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HANDELSBLATT, Freitag, 11. Januar 2008, 16:55 Uhr
Darüber spricht das Netz

Der schleichende Tod der CD

Von Jens Schröder

Dramatische Zahlen aus dem Weihnachtsgeschäft treiben die Musikindustrie weiter in die Enge. Ausweg: DRM-freie Downloads bei Amazon & Co. Unterdessen baut Microsoft seinen XBox-Live-Service mit Fernsehinahlten aus und ein paar bekannte Blogger überlegen sich ein Geschäftsmodell für Twitter. „Darüber spricht das Netz“ – jeden Freitag bei „Handelsblatt.com“.



Die CD wird zum Auslaufmodell. Foto: dpa
Bild vergrößernDie CD wird zum Auslaufmodell. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Auch wenn schrumpfende Umsätze für die Tonträgerindustrie keine brandheißen Neuigkeiten sind, so schockierten diese Zahlen wohl auch dort: In den USA, dem größten Musikmarkt der Welt, sanken die Albumverkäufe im Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent. Statt 105 Millionen wurden nur noch 84 Millionen an den Mann gebracht. Zwar stiegen die Umsätze mit Musik-Downloads im gesamten Jahr 2007 um fast 50 Prozent, doch das Minus in der Gesamtbilanz der Branche kann auch dieser Anstieg nicht verhindern. So vom Kunden in die Ecke gedrängt, haben nun alle vier Majors den Kopierschutz ihrer Musikdateien, das so genannte Digital Rights Management (DRM) beerdigt. Der große Gewinner dieser Entwicklung heißt Amazon. Der Alles-Verkäufer bietet ab sofort – leider weiterhin nur in den USA – Musik aller großen Plattenfirmen an und wird damit zu einem noch ernsteren Konkurrenten für Apples iTunes. Auch der untote Anbieter Napster will seiner Kundschaft künftig nur noch DRM-freie Musik anbieten. Damit besteht im Jahr 2008 doch noch die Chance, dass die Branche so etwas wie Kundenfreundlichkeit lernt. Denn: Nur wenn Musikfans in Shops wie dem von Amazon alle Musik bekommen, die sie wollen, aktuelle und historische, und nur wenn sie die auf jedem Gerät, das sie besitzen, auch hören können, nur dann werden sie illegalen Tauschbörsen den Rücken kehren.

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Etwas untergegangen in all den Abschieds-Arien für den Ex-Microsoft-Boss Bill Gates ist die Ankündigung, die XBox-Live-Plattform weiter in Richtung Videodienst auszubauen. Wie erfolgreich die Online-Community ist, auf die über die Microsoft-eigene Spielkonsole zugegriffen werden kann, zeigt die Tatsache, dass mittlerweile 10 Millionen Abonnenten 49 Dollar pro Jahr für den Dienst bezahlen. Umsätze von 500 Millionen Dollar jährlich also. Künftig können diese Millionen auch TV-Serien und Filme von ABC, Disney und MGM schauen. Ein weiteres Indiz dafür, dass Spielkonsolen die große Chance haben, alle Unterhaltungssegmente, von der Musik über Filme, Fernsehen und natürlich Videospiele zusammenzuführen und zur Wohnzimmer-Entertainment-Schaltzentrale zu werden.

Internet-Links

Geschafft hat es ein Unternehmen wohl dann, wenn fremde Leute dabei helfen wollen, Geld zu verdienen. So geschehen bei Twitter. Das allseits bejubelte Spielzeug der weltweiten Bloggerszene, ein Mix aus Chat und Infokanal, erfreut sich zwar der Beliebtheit von Hunderttausenden von Mitgliedern, doch ein Geschäftsmodell fehlt bislang. Angestoßen von Allen Stern („Is Twitter F’ed?“) haben sich u.a. Dave Winer, Robert Scoble und Jason Calacanis Gedanken über ein potenzielles Twitter-Geschäftsmodell gemacht. Von Werbeeinblendungen in jedem 100. Twitter-Beitrag bis zu Gebühren für die verschickten SMS oder sogar einem Twitter-Handy gingen die Vorschläge. Was Twitter davon aber tatsächlich umsetzt, muss sich erst zeigen. Denn noch verzichtet man dort aufs Geld verdienen.

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