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HANDELSBLATT, Freitag, 29. Februar 2008, 13:31 Uhr
Darüber spricht das Netz

Kein Fall für den Internet-Friedhof

Von Jens Schröder

Neue Facebook-Nutzerzahlen sorgen für Aufsehen: Ist der Social-Community-Hype am Ende? Noch lang nicht am Ende ist hingegen Apples iTunes-Shop, tatsächlich am Ende aber der YouTube-Konkurrent Stage6. „Darüber spricht das Netz“ – jeden Freitag bei „Handelsblatt.com“.



Mit neuen Nutzerzahlen sorgt Facebook in der Blogosphäre für helle Aufregung.
Bild vergrößernMit neuen Nutzerzahlen sorgt Facebook in der Blogosphäre für helle Aufregung.

Neue Facebook-Nutzerzahlen haben Teile der Blogosphäre in helle Aufregung versetzt. Laut der Medienforscher von ComScore hat sich das US-Wachstum der Social Community in den vergangenen Monaten stark abgeschwächt, zwischen Dezember und Januar gingen sogar 2,3 Prozent der Besucher verloren. Sofort machte der Begriff „Facebook Fatigue“ die Runde, die „Facebook-Müdigkeit“. Zahlen aus England ziehen weitere Social Communities in die Diskussion. So verlor dort laut Nielsen Media Research nicht nur Facebook, sondern auch Konkurrenten wie MySpace und Bebo.

Auch wenn wohl erst in ein paar Monaten fundierte Aussagen darüber getroffen werden können, ob und wie stark ein Community-Verdruss eingesetzt hat, so deuten viele Zeichen darauf hin, als hätte tatsächlich bei vielen so genannten „Web 2.0“-Angeboten eine Stagnation eingesetzt. Die Neugier bei den Nutzern hat sich abgeschwächt, all die neuen Angebote sind nicht mehr so neu und Communities sprießen wie Unkraut aus dem Boden. Auch der Coolness-Faktor der Angebote schwächt sich mit der Zeit ab: „Wenn konservative Abgeordnete oder große Unternehmen Facebook-Profile anlegen, beschädigt das den Wert der Marke und treibt die Kernnutzer in die Arne neuer und glaubwürdigerer Alternativwebsites“, so Nic Howell von Magazin „New Media Age“. Doch ist diese Tatsache so dramatisch? Wohl nicht. Wie bei jedem Medium und jedem Produkt ist die potenzielle Zielgruppe irgendwann erreicht, neue Nutzer und Käufer zu finden, fällt immer schwerer. Nur weil sich das rasante Facebook-Wachstum der vergangenen Monate abschwächt, ist die Website nicht gleich ein Fall für den Internet-Friedhof.

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Positive und erstaunliche Zahlen hatte Apple in dieser Woche zu verkünden. Nach Angaben der Marktforscher der NPD Group ist Apples Musikdownloadshop iTunes in den USA nun auf Platz 2 der Musikverkäufer angelangt. Wohlgemerkt: Nicht auf Platz 2 der Download-Shops – dort ist iTunes seit Langem Marktführer, sondern auf Platz 2 des gesamten Musikmarktes. Geschlagen wird iTunes nur noch von der Supermarktkette Wal-Mart. Das amerikanische Media-Markt-Pendant Best Buy folgt nun erst auf Rang 3, Versandhändler Amazon dahinter auf Platz 4. Laut NPD Group ist die Zahl der Musikdownloadkundschaft in den USA im vergangenen Jahr um 5 Millionen angestiegen – vor allem bei den 36- bis 50-Jährigen gäbe es einen deutlichen Zuwachs. Um eine Million Kunden geschrumpft ist hingegen der CD-Markt. Vor allem junge Käufer bleiben Tonträgern fern: 48 Prozent der US-Teenager haben demnach 2007 keine einzige CD gekauft, 2006 waren es noch 38 Prozent. Erfreulich für die Musikbranche: Während die Umsätze mit legalen Downloads steigen, stagniert die Zahl derjenigen, die illegale P2P-Tauschbörsen nutzen, um an ihre Musik zu kommen.

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Der YouTube-Konkurrent Stage6 ist am Ende. Wegen zu hoher Kosten und zu hohem Personalaufwand schließt Betreiber DivX, Inc. die Website. Ursprünglich als kleines Angebot geplant, auf dem die Entwickler des Video-Komprimierungsverfahrens Divx zeigen wollten, in welch hoher Qualität Internet-Videos abseits von ruckelnden Flash-Clips à la YouTube möglich sind, wuchs die Nutzerschaft von Stage6 rasant an. "TechCrunch" berichtet, dass diese Besucherströme Kosten von bis zu einer Million Dollar pro Monat verursachen - etwa 11 Prozent der Divx-Einnahmen. Das Aus ist für Divx, Inc. also ein Befreiungsschlag. Die wachsende Popularität der Plattform ist zu einem großen Teil Leuten zu verdanken, mit denen sich kaum ein seriöses Unternehmen gern umgibt. Seit Jahren wurde Stage6 verstärkt von Leuten genutzt, die dort nicht ihre eigenen produzierten Videos hochluden, sondern aktuelle Kinofilme und Fernsehserien. Zwar wurden diese illegalen Inhalte ebenso wie Pornografisches von den Stage6-Mitarbeitern regelmäßig gelöscht, doch gegen die Flut von illegalen Inhalten kamen sie zum Schluss nicht mehr an. Die Folge: Millionen von neuen Besuchern für Stage6, aber eben auch wesentlich höhere Kosten und ein erheblicher Mehraufwand bei der Pflege der Website. „TechCrunch“ spekuliert zudem über Streitereien im Management, die das Aus der Website beschleunigt hätten. Wie auch immer: Die Konsolidierung im Markt der Videoplattformen hat offensichtlich begonnen.

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