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14.05.2008 
Neues Kohlekraftwerk

Energiebranche will sich vom CO2 trennen

von Klaus Stratmann

Die deutsche Energiebranche blickt nach Brandenburg: Am Kraftwerksstandort „Schwarze Pumpe“ geht in den nächsten Tagen das weltweit erste Kohlekraftwerk mit Kohlendioxidabscheidung in Betrieb. Die Abscheidung des Gases soll die Stromerzeugung auf Kohlebasis aus der Defensive bringen.

Scheitern oft amWiderstand von Bürgerinitiativen: herkömmliche Kohlekraftwerke. Foto: APLupe

Scheitern oft amWiderstand von Bürgerinitiativen: herkömmliche Kohlekraftwerke. Foto: AP

BERLIN. Herkömmliche Kohlekraftwerke scheitern in Deutschland wegen ihrer Kohlendioxidemissionen vielerorts am Widerstand von Bürgerinitiativen oder am Veto von Lokalpolitikern. Fieberhaft arbeiten die Energiekonzerne und Anlagenbauer daher an der neuen Technik. Noch ist allerdings ungewiss, ob sie schnell genug reif ist für die Großserie. Außerdem fehlt noch immer der gesetzliche Rahmen für die Abscheidung des Kohlendioxids.

Am Standort Schwarze Pumpe investiert der Energiekonzern Vattenfall 70 Mill. Euro in die Pilotanlage, die in den nächsten Wochen schrittweise die Stromproduktion aufnimmt. Das Kohlendioxid, das dort bei der Kohleverbrennung entsteht, wird abgeschieden und gespeichert („Carbon Capture and Storage“, kurz CCS). Mit einer Leistung von 30 Megawatt (MW) handelt es sich allerdings lediglich um ein Miniaturkraftwerk. Vattenfall plant bereits ein weiteres Kraftwerk mit Kohlendioxidabscheidung. Es soll eine Leistung von 300 MW haben und bis 2015 fertiggestellt sein. Zum Vergleich: Das Kohlekraftwerk ohne CCS-Technologie, das Vattenfall in Hamburg-Moorburg bauen will, soll eine Leistung von über 1600 MW haben.

Am Fall Moorburg wird deutlich, dass die Pilotanlage in der Lausitz für Vattenfall alles andere als Spielerei ist. Das Kraftwerk in Moorburg steht vor einer überaus ungewissen Zukunft, seit sich in der Hansestadt eine Regierungskoalition unter Beteiligung der Grünen gebildet hat. Auch RWE und Eon stießen mit Kohlekraftwerken bereits auf erhebliche Widerstände und mussten Projekte wieder aufgeben. Beide Unternehmen arbeiten daher wie Vattenfall mit Hochdruck am Thema CCS. So will RWE 2014 ein 450-MW-Kraftwerk mit CCS-Technologie in Betrieb nehmen.

Die Kohlendioxidabscheidung erscheint für die Unternehmen als letzte Rettung. Doch noch bestehen viele Unsicherheiten: „Heute können wir noch nicht mit letzter Sicherheit sagen, ob die Technik in großem Maßstab laufen wird. Allerdings tragen die laufenden Pilotprojekte dazu bei, dass wir deutlich vor 2020 Gewissheit haben werden“, sagt Michael Donnermeyer, Geschäftsführer des Informationszentrums klimafreundliches Kohlekraftwerk, in dem sich Kraftwerksbetreiber und Anlagenbauer zusammengeschlossen haben.

Anlagenbauer Alstom, der das Kraftwerk für Vattenfall am Standort Schwarze Pumpe baut, gibt sich ebenfalls zurückhaltend. Derzeit sei man noch nicht in der Lage, CCS-Anlagen für den kommerziellen Einsatz herzustellen: „Bis man einen zuverlässigen Anlagenbetrieb garantieren kann, vergehen noch Jahre“, sagt Andreas Wittke, Vertriebschef von Alstom Deutschland. Man strebe an, Mitte nächsten Jahrzehnts die Marktreife erreicht zu haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Greenpeace äußerst skeptisch

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