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HANDELSBLATT, Mittwoch, 7. Mai 2008, 15:05 Uhr
Eishockey DEL

Keine Fördergelder mehr an DEB wegen "Fall Busch"

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) wird ab sofort keine Fördergelder mehr vom Bundesinnenministerium erhalten. Mittel in Höhe von 325 000 Euro wurde dem DEB gesperrt. Das gab Sportstaatssekretär Christoph Bergner am Mittwoch im Bundestags-Sportausschuss bekannt.

Darüberhinaus muss sich der Verband als Folge der verweigerten Dopingprobe des Berliner Nationalspielers und deren nachsichtiger Sanktionierung auf Rückforderungen von öffentlichen Mitteln in Höhe von 125 000 Euro einstellen. Das BMI hat bereits am 18. April beim zuständigen Bundesverwaltungsamt einen entsprechenden Antrag zur Prüfung gestellt.

DEB wird jährlich mit 600 000 Euro gefördert

"Wir versuchen aus dem Fall die notwendigen Konsequenzen zu ziehen", sagte Bergner. Der DEB wird jährlich mit 600 000 Euro gefördert. Davon fließen 150 000 Euro ins Bundesleistungszentrum Füssen, die vom Fördermittel-Stopp ausgenommen sind.

Der Verband war im Sportausschuss nicht selbst vertreten. Das DEB-Präsidium hatte sich kurzfristig entschieden, keines seiner Mitglieder aus Halifax von der derzeit in Kanada laufenden WM zur Sportausschuss-Sitzung einfliegen zu lassen.

Das sei mit Michael Vesper, dem Geschäftsführer des Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb) so abgesprochen gewesen, erklärte DEB-Vizepräsident Uwe Harnos: "Wir haben angeboten hinzufliegen. Das hätte den gemeinnützigen Verband DEB 6 000 Euro gekostet. Herr Vesper hat gesagt, es sei in Ordnung, wenn wir nicht kommen." Außerdem, so Harnos, sei der DEB zu der Sitzung nicht eingeladen gewesen.

Den Stopp der Fördergelder will der Verband nicht akzeptieren. "Sobald wir den Bescheid mit der Begründung bekommen haben, werden wir uns juristisch damit auseinandersetzen", kündigte Harnos an: "Wir werden das nicht hinnehmen, weil wir es nicht für gerechtfertigt halten."

Busch muss seit dem Antrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) an den Weltverband Iihf zur Suspendierung um seinen weiteren Einsatz bei der WM bangen. Die Entscheidung über eine Sperre wollte die Iihf am Mittwochmittag (18.00 Uhr Mesz) in Halifax bekanntgeben, vor dem abschließenden Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Norwegen.

Busch hatte am 6. März eine unangemeldete Dopingkontrolle zunächst verweigert und fünf Stunden später nachgeholt. Die Probe war negativ. Der DEB hatte daraufhin eine öffentliche Verwarnung ausgesprochen und eine Geldstrafe in Höhe von 5 000 Euro sowie 56 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängt. Gemäß dem Nada-Code wäre eine Zweijahres-Sperre auszusprechen gewesen.

Der DEB kritisierte die Vorgehensweise der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) am Dienstag scharf. "Die Nada hat falsche Informationen weitergegeben", sagte Harnos und bezog sich damit auf die Aussage der Wada, der DEB habe die Kommunikation abgebrochen. Alle relevanten Informationen seien der Nada mitgeteilt worden. "Es wird ganz offensichtlich ausgenutzt, dass wir jetzt weit weg in Kanada sind", sagte der DEB-Vize weiter.

Wada will gegen das Urteil vorgehen

Die Wada prüft laut Nada-Chef Christoph Niessen derzeit die Möglichkeit, beim Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen das Urteil vorzugehen. Bislang sei weiter nicht klar, ob der DEB den Nada-Code anerkannt hat oder nicht.

Zugleich monierte Niessen vor dem Ausschuss erneut, dass der DEB neun seiner bei der WM im Einsatz befindlichen Nationalspieler teilweise seit zweieinhalb Jahren nicht dem Trainingskontrollsystem unterworfen hat. Die DEB-Argumentation, diese Aktiven seien zum Teil im Ausland tätig, sei inakzeptabel: "Die Nada kontrolliert doch auch Basketballer Dirk Nowitzki in Dallas." Der DEB hatte erklärt, vor jedem Turnier und Länderspiel die aktuelle Kaderliste weitergegeben zu haben. Auch seien alle Spieler zu 100 Prozent kontrolliert worden, am Tag vor dem WM-Auftakt unter anderem auch die NHL-Profis Dennis Seidenberg und Christoph Schubert.

Diese Dopingtests der Nada am 1. Mai sorgen auch für Unstimmigkeiten. Nach Darstellung des DEB seien sie gar nicht erlaubt gewesen, weil 24 Stunden vor einer WM die nationalen Anti-Doping-Agenturen nicht mehr testen dürften. Die Nada widersprach. "Im aktuellen Wada-Code sind keine Zeiten angegeben, wie lange wir noch testen dürfen", meinte Nada-Sprecherin Ulrike Spitz. Erst im neuen Code, der ab 1. Januar 2009 gültig ist, sei eine Zwölf-Stunden-Frist vorgesehen.

© SID


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