Mit dem Projekt stehen die Visionäre aus Sachsen-Anhalt allerdings nicht alleine da. Besonders die Amerikaner, allen voran die kalifornische Firma Scaled Composites mit der Raumfluggesellschaft Virgin Galactic und ihrem Vorreitermodell "SpaceShipTwo", geben seit Jahren den Takt beim suborbitalen Weltraumtourismus vor. Bereits im Jahr 2004 stieß das Vorgängerflugzeug "SpaceShipOne" als erstes in ungeahnte Höhen vor - und verschaffte den Amerikanern, so Günzel, vier Jahre Vorsprung.
Auf Augenhöhe sieht sich Günzel allerdings mit der Firma Xcor Aerospace und deren Prototyp "EZ-Rocket". "Spätestens 2009 werden wir den kleinen Rückstand gegenüber Xcor aufgeholt haben", so der Talis-Geschäftsführer. Dass die Amerikaner den Wettbewerb anführen, sei aber nicht nur zu bedauern, denn der Pioniergeist habe positive Effekte für den Markt. In den USA gebe es inzwischen eine erste Richtlinie, die den Bau und Betrieb von touristisch genutzten Raumfahrzeugen in Zukunft regeln soll.
"Noch ist sie nicht in Kraft, aber alle Wettbewerber arbeiten bereits damit", sagt Günzel. So weit sei man hierzulande noch lange nicht. Im dicht besiedelten Europa spielt besonders der Sicherheitsaspekt eine wichtige Rolle, was die Genehmigung problematisch gestalte. Zudem halten sich die Versicherungsunternehmen mit der Einschätzung der Risiken für die kommerzielle Raumfahrt noch zurück, "was dazu führen wird, dass es in den ersten Jahren keine Versicherung geben wird".
Doch Günzel bleibt optimistisch. Denn laut einer Studie der amerikanischen Beratungsfirma Futron wird es im Jahr 2021 einen Markt von 15 000 Weltraumtouristen geben, die dann einen Ticketpreis von rund 50 000 Dollar bezahlen werden. Die könnten nicht alle von Virgin Galactic bedient werden. Zudem könne man über Europa mehr sehen als in den USA, wo man seit dem 11. September nur noch über Wasser oder Wüste fliegen dürfe.
Nicht ganz so rosig sieht Gereon Uerz von der Essener Beratungsfirma Z_Punkt die wirtschaftlichen Aussichten für die kommerzielle Raumfahrt. Er beschäftigt sich mit Zukunftsforschung und berät Firmen bei der Produktentwicklung hinsichtlich der voraussichtlichen Marktchancen. "Kurz- und mittelfristig wird man keinen Erfolg haben. Dafür benötigt das Geschäft zu viel Kapital und Know-how", sagt der Berater. Nicht vor 2030 werde man mit Weltraumtourismus profitabel sein, so Uerz weiter. Man müsse einfach viel mehr Menschen zu viel geringeren Kosten ins Weltall fliegen. Oder um es bildhaft auszudrücken: "Zurzeit befördert man eine Person mit dem Rolls Royce auf einer schlecht ausgebauten Straße, und eigentlich braucht man einen ICE, damit es sich rechnet", sagt Uerz.
Ungefähr 40 Arbeiter, Ingenieure und Wissenschaftler sollen mit Start des Projekts Arbeit finden. Rund 60 bis 80 Mill. Euro will Günzel in das Projekt investieren. Das Geld muss bei privaten Investoren aufgetrieben werden; auch einen Börsengang schließt Günzel nicht aus. Neben dem Tourismusgeschäft will Günzel seine Flugzeuge aber auch für die Wissenschaft nutzbar machen und wenn es sehr gut läuft, die Modelle "Black Sky" und "Enterprise" in Serie gehen lassen und als Privatflugzeuge verkaufen. "Kunden aus dem arabischen Raum sind verrückt genug, sich so etwas anzuschaffen", glaubt der Ingenieur.

