| HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Mai 2008, 12:46 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Im Seegebiet zwischen Japan und Taiwan, im sogenannten Okinawa-Trog, experimentiert die Natur selbst: An drei Stellen in 1 300 bis 1 600 Meter Wassertiefe tritt flüssiges Kohlendioxid aus dem Grund – ein Glücksfall für die Wissenschaft. Mit dem Tauchroboter „Quest“ des Bremer Marum (Zentrum für Marine Umweltwissenschaften) haben Rehder und sein Team die Quellen vier Wochen lang beobachtet und Proben genommen. Inzwischen glauben die Forscher zu wissen, wie das Quellensystem funktioniert: „Offenbar braucht es einen ganz bestimmten Rahmen: viel Kohlendioxid, viel Hitze und ein langsames Abkühlen mit wenig Durchmischung.“ All das bietet das Südchinesische Meer. Vor Taiwan taucht die Philippinische Platte unter den Eurasischen Kontinent. Dadurch verschwinden Sedimentschichten voll mit Kalkschalen von großem und kleinem Meeresgetier im Untergrund. Im Erdinneren schmelzen Gestein und Kalk. Das darin enthaltene Kohlendioxid löst sich und gelangt in kochender, wässriger Lösung zurück an die Oberfläche des Meeresbodens. Hier kühlt sich die Mischung wieder ab. Das Kohlendioxid wird flüssig oder verfestigt sich mit Wasser zu einer eisartigen Masse. Andere Gase wie Methan und Schwefelwasserstoff bleiben im Wasser gelöst. Bestimmte Bakterien beziehen hieraus ihre Lebensenergie, höhere Organismen wiederum ernähren sich von ihnen: Um die Quellaustritte herum wuseln unzählige Krebse und Muscheln. „Erstaunlich, dass es hier überhaupt Leben gibt. Eigentlich ist der Kohlendioxid-Gehalt viel zu hoch“, sagt Antje Boetius vom Max-Planck-Institut Marine Mikrobiologie in Bremen. Denn Kohlendioxid verdrängt den Sauerstoff im Blut. Wer einmal versehentlich zu viel von dem Gas eingeatmet hat, weiß: Es schwächt den Körper, der Atem geht flacher, und irgendwann kommt die Ohnmacht. Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Putzmuntere Tierchen trotz Kohlendioxid“ | ||||||||||||||||||||||||
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