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03.01.2008 
Vier Fragen an: Klaus Nieding

„Die derzeitigen Gesetze sind Papiertiger“

von Sonia Shinde

"Jeder, der ein Auto kauft, liest mindestens drei Testberichte; nur beim Geldanlegen lassen sich viele selbst am Telefon von den windigsten Argumenten blenden oder glauben an den Weihnachtsmann, wenn nur die Rendite groß genug ist..." Rechtsanwalt Klaus Nieding spricht im Handelsblatt-Interview über den Schutz vor Kapitalbetrügern.

Handelsblatt: Wird in Deutschland genug getan, um Kapitalanleger vor Betrügern zu schützen?

Klaus Nieding: Nein. Die derzeitigen Gesetze sind Papiertiger, die Strafverfolger sind zu schlecht ausgestattet, Schwerpunktstaatsanwaltschaften, wie es sie ja längst bei Korruption zum Beispiel gibt, scheitern am Widerstand der Bundesländer. Und so verlieren Anleger jedes Jahr zwischen 20 und 30 Mrd. Euro auf dem unbeaufsichtigten Grauen Kapitalmarkt.

Aber es werben doch viele Betrüger auf dem Grauen Kapitalmarkt, dass sie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zertifiziert sind ?

Das ist ja das Infame. Die BaFin prüft Prospekte nur auf Vollständigkeit und nicht, ob es dort etwa Anzeichen für einen Betrug gibt oder dort gemachte Versprechungen völlig hanebüchen sind.

Haben Anleger überhaupt keine Chance, sich zu schützen?

Doch, aber sie müssen es selber tun. Jeder, der ein Auto kauft, liest mindestens drei Testberichte; nur beim Geldanlegen lassen sich viele selbst am Telefon von den windigsten Argumenten blenden oder glauben an den Weihnachtsmann, wenn nur die Rendite groß genug ist oder der Prospekt glänzend genug.

Wann wird es denn windig?

Unseriöse Anbieter überfallen Anleger meist am Telefon mit verbotenen Überraschungsanrufen, sogenannten "cold calls", und versuchen Wertpapiere oder Beteiligungen zu verkaufen. Misstrauen ist auch geboten bei Firmensitzen in Offshore-Gebieten wie der Karibik oder Zypern. Unternehmen, die als britische plc. oder Ltd. registriert sind, lassen sich von Deutschland aus nur schwer verklagen.

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