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HANDELSBLATT, Freitag, 18. Januar 2008, 16:55 Uhr
Darüber spricht das Netz

Das E-Mail-Postfach als Community

Von Jens Schröder

Mit einem interessanten Konzept will die Firma Xobni das Postfach der E-Mail-Nutzer zur Social Community ausbauen. Unterdessen hat Apple das Internet kaputt gemacht und in Schweden stehen demnächst Piraten vor Gericht. „Darüber spricht das Netz“ – jeden Freitag bei „Handelsblatt.com“.


DÜSSELDORF. So mancher wird sich schon gefragt haben, warum überall im Netz neue soziale Netzwerke auf Plattformen wie Xing oder Facebook aufgebaut werden, wenn doch jeder Internetnutzer schon ein eigenes Netzwerk auf seinem Computer hat: im E-Mail-Postfach. Diese Tatsache will der neue Dienst Xobni (rückwärts für Inbox) nutzen: Er stellt eine kleine Zusatzsoftware zur Verfügung, mit der das Postfach zur mächtigen Community wird. Vorerst nur für Outlook verfügbar, extrahiert Xobni automatisch alle Personen, mit denen man jemals in Kontakt stand, sucht die passenden Telefonnummern dazu, stellt dar, wann, wie oft und warum man mit ihnen im Kontakt stand und sucht sogar nach Verbindungen zwischen den Personen. Außerdem hilft Xobni bei der Suche innerhalb der E-Mails, übernimmt das Termin-Management und stellt ein Ranking der engsten Kontakte des Nutzers her. Damit zeigt Xobni das Potenzial, das in den Infos von E-Mail-Postfächern steckt und beweist gleichzeitig, dass die gute alte E-Mail keineswegs tot ist, sondern noch ein langes Leben haben wird. Vorerst befindet sich Xobni noch in einem Beta-Test, den ausschließlich Outlook-Nutzer absolvieren können, weitere Plattformen und eine Öffnung für jedermann sollen allerdings folgen.

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Das dominierende Thema in den weltweiten Blogs war in den vergangenen Tagen natürlich Apple und die Steve-Jobs-Keynote bei der Messe Macworld. Bevor die Blogger ihre (überwiegend zurückhaltenden bis negativen) Meinungen zum neuen MacBook Air und dem Internet-Video-Verleih über iTunes veröffentlichen konnten, sorgte das Ereignis selbst für Spannungen im Netz. Parallel zur Jobs-Keynote gingen zahlreiche Blogs und Dienste wie Twitter in die Knie. Die Apple-Fans hatten mit ihrer Neugier dafür gesorgt, das die Websites an die Grenzen der Belastbarkeit kamen. „Twitter is currently experiencing some slowness related to the massive number of updates around Steve Job's keynote at MacWorld.” hieß es beispielsweise im offiziellen Twitter-Blog. Für die Nutzer des Kurzmitteilungsdienstes waren das allerdings keine großen Neuigkeiten, zu oft fällt Twitter immer noch aus. Neben der Suche nach einem Geschäftsmodell sollte bei Twitter vielleicht auch eine Suche nach besserer Technik gestartet werden.

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Zum vorerst wichtigsten Duell zwischen Unterhaltungsindustrie und Internet-Piraten wird es demnächst in Schweden kommen. Dort warten die Betreiber des Torrent-Verzeichnisses The Pirate Bay auf ihren Prozess, in dem – so will es zumindest die Industrie – die Schließung der Website beschlossen werden soll. Seit der kurzzeitigen Beschlagnahmung der Server und Festnahme der Betreiber im Mai 2006 arbeitet die schwedische Staatsanwaltschaft an dem Fall. Nun seien Schriftstücke im Umfang von 4000 Seiten an die Beschuldigten übergeben worden, berichtet das Technikblog „ars technica“ – ein Zeichen dafür, dass der Prozess kurz bevorsteht. Der Ausgang erscheint dabei völlig offen. Schweden gilt nicht als urheberrechtsfreundliches Land, im Parlament sitzen sogar sieben Politiker einer Piratenpartei, die die völlige Freigabe von P2P-Diensten im Internet fordern. Wie auch immer der Prozess ausgehen wird, das Ende der Pirate Bay wird wohl nicht so schnell kommen. “I'm quite sure we won't be convicted anyhow,” sagt Pirate-Bay-Betreiber Peter Sunde “ars technica”. “[If we are], we'll just appeal all the way to the European Union court. So in five years time this might be settled.” Zudem gibt es mittlerweile Pirate-Bay-Server in aller Welt. Sollte einer abgeschaltet werden, laufen die anderen einfach weiter. Der Kampf zwischen Piraten und Industrie wird uns auf jeden Fall noch lang erhalten bleiben.

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