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HANDELSBLATT, Dienstag, 1. April 2008, 12:02 Uhr
Atlantik-Flüge

Nur Heathrow sieht bisher Open Skies


Nur Air France und einige US-Fluggesellschaften nutzen das neue Luftfahrtabkommen. British Airways und Lufthansa halten sich vorerst zurück. Kritiker bemängeln, dass Open Skies vor allem den amerikanischen Gesellschaften zu Gute kommt.


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Auch Air France fliegt jetzt von London in die USA. Foto: ap
Bild vergrößernAuch Air France fliegt jetzt von London in die USA. Foto: ap

LONDON. Die "Open-Skies"-Ära des freien Luftverkehrs über dem Atlantik hat begonnen. Außerhalb von London-Heathrow hat sich das allerdings noch nicht in den Flugplänen niedergeschlagen. Auf dem Londoner Flughafen landeten gestern die ersten Maschinen von US-Fluggesellschaften, die hier bisher keine Start- und Landeerlaubnis hatten. Außerdem startete Air France zusammen mit dem US-Partner Delta Air Lines den ersten Flug ab London. Kritiker des "Open Skies" genannten Luftfahrtabkommens zwischen der EU und den USA bemängeln, dass es vor allem den US-Anbietern nutzt.

"Der Kunde wird davon profitieren, dass es mehr Wettbewerb und mehr Flüge und sicherlich auch einige Sonderangebote geben wird", sagte Pierre-Henri Gourgeon, der Vizechef von Air France, gestern auf einer Pressekonferenz in London. Für Air France sei es ein Durchbruch, jetzt auch ab Heathrow fliegen zu können. Der Markt für Transatlantikverbindungen nach London sei nun einmal dreimal so groß wie der nach Paris.

Delta schließe mit Heathrow eine wichtige Lücke, sagte Glen Hauenstein, Leiter des Netzwerk- und Umsatzmanagements bei der US-Fluggesellschaft, auf der gleichen Pressekonferenz. Als größter Anbieter auf dem New Yorker Flughafen JFK sei eine direkte Verbindung nach Heathrow eine enorm wertvolle Ergänzung. Erste Ziele ab Heathrow zusammen mit Air France sind Los Angeles, New York und Atlanta.

Gourgeon wollte keine Angaben dazu machen, wann die neuen Flugverbindungen ab Heathrow profitabel sein sollen. Der erste Flug nach Los Angeles sei bereits zu 74 Prozent gefüllt gewesen, sagte er.

Das Open-Skies-Abkommen zwischen den EU und den USA ersetzt eine Reihe bilateraler Abkommen. Es erlaubt europäischen Fluggesellschaften erstmals, auch von anderen als ihren Heimatländern aus Flüge in die USA anzubieten. Aus Heathrow etwa durften bisher auf Grundlage eines mehr als 30 Jahre alten Vertrags nur British Airways und Virgin Atlantic sowie United Airlines und American Airlines Transatlantikflüge anbieten. Während jedoch US-Fluggesellschaften nun auch innereuropäische Flüge anbieten dürfen, bleibt das europäischen Firmen innerhalb der USA verwehrt.

Im Vorfeld der Marktöffnung am Sonntag zahlten US-Fluggesellschaften enorme Summen für Start- und Landerechte in Heathrow. Freie Kapazitäten gibt es auf Europas passagierreichstem Flughafen so gut wie nicht, so dass die sogenannten Slots zwischen den Airlines gehandelt werden. Continental Airlines gab 209 Mill. Dollar für vier Start- und Lande-Paare aus. Auch Northwest und US Airways nutzen die Marktöffnung für Flüge nach Heathrow.

Zurückhaltender sind die europäischen Fluggesellschaften. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber sagte vor kurzem, er plane keine Flüge ab London und werde auch keinen Langstreckenflieger in Mailand positionieren. British Airways will im Juni eine Tochter für Flüge von kontinentaleuropäischen Drehkreuzen in die USA starten.

Die Europäische Kommission erwartet, dass durch das Luftfahrtabkommen die Passagierzahl im Transatlantikverkehr innerhalb von fünf Jahren um 26 Millionen auf 73 Millionen steigt. Sie rechnet mit Einsparungen von zwölf Mrd. Euro für die Kunden als Folge des härteren Wettbewerbs. Experten fürchten jedoch, dass die stark gestiegenen Treibstoffkosten diese Hoffnungen zunichte machen.

Der Kampf wird sich nach Einschätzung von Experten auf die Geschäftsreisenden konzentrieren, die in der Business-Klasse über den Atlantik fliegen. Sie bringen höhere Gewinne als Touristen. "Das sind schlechte Nachrichten für die Platzhirsche", sagt Delta -Manager Hauenstein. Sie würden steigenden Preisdruck spüren. Nicht umsonst zählte deshalb auch British Airways zu den vehementesten Kritikern des Open-Skies-Abkommens.

Französisch-amerikanische Allianz

Mehr als Code-Sharing Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta und Delta Air Lines haben im Oktober ein Joint-Venture geschlossen, in das sie eine Reihe von Transatlantikverbindungen eingebracht haben. Sie gehen dabei weit über das übliche Code-Sharing in den internationalen Luftfahrt-Allianzen hinaus. Bis 2010 wollen sie das Joint-Venture auf alle ihre Transatlantikflüge erweitern. Die Umsätze wollen sie sich hälftig teilen. Sie haben bei den Kartellbehörden beantragt, auch Flüge der Partner KLM und Northwest Airlines einzubeziehen. Damit entstünde ein Marktführer mit rund 30 Prozent Anteil am Transatlantikverkehr.

Keine Übernahmen Nach dem Open-Skies-Abkommen ist es europäischen Fluggesellschaften nicht erlaubt, eine Mehrheit an einem US-Konkurrenten zu übernehmen. In einer zweiten Verhandlungsrunde, die im Mai beginnt, wird dieses Thema erneut behandelt. Sollten die USA auf dieser Schutzklausel für ihre Airlines bestehen, könnten europäische Regierungen die erste Stufe des Open-Skies-Abkommens wieder rückgängig machen.


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