sollte weitere 180 Mill. Euro zahlen, hat aber nur fünf Millionen Euro in der Kasse.

Deshalb sollen die Mitgliedsunternehmen nachzahlen. Viele weigern sich und klagen. Geld könnten die Anleger dennoch vielleicht schon im März sehen: Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Finanzausschusses erfuhr, soll die EdW prüfen, wie viel Geld sie vorab an die Phoenix-Opfer ausschütten kann - auch ohne Insolvenzplan. Dafür bräuchte sie nach Schätzungen aus Behördenkreisen rund 30 Mill. Euro, die die Mitgliedsunternehmen schon jetzt zahlen müssten.

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